Kulinarisch Kolorieren für Kinder

27. Juni 2009 by Herr Paulsen

Ich habe das große Glück, gleich zweimal im Leben zum Patenonkel ernannt worden zu sein und mit Lilly und Laszlo habe ich zweifelsfrei die tollsten Patenkinder von der ganzen Welt. Neben der großen Verantwortung die ich mit Vergnügen eingegangen bin, darf man ein Kind aufwachsen sehen ohne sich selbst die Nerven zu ruinieren, genießt nur die schönsten Momente, kann verwöhnen und beschenken und sich einbilden etwas beizutragen zum Wohlsein und Wachsen des Kindes. Ein toller Job!

Ich versuche dabei, sie ahnen es, mehr oder weniger subtil, die lieben Patenkinder für die Freuden des Kochens und Essens zu gewinnen, gebe gerne den küchentechnischen Erklärbär und übe mich selbst in buddhistischer Gelassenheit, wenn sich das Zupfen von Salaten zur abendfüllenden Beschäftigung ausweitet. Da ich der beiden süßen Racker aber nicht immer habhaft werden kann, schenke ich mit größtem Vergnügen kulinarisches Spielzeug, vom Holzgemüse zum selber schneiden bis zum reimenden Kinderkochbuch.

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Neuerwerb ist ein wunderschönes Malbuch für Kinder, dass die Liebste auf Reisen entdeckt hat, dass es aber natürlich (wie irgendwie beinahe alles) online zu bestellen gibt. Das Colouring Book Food besticht gerade durch seine ergreifende Schlichtheit und die zarten Zeichnungen.

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Und da das Buch aus England kommt, gibt es neben pädagogisch wertvollen Vorlagen wie Salattplatte und Obstkorb auch politisch unkorrekt einen dicken Burger, Hot Dogs und ein englisches Frühstück. Die Gefahr, dass die lieben Kleinen später Hungerhaken oder Veganer werden, dürfte dementsprechend erstmal gebannt sein.

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The Food Colouringbook @ npw.co.uk

Jetzt am Kiosk und online als Vorschau: Effilee Magazin N°.5

26. Juni 2009 by Herr Paulsen

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Seit heute am Kiosk: die neue Ausgabe von Effilee-Magazin für Essen und Leben. Und auch diesmal gib es wieder eine Folge meiner Kolumne „Herrn Paulsens Deutschstunde“; in jeder Ausgabe nehme ich mich der Geschichte, Herkunft und Rezeptur eines Deutschen Küchenklassikers an. Nachdem meine Erkenntnisse zur Frankfurter Grünen Sauce in der letzten Ausgabe von Hardlinern und Traditionalisten durchaus kontrovers diskutiert wurden, verscherze ich es mir diesmal eventuell mit Leipzig:

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Da schleim ich sicherheitshalber schon mal ein bisschen vor: die klassische Rezeptur des Mischgemüses (u.a. mit frischen Erbsen, Spargel und Krebsen, fluffigen Klößchen und einer buttrigen Sauce) gehört seit der Recherche zu den Lieblingsspeisen im Hause Paulsen.

Auch habe ich wieder ein paar schnelle Teller gekocht, muss allerdings zugeben, dass meine Rezepte einen klitzekleinen Moment mehr Zeit in Anspruch nehmen, als es der neue Effilee-Fernsehspot suggerieren mag:

Einen Vorgeschmack davon was sonst noch im Heft serviert wird, zeigt online die Vorschauseite zum Heft :

Effilee N° 5 Inhalt/Vorschau

Spontaner Gottesbeweis im La Bottega Italiana, Bremen

24. Juni 2009 by Herr Paulsen

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„Schon mal was zu trinken?“
„Ja, ich hätte gerne einen schönen Weißwein.“
„Den Milden oder was Kräftiges?“
„Oh, da würde ich dann doch gerne in die Karte sehen!“
„Sie waren noch nicht bei uns, oder?“
„Nein.“
„Wir haben nämlich keine Karte.“

So beginnen perfekte Abende oder legendäre Reinfälle. Ich bin jedenfalls schon mal richtig gespannt und bestelle „den Milden“ (5 Euro). In Ermangelung einer Karte erzählt mir die junge Frau vom Service was es so gibt heute Abend und es gibt viel und alles klingt verführerisch. Kein Restaurant also, dass sich die künstliche Verknappung als Entschuldigung für bescheidene Einkäufe zueigen gemacht hat. Und ich bin angenehm überrascht dass man mir, Alleinesser auf Montage, zügig und unbürokratisch den letzten freien Vierer-Tisch gibt und mit neuer, blütenweißer Stofftischdecke bezieht.

