Statt Tatort: “Revolution und Schlaraffenland” – die 1 LIVE Shortstory-Radiolesung am Sonntag
Posted on | Mai 17, 2013 | No Comments

Der WDR hat aus zweien meiner Schlaraffenland-Geschichten ein Radiofeature produziert, für die 1 LIVE Plan B Shortstorys wurden die Geschichten unter der Regie von Susanne Krings mit den Sprechern Lara Pitjou und Orlando Claus aufgenommen. Am Sonntagabend (19. Mai. 2013) sind “Revolution” und “Schlaraffenland” ab 21.00 Uhr zu hören. Eine Stunde läuft die Sendung, die im Anschluss NICHT online abrufbar sein wird, insofern lohnt am Sonntag der Klick zum Livesteam:
http://www.einslive.de/sendungen/plan_b/shortstory
(ganz oben rechts auf der Seite findet sich der Button “Webradio hören”)
oder man programmiert den kostenlosen WDR RadioRecorder, download hier (dolles Ding!)
Eine 2 Minütige Hörprobe gibt es schon hier und es fühlt sich seltsam an, die Geschichte(n) von anderen Sprechern interpretiert zu hören – ich bin selbst wohl am allermeisten gespannt, wie das am Sonntag tönt!
Die Auswahl gefällt mir sehr gut, “Revolution” war auf den Lesereisen immer ein Publikumsliebling. Die Geschichte zweier Foodblogger im Kampf um das politisch korrektere Leben, erfährt zudem gerade Aktualität durch die Netz-Diskussionen über Sinn, Unsinn und Wahnsinn des gesellschaftlichen Engagements in Zeiten von Social Media.
Die zweite Geschichte wird “Schlaraffenland” sein, die titelgebende Gesichte meines Buches, ist echt schwer zu lesen, ziemlich temporeich am Ende und man muss “berlinern” können, wie die Hauptprotagonistin Herta Klöpke. Die resolute Kantinenchefin eines Kaufhauses wird von einem jungen Manager-Schnösel in den Vorruhestand befördert und will sich das nicht gefallen lassen. Eines Nachts kocht Sie am alten Arbeitsplatz nochmal ganz groß auf…
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Fête du Travail – Haebel & Baumanns Menü zum Mai
Posted on | Mai 4, 2013 | 4 Comments
Die Tarterie St.Pauli ist ein Phänomen: Fabio Haebels Café wird ausschließlich von Freunden und Stammgästen besucht. Und täglich werden es mehr. Das mag daran liegen, das Tarterie-Chef Haebel und seine Belegschaft neben ofenknusprigen Tartes, gepflegten Drinks, bestem Kaffee und unprätentiöser Bistroküche vor allem eines im Programm haben: gastfreundschaftliche Herzlichkeit.
Kein Wunder also, dass auch die Fête du Travail, eine Stunde nach Bekanntgabe auf Facebook ausverkauft war: gemeinsam mit dem Hamburger Bartender Marcel Baumann lud Haebel zum 5-Gangmenü in den Mai, man wolle mal: „zeigen was wir so können“.

Helden der Arbeit in Versenkung: Fabio Haebel und Marcel Baumann
Vorweg gabs Abendsonne und prickelnden Cremant, die Gastgeber plauschten tiefenentspannt mit den eintrudelnden Gästen. Der Auftakt dann so übersichtlich wie grandios! Hauchzart aufgeschnittene, rohe Jakobsmuschel beschöpft mit warmer Mohnbutter einem Hauch Honig und Kresse – mit wenigen Zutaten gelang eine sensationelle Vorspeise, buttrig-süß und nussig-zart die Jakobsmuscheln und selbst die von mir zu Unrecht als „Augengimmick“ verdächtigte Kresse, passte perfekt!

Ein ganz großer Gang, den ich klauen werde.
Die folgende Consomée war mir dann ein wenig zu viel Purismus und wirkte wie eine Satire auf die molekulare Küche: eine klare Spargelbrühe ohne Einlage, auf deren Tellerand sich ein zitternder Würfel Schinken-Gelee unter einem Parmesanchip versteckte.
Der Geleewürfel mit Schinkengeschmack löste sich, nach Anleitung durch die Küchenchefs, in der Consomée und in Wohlgefallen auf: die Suppe schmeckte. Gleichwohl sind es eben doch der Spargel und der Katenschinken, die bei einer Spargel-Consomée mit Spargel und Katenschinken das Schönste sind.