Ich kann mich kaum entscheiden, wähle Lachs-Carpaccio, gebratene Jacobsmuscheln und Bolitto vom Kalb, die freundliche Servicekraft zögert kurz, schüttelt dann den Kopf und sagt: „sie schaffen das!“ Bis das Carpaccio kommt überlege ich, ob das jetzt ein Kompliment war oder die diplomatisch verpackte Aufforderung mein Lauftraining noch härter zu gestalten. Zu düsteren Gedanken dieser Art schmeckt der „Milde“ sehr gut, ein passabler Hauswein. Zwei Scheiben Baguette werden dazu serviert und ein ganzes Glas köstliches Oliven-Gemüse-Gehäcksel. Das Missverhältnis zwischen Brot und Aufstrich stört nicht weiter, die grüne Tapenade schmeckt auch ohne Brot.

Das Carpaccio (11 Euro) ist von einer dieser hausgemachten, rohen Fischrouladen, die in Klarsichtfolie gewickelt, eingefroren, bei Bedarf portionsweise mit der Aufschnittmaschine hauchdünn gehobelt werden und auf dem Weg zum Gast auftauen. Das ist nicht verwerflich und sofern der Tiefkühler funktioniert und der Absatz stimmt, ist dies eine durchaus geeignete Methode, frischen Fisch roh auf den Teller zu bringen. Die haudünnen Lachspiralen, mit grasgrünem Basilikum-Pesto marmoriert, schmecken taufrisch und schwimmen in reichlich sehr gutem Olivenöl, zwei rohe Scheiben Fenchel sorgen für Biss, köstlich.

Der Chef, Signore Bramante, wuselt durchs schlichte Restaurant und erklärt an allen Tischen wortreich seine Weinauswahl, es braucht definitiv keine Karte, Signore Bramante ist in Hochform und die Korken fliegen! Einen Abstecher zur den Ruheräumen nutze ich für einer Restaurantbesichtigung, es herrscht Hochbetrieb in der offenen, sehr sauberen Küche im hinteren Teil des Restaurants, alle Plätze sind belegt auch die kleine Sommerterrasse, Teller mit imposanten Portionen gehen über den Küchenpass.

Auch meine Jacobsmuscheln (12 Euro) sind nicht zu knapp berechnet, vier dicke Muskeln auf Zitronengras gespießt, außen goldbraun gebraten, innen gerade eben heiß, perfekt. Der cremige Kartoffelstampf dazu ist goldrot angereichert mit reichlich pürierter Möhre, buttrig mit einem Hauch Weißwein abgeschmeckt. Alles macht Sinn. Sogar und auch die unvermuteten Zitronengrashalme und der reduzierte Balsamico am Tellerrand, der anderswo nur Deko-Tourette ist. Perfekt.

Ich bleib beim „Milden“ und staune über das Bollito (14 Euro). Zwei dicke, saftig geschmorte Scheiben Kalbsbrust in würzig-dunkler, ungebundener Jus unter einem Berg von weich geschmortem Staudensellerie und butterzarten Möhren, dazu ein Teller mit knackig gegarten, breiten grünen Bohnen, bissfestem Wirsing und ein paar geschmorten Tomaten, gewürzt mit Olivenöl und Salz und sonst nix. Spontaner Gottesbeweis!

Ich bin so hingerissen, dass ich, gegen meine Gewohnheit (und ganz sicher gegen mein Lauftraining) ein Dessert bestelle, fremde Zungen sprechen aus mir. Nach wenigen Minuten der Schock: ich habe tatsächlich Tiramisu bestellt (5 Euro). Seit den 70ger Jahren ist diese vormals redliche, italienische Süßspeise in deutschen Haushalten bis zur Unkenntlichkeit ruiniert worden: Hauptsache Löffelbisquit, brennbare Flüssigkeit drüber, ordentlich Mascarpone in die Fugen rein und final ein Kakao-pulvernes Deckmäntelchen ausgestreut. Schlimm.

Ist hier natürlich anders. Perfekt eben.

La Bottega Italiana
Familie Bramante
Fedelhören 102
28203 Bremen

Telefon 0421-32 13 84
Telefax 0421-32 13 84

Öffnungszeiten
Dienstag bis Samstag: 12.00 bis 14.30 Uhr und 18.00 bis 23.00 Uhr
Sonntag und Montag Ruhetag

Hellmuth Karasek, Tatortkommissar Deininger und ich auf dem Harbourfront Literaturfestival

23. Juni 2009 by Herr Paulsen

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So ein Buch zu veröffentlichen ist eine aufregende und spannende Angelegenheit. Es gibt noch viel zu planen und zu entscheiden bis Monsieur, der Hummer und ich Anfang September erscheint. Gestern gab es dann einen eher unwirklichen Moment. Als mir die Damen und Herren Verleger vor Wochen schon eröffneten, es bestünde eventuell die Möglichkeit gemeinsam mit Literaturkritiker Hellmuth Karasek und Tatortkommissar Deininger einen kulinarischen Leseabend zu bestreiten, da sagte ich lachend zu, ja genau, sagte ich, mit lang gezogenem u und Himmelsblick. Ich dachte die machen Spaß.

Nun war aber gestern die offizielle Pressekonferenz zum neuen Hamburger HARBOURFRONT Literaturfestival. Die Hansestadt gönnt sich ab diesem Jahr ein internationales Buchfestival mit 85 Veranstaltungen in 11 Tagen (09.-19.09.2009), alle Veranstaltungsorte liegen malerisch in Hafennähe, die Gästeliste ist, mit 99 Autoren aus 15 Ländern, beeindruckend. Und tatsächlich: auch Hellmuth Karasek, der saarländische Schauspieler Gregor Weber und ich werden gemeinsam auftreten. „Genuss in alten Gemäuern“ nennt sich die kulinarische Lesung am 11.09.2009 um 19:00 Uhr an einer langen Tafel in einem Seitenschiff der ehrwürdigen St. Katharinen-Kirche.

Der Schauspieler Gregor Weber (u.a. Tatortkomissar Deininger) absolvierte im „hohen“ Alter von 35 Jahren eine Lehre in Kolja Kleebergs Restaurant VAU, und begab sich dann auf Wanderschaft durch Deutsche Küchen. Jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben aus dem er an diesem Abend vorlesen wird: “Kochen ist Krieg! – Am Herd mit deutschen Profiköchen”. Hellmuth Karasek wird zeigen „dass die Literatur durch den Magen geht“, und ich werde aus meinem, dann druckfrischen Buch Monsieur, der Hummer und ich lesen, Pastor Frank Engelbrecht moderiert. Also ich freu mich.

Alle Infos zum Abend finden Sie hier:

HARBOURFRONT Literaturfestival / Lesung: Genuss in alten Gemäuern

Tim Mälzers Bullerei eröffnet offiziell am 1. Juli – Reservierungen ab jetzt möglich

22. Juni 2009 by Herr Paulsen

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Foto: bullerei.com

Unglaubliche 23.000 Menschen haben hier in den letzten Wochen meine zwei kleinen Erwähnungen zu Tim Mälzers neuem Restaurant angeklickt, da ist es dann einfach auch Chronistenpflicht: eben kam der Bullerei-Newsletter rein, jetzt ist es offiziell, die “Bullerei” öffnet am 1. Juli ihre Pforten, ich zitiere:

“Moin,
es ist viel Wasser die Elbe hinabgeflossen,
seitdem wir mit den Bauarbeiten begonnen haben.
Aber langsam und sehr sicher ist ein Ende
abzusehen. Wir arbeiten gerade fieberhaft mit
unzähligen Handwerkern Tag und Nacht an der
Eröffnung der Bullerei. Viele Dinge stehen, sind
fertig und installiert. Aber ein paar letzte
Arbeiten sind noch zu tun.

Aber am 1. Juli ist es soweit.
Die Bullerei macht auf!

Ab sofort nehmen wir Reservierungen unter der
040 / 33 44 2 110 an.

Wir sind telefonisch von Montag-Freitag von
10-18 Uhr zu erreichen.