Der nächste Gang wieder einer dieser raren Glücksmomente, die man nur selten in Restaurants erleben darf: Minimalismus mit „wau!“-Effekt und neuer Geschmackswelt. Da lag ein schlicht gebratener Kräuterseitling auf einer aufgepinselten Spur Fichten(!)-Jus, anbei ein wenig grobes Salz, Bachkresse und eine essbare Blüte.
Sensationell im Superlativ! Ein perfekt-match aus diesem wunderbaren Pilz mit Biss und der tiefen, hochintensiven Jus, die zart nach Tannenwald schmeckte, dazu knusperte das Salz beim Genießen der ansonsten ungewürzten Kräuterseitlinge.
Beim Hauptgang dann Befürchtungen vorweg: Rinderfilet gehört allermeist nicht zu den Fleischteilen die Köche in kreative Rauschzustände zu versetzen mögen. Außerdem war es mittlerweile zu dunkel für meine blöde Smartphone-Knipse. Imaginieren Sie darum bitte selbst:
Das Rinderfilet-Steak auf knackig grünem Spargel und Roter Bete anbei, überzeugte Aufgrund des perfekt gebratenen, butterzarten Fleisches von höchster Qualität, dazu eine sparsam geträufelte, dafür umso würzigere Jus. Das muss man können. Ich glaube nicht, dass an diesem Abend noch irgendwo sonst in Hamburg DAS perfekte Rinderfiletsteak serviert wurde.
Zum Finale wieder Gewagtes: ein Sorbet aus Apfel mit Wasabi-Wölkchen, Olivenöl und Campari-Krokant, begeisterte mich als zartschmelzendes Ganzes. Und außerdem, ich mein, hallo: ofengetrockneter Campari! Chapeau! die Herren!
Das was Baumann und Haebel da, quasi in ihrer Freizeit, für uns zubereitet hatten, entsprach in weiten Teilen meiner Vorstellung einer modernen Restaurantküche: handwerkliche Perfektion die auf beste Produkte vertraut – als Basis für Teller von vermeintliche Schlichtheit, die kompositorisch wie auch geschmacklich zu überraschen und zu überzeugen verstehen.
Und dann gab es noch ein paar sehr gute Gin Tonic.
Tarterie St. Pauli
Paul-Roosen-Straße 31
22767 Hamburg
Öffnungszeiten
Mo – Di: 11:00 – 18:00
Do – Sa: 11:00 – 22:00
So: 11:00 – 18:00
Abschied von Albert Bouley
Posted on | April 28, 2013 | 8 Comments

Er hatte Karten bestellt für meine Lesung beim WortMenue-Festival in Überlingen am vergangenen Dienstag und ich freute mich auf das Wiedersehen mit meinem Lehrmeister. Doch es sollte nicht sein. Am Tag nach der Lesung erfuhr ich von seinem Tod, viel zu früh, mit nur 63 Jahren, verstarb Albert Bouley nach einer kurzen Krankheit am 23. April 2013.
Albert Bouley ist einer der ganz großen Meister unter den deutschen Spitzenköchen, sein Restaurant Waldhorn mit dem gleichnamigen Hotel in Ravensburg war, insbesondere in den 80er und 90er Jahren, ein Wallfahrtsort für Gourmets – Bouley verwob als einer der Ersten Produkte und Zubereitungen der japanischen und chinesischen Hochküche mit Elementen der klassischen Nouvelle Cuisine der 70er und 80er Jahre.
Der Sohn deutsch-französischer Eltern gilt, gemeinsam mit André Jaeger vom Restaurant Fischerzunft in Schaffhausen am Rhein, als Kreateur der euroasiatischen Küche in Deutschland. 19 von 20 Punkten war das dem Gault Millau wert, 19 Jahre lang strahlte ein Michelin-Stern über dem Waldhorn. 1988 hatte ich das große Glück, als Lehrling in den heiligen Hallen von „Monsieur“ aufgenommen zu werden.