Rund um die Uhr per mail an: info(at)bullerei(dot)com
und per Fax auf der: 040 – 33 44 2 11 99.

Wir bitten sehr um Verständnis, wenn es in den
nächsten Tagen mal ein wenig länger dauert am
Telefon. Es kann auch durchaus passieren, dass
Sie mal nicht durchkommen. Am besten schreiben
Sie uns dann kurz eine Mail. Wir bemühen uns
sehr, alle Anfragen schnellstmöglich zu
beantworten. Wir müssen uns aber natürlich erst
einspielen. Das Büro ist neu, die Telefonanlage
braucht sicherlich noch den letzen Schliff und
manchmal ist einfach so viel los, dass wir nicht
alles parallel und sofort beantworten können…

…Wir freuen uns schon jetzt auf den ersten Abend
in der Bullerei und können es kaum erwarten, bis
alles steht und es endlich los geht.

Und in der Zwischenzeit gibt es regelmäßig neue
Videos auf Foto: bullerei.com über den Stand
der Dinge hier auf der “Noch-Baustelle”.
Bis ganz bald in der Bullerei!

NutriCulinary wünscht viel Erfolg!

Gesehen: Bottle Shock – als der kalifornische Wein nach Europa kam

20. Juni 2009 by Herr Paulsen

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“The French never knew what hit them”

Zumindest ich habe den Film im Kino irgendwie übersehen, Bottleshock müsste seit dieser Woche auch in Ihrer Videothek zu haben sein. Die Geschichte um die historische Weinverkostung von 1976 in Paris, bei der erstmals amerikanische Weine in einer Blindverkostung mit französischen Gewächsen konkurrierten, ist eng mit der Geschichte der Napa Valley Winery Chateau Montelena verbunden. Bill Pullman spielt den engagierten, aber leidvoll glücklosen Winzer Jim Barrett der sich neben Geldsorgen auch mit seinem Hippie-Sohn (Chris Pine) rumschlagen muss. Der Besuch des versnobten britischstämmigen Weinhändlers Steven Spurrier (Alan Rickman) aus Paris, verändert nicht nur das Leben der Barretts…

Der Film ist wie ein alter Rotwein, er braucht Zeit sich zu entfalten, ist dann aber, insbesondere für Weinfreunde, ein echter Genuss. Nach einer längeren, äh…Aufbauphase kommt der Film richtig in Schwung, ein großer Spaß, besonders Alan Rickman brilliert als hochnäsiger Weinhändler (unbedingt die englischsprachige Version einschalten, Rickmans französischer Akzent allein ist köstlich).

Neben den unvermeidbaren und exzessiv gezeigten Flugaufnahmen von in der Abendsonne glänzenden Weinbergen, philosophiert der Film so manches mal in langatmigen Off-Tönen über die Schönheit des Weines und der Arbeit des Winzers, es ist arg romantisch das Ganze und ab und an gemahnen die gesungen Loblieder doch stark an PR für den amerikanischen Weinbau. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte (die aber gut durchzustehen ist, Männers) ansonsten ist der Film angenehmste Abendunterhaltung, halten Sie nur unbedingt eine gut gekühlte Flasche Chardonnay bereit.

Wer, wie ich, den völlig überschätzten Film „Sideways“ gehasst hat (unsympathische Männer um die Vierzig die ihr Leben nicht im Griff haben und darüber wortreich in Rotwein und Selbstmitleid zerfließen), diesen farb- und freudlosen Midlifecrisis-Mist, der wird von „Bottle Shock“ angenehm überrascht, amerikanische Filme über Wein können doch unterhaltsam sein.

Der 11. Hamburger Schlemmersommer ist gestartet

17. Juni 2009 by Herr Paulsen

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Auch dieses Jahr gibt es wieder den Hamburger Schlemmersommer, seit dieser Woche, und noch bis zum 15. August, bieten 87 Hamburger Spitzenrestaurants in Kooperation mit dem Hamburger Tourismusverband ein drei-vier Gänge Menü zum Preis von 59 Euro für zwei Personen. Da ist so manches kulinarisches Schnäppchen zu machen, um Reservierung mit Bezugnahme auf den Hamburger Schlemmersommer wird gebeten.