Misopaste, Wasabiwurzel, Udon-Nudeln – bei Albert Bouley gab es alles und alles zehn Jahre früher als irgendwo sonst in Deutschland, alles blickte zu jener Zeit in seine Küche. Nach einer achtwöchigen Probezeit war ich aufgenommen. Er war der König, seine Lehrlinge waren Königskinder. Er schenkte uns eine Ausbildung, die es an Härte und Menschlichkeit nicht fehlen ließ. Er verzieh jedem Witzigmann-Schüler alles, uns Lehrlingen nichts.
Seine Begeisterung für die Kochkunst war gänzlich und bedingungslos. Kochen, das war für ihn ein dringend zu erlernendes Handwerk, nur um dann alles in Frage zu stellen und neu zu arrangieren. Handwerk und Kopf bildeten dabei die Basis, der später dann bestenfalls Bauchgefühl und Innovation folgen konnten. Uns Lehrlingen gegenüber fasste er das immer so zusammen: „Euer Lehrlingsgehalt dient der Anschaffung von Kochbüchern und Fachliteratur und die Mittagspause ist dazu da, diese zu studieren!“
Fordern und Fördern, das war Bouleys Prinzip. Als er herausfand, dass wir in der Berufsschule unangenehm aufgefallen waren, weil wir keinen Schimmer von klassisch deutscher Küche hatten und bei diesem Thema weit hinter den Leistungen der Lehrlingskollegen aus den umliegenden Landgasthöfen zurück blieben, bestellte er extra Ware für das Personalessen, ein Plan und Rezepte wurden ausgearbeitet und wir Lehrlinge kochten uns monatelang mit Rouladen, Labskaus, Schweinebraten, Grüner Sauce und, und, und… einmal quer durch die Deutsche Küche.
Wir durften in unserer Mittagspause, sämtlich Produkte aus den Schränken und Kühlhäusern zerren, für hunderte von Mark mixen und kneten. Abends betrat Monsieur das Schlachtfeld, baute sich am Pass auf und verkostete unsere kulinarischen „Geistesblitze“. Desaströs, eine Geldvernichtungsmaschine, ihm war es aber wichtig unsere Kreativität zu fördern und manche Kreation schaffte es auch auf die abendliche Karte. Ein Adelsschlag.
Als er herausfand, dass wir Lehrlinge zwar dem Alkohol zusprachen, aber rein gar nichts von Wein verstanden, lud Monsieur in der Mittagspause zum Weinseminar mit seiner Frau, Brigitte Bouley. Das Angebot zu Beginn des Kurses war so groß wie beschämend für uns: jeder dürfe sich jetzt eine Flasche seiner Wahl aus dem Weinkeller holen und mit nachhause nehmen. Wir hätten jetzt die Wahl unter Bouteillen zu mehrere tausend Mark, erklärte Monsieur – nur leider wussten wir Lehrlinge nicht welche Flaschen das genau gewesen wären. Wir begannen uns für Wein zu interessieren.
Ich verdanke Albert Bouley sehr viel, er gab mir das Rüstzeug für meinen Lebensweg und stellte in vieler Hinsicht die Weichen, auch als ich längst schon aufgehört hatte, in der Gastronomie zu kochen. Immer wieder findet sich seine kulinarische Geisteshaltung in meinen Bücher und Texten. Monsieur prägte nicht nur mein Verständnis von Kulinarik, er lehrte uns Lehrlingen neben dem Kochen, auch Dinge wie Ausdauer, Gastfreundschaft und Disziplin, er zeigte uns, dass es Spaß macht Leistung zu bringen, das hatten wir in der Schule nicht gelernt. Und er lehrte uns früh auch Respekt: Respekt vor den Produkten, vor der Natur, den Menschen.
Die Zahl derer, die sich vor Albert Bouley verneigen ist groß, der Meister inspirierte eine ganze Generation von Köchen. So gab beispielsweise Tim Raue, der heute zu den innovativsten Köchen unseres Landes gehört, schon 2009 im Magazin der Süddeutschen Zeitung zu Protokoll, dass Albert Bouleys euroasiatische Küche ihn inspirierte.Und der großartige Juan Amador, der schon viele Jahre die Hochküche des Landes (buchstäblich auch molekular) durcheinander zu wirbeln weiß, widmet sein neues Restaurant-Projekt dem Meister, anlässlich Albert Bouleys Tod schrieb er diese Woche auf Facebook:„…Dieses Projekt werde ich Albert Bouley widmen, der leider zu früh von uns gegangen ist, und dem ich einen Großteil meiner Karriere zu verdanken habe! Er war derjenige der die asiatische Küchenkultur nach Deutschland gebracht hat, und wir werden sie im “SRA BUA by juan amador” ihm zu Ehren weiterführen.“
Albert Bouley war keiner, der sich vor Kameras und einer großen Öffentlichkeit profilieren musste, sein Platz war immer und wirklich jeden Tag in der Küche. Das Wagnis, dabei zwischen der wachsenden Zahl von kochenden Marktschreiern ein wenig in Vergessenheit zu geraten, ging er ein. Albert Bouley kochte für seine Gäste. Jeden Tag, ein viel zu kurzes Leben lang.