Auf www.hamburgkulinarisch.de findet sich eine Liste aller teilnehmenden Restaurants. Die Liste macht Appetit: einfach mit der Maustaste über die Restaurantnamen scrollen, schon zeigen sich die jeweils angebotenen Menüs, bei vielen Restaurants ist auch eine direkte Reservierung online möglich. Das Angebot ist anregend, interessant auch, wer für diesen was Preis auf den Tisch bringt:

Hamburger Schlemmersommer 2009, alle Restaurants und Menüs

via PJepsen/qype

Cloudy with a Chance of Meatballs

17. Juni 2009 by Herr Paulsen

Kollege eat vom 22andabeer Blog war so freundlich mich auf diesen kleinen, bemerkenswerte Trailer aufmerksam zu machen. Cloudy with a Chance of Meatballs ist die animierte Verfilmung des gleichnahmigen Kinderbuches von Judi und Ron Barrett (1976). Der junge Flint ist ein begabter Erfinder von Erfindungen die niemand haben will. Eines Tages gelingt ihm allerdings erstaunliches: die Transformation von Wasser in handfeste Mahlzeiten. Serviette umbinden und staunen:

www.cloudywithachanceofmeatballs.com/

Faldbakken, Frau Kristensen und ich – Lesung auf der literatur altonale

15. Juni 2009 by Herr Paulsen

Lang habe ich mich nicht mehr so auf einen Lesung gefreut. Am kommenden Donnerstag habe ich die Ehre, im Rahmen der literatur altonale zusammen mit den norwegischen Autoren Mirjam Kristensen und Matias Faldbakken zu lesen. Die Freude ist so groß, weil ich Faldbakkens Arbeiten sehr schätze.

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© Simon Skreddernes

Der Künstler und Autor (Faldbakken selbst legt Wert auf diese Reihenfolge) beendet mit seinem eben im Münchner Blumenbar Verlag erschienenen Buch Unfun (es geht um gewaltverherrlichende Computerspiele und natürlich gibt es ein Massaker) seine „Skandinavische Misanthropie“.

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Faldbakken gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller und Gegenwartskünstler Skandinaviens. Er studierte Kunst u.a. in Frankfurt bei Thomas Bayrle, im Nationalmuseeum Oslo läuft seit dem 29. Mai (und noch bis zum 20. September) seine Kunstausstellung Shocked into abstraction.

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Die Norwegische Autorin Mirjam Kristensen erzählt in ihrem neuen Roman „Ein Nachmittag im Herbst“ von Rakel, deren Mann während eines Museumsbesuchs spurlos verschwindet. Das Buch ist im Dörlemann Verlag erschienen, eine Kritik des Deutschlandradio Kultur findet sich hier.

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Ich habe für den Abend extra die schlechtgelaunteste Geschichte (Misanthropie!) aus meinem im September beim Hamburger mairisch Verlag erscheinenden Buch „Monsieur, der Hummer und ich – Erzählungen vom Kochen“ ausgesucht. Infos dazu gibt es hier im mairisch Verlags-Blog, das Buch kann ab sofort bereits im Buchhandel, sowie direkt (und in Deutschland Versandkostenfrei) beim mairisch Verlag vorbestellt werden.

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Eine Lesung der 11. literatur altonale 2009

Moderation: Daniel Beskos (mairisch Verlag) und Sirkka Klöpper-Mauermann.
Die deutschen Übersetzungen (Max Stadler (Mathias Faldbakken)/Ina Kronenberger (Mirjam Kristensen)) liest Stephan Benson.
Mit freundlicher Unterstützung des Königlich Norwegischen Generalkonsulats und NORLA. In Kooperation mit dem mairisch Verlag

18. Juni, 21 Uhr
Kulturhaus III&70
Schulterblatt 73
Eintritt 6/4 (Karten an der Abendkasse)

Seitan-Bratwurst im Selbstversuch

14. Juni 2009 by Herr Paulsen

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Ich halte dünne Scheiben vom Sirloin-Steak (medium-rare) gebraten, mit grobem Meersalz und frisch geschrotetem Pfeffer bestreut, für ein Grundrecht und nehme für die beste grobe Bratwurst der Stadt kilometerlange Umwege in kauf. Ein perfektes Wiener Schnitzel ist für mich die essbare Version von „Freude schöner Götterfunken“ (alle Menschen werden Brüder, wo sich sanft Panade wellt) und Grillhähnchen mit knuspriger Paprika-Haut atme ich gerne mal einfach weg.

Trotzdem arbeite ich schon ein paar Jahre daran, nicht zuviel Fleisch zu essen, aus gesundheitlichen Gründen und geoökologischen Bedenken. Ich kann prima und kreativ ohne Fleisch kochen, ich habe das gelernt, das ist nicht das Problem. Mein Thema ist die Fleischsimulation, die Ersatzdroge, das Fleisch gewordene Placebo. Der tief im Vegetarismus verwurzelte Wunsch nach Fleischimitation ist rührend und erfasste auch mich.
Nach ersten Versuchen mit Tofu (quarkähnlicher Käse aus den Eiweißstoffen der Sojabohne) plagten mich Hungergefühle und Verlustängste. Dranbleiben, dachte ich mir und habe dann sogar mal einen Tofu-Burger entwickelt der täuschend echt eine Art Fleischgeschmack simulierte. Das Geheimnis waren der Majoran und fein zerstäubte Röstzwiebeln, sowie die üppige Zugabe von Rauchsalz. Ich schickte das Rezept damals sogar an die größten Burgerketten der Welt um reich zu werden. Keine Antwort. Die Welt war noch nicht bereit.

Als ich Seitan entdeckte, das sind diese grauen in Folie eingeschweißte Klumpen, ganz hinten im Kühlregal des Bioladens, das brach eine neue Dekade an! Seitan (Aus Weizeneiweiß (Gluten) und Wasser, bestenfalls mit Sojasauce, Kombualgen und Ingwer angereichertes Fleischimitat), hatte ich zwar nicht erfunden, sondern buddhistische Mönche um 1900 rum, aber es öffnete mir die Tür zu vorgegaukelter Fleischeslust. Das beginnt beim Preis. 250 g Seitan kostet doppelt so viel wie 250 g Schweinenacken aus dem Supermarkt. Aber Seitan ist ein wahrer Allrounder, die Glutenpracht kann man in lustige Formen schneiden, braten, schmoren, grillen. Seitdem koche ich gerne mal ein schönes Seitangulasch, mein Seitan-Döner ist auch sehr beliebt, nicht zu vergessen der Seitan „Wiener Art“ mit Gurkensalat.

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Gestern habe ich dann erstmals industriell gefertigte Saitan-Würste probiert, kulinarisches Interesse gepaart mit Faulheit und großer Risikobereitschaft lies mich je eine Packung Bratwürstchen und Knackwürste in Anführungszeichen und Plastikfolie erstehen. Die roten Knackwürste bereitete ich vor dem Braten noch nach Schinkenwurst-Art vor, indem ich die „Würste“ leicht einritzte, was insgesamt einem Gefühl von Margarine schneiden glich und beim Braten in der Grillpfanne den erhofften Effekt zu Wünschen übrig lies. Kalt rochen beide Würstchensorten nach Leberwurst, ich musste kurz lachen. Insgesamt ziehen die Würste beim Braten stark Fett, das tut Seitan allgemein sehr gerne und ist damit nicht direkt als diätisches Lebensmittel einzustufen.

Überraschung dann beim Geschmackstest. Obwohl die, äh…Pelle bei beiden Produkten eher an gekochten Gummischlauch gemahnte, schmeckten die roten Würste, bei reichlicher Verwendung von sehr viel Dijon Senf, tatsächlich wie sehr schlecht gemachte Wiener Würstchen. Obwohl, halt, das kann ich so nicht sagen, viele Würstchen aus dem Glas sind bedeutend schlechter in Biss und Geschmack. Insgesamt als ein Surrogat, dass im Rahmen seiner Daseinsberechtigung in Ordnung ist. Die Bratwürste konnten nicht überzeugen, da wäre mit ein bisschen frischem Majoran und grobem Pfeffer mehr rauszuholen, der Biss auch eher wie Schaumstoff.

Beide Würste weckten in mir eine lodernde Sehnsucht nach gutem Metzgerhandwerk. An einem Samstagabend, kurz vor der Tagesschau, eine Tragödie. Fazit: fleischlos koch ich künftig wieder selbst, Wurst bleibt Wurst, und Seitan macht nur in der asiatisch gewürzten Variante Sinn.