Weiterführende Links:
Meldung der Schwäbischen Zeitung zum Tode Albert Bouleys
Traueranzeigen in der Schwäbischen Zeitung
“Ein Stern genügt mir”, Interview-Artikel mit Albert Bouley zum Tod von Bernard Loiseau, Schwäbische Zeitung, 2003
Die “Kreativitätsmaschine” wird 60, Artikel Anlässlich Albert Bouleys 60sten Geburtstag, Südkurier, September 2009
Lehrlings-Kollege Andreas Kloos zum Tod von Albert Bouley
Tags: Albert Bouley > Albert Bouley gestorben > Albert Bouley Waldhorn > André Jaeger > euro-asiatische Küche > euroasiatische Küche > Hotel Waldhorn Ravensburg > Juan Aamador > Restaurant Waldhorn Ravensburg > Tim Raue > Zum Tod von Albert Bouley
Bis gleich!
Posted on | April 18, 2013 | 2 Comments

Tags: Schlaraffenland Lesereise > Schlaraffenland Lesungen
Kleingärtners of the world, unite and take over!
Posted on | April 16, 2013 | 10 Comments

Jedes Jahr, wenn der Frühling kurz in Hamburg vorbeischaut, erfährt die ansonsten harmonische Beziehung zwischen der Liebsten und mir eine Zerreissprobe, immer dann, wenn die Verteilungskämpfe um die
Balkonfläche beginnen. Der Balkon ist winzig. Es geht um Zentimeter. Die Liebste will: „es schön.“ Ich will: „eigenes Gemüse anbauen, wir werden Selbstversorger!“
In den vergangenen Jahren bewies ich wenig Verhandlungsgeschick, es wurde mir jeweils ein Blumenkasten mit Küchenkräutern zugebilligt. Kein Vergleich zu 2008, wo ich mal so richtig loslegt habe, auf dem Balkon und beachtliche Ernteergebnisse einfahren konnte (Gurken!, Tomaten!).
Dieses Jahr plane ich die Durchsetzung meiner Interessen, zwei ungeheuer interessante Angebote haben meine Sehnsucht nach Balkon-Gemüse beflügelt:
Für den bequemen Stadtgärtner: Balkongemüse to go!
Schon länger konnte man bei Jule & Henry Vickery auf dem Gut Schäferhof in Appen bei Hamburg oder in der Fischbeker Heide für einen Sasionbetrag ein Stück Land erwerben und dort selbstverwaltet bis zu 25 verschiedene Gemüse ziehen.Dieses Jahr bringt Familie Vickery den Acker zu uns nachhause! Zertifizierte Öko-Erde wird in Lärchenholzkisten geliefert, mit Wasserspeicher, Bio-Saatgut und Anbauplan. Ernten ohne ackern, nennen es die Vickerys und ich finde die Idee sensationell! Derzeit wird eine Kiste verlost! Unter „Brandaktuell“ finden Sie alle Infos und können Kontakt aufnehmen:
www.gaertnernmachtgluecklich.de
Für Selbstversorger: das Balkongemüse-DIY
Wer lieber alles selber plant, kann kostengünstig Gemüse in alten Obstkisten pflanzen! Wie das geht wird im Buch Selbst Angebaut (edel 2013, 14,95 €) von Marian Flint genau erklärt. Es waren weniger die alltagstauglichen, und überwiegend vegetarischen Gerichte, die mich für das ursprünglich niederländische Lizenzbuch einnahmen, sondern die hübsch illustrierten Schritt für Schritt-Anleitungen und ausführlich erklärenden Texte zu jedem einzelnen Gemüse. Toll!
www.edel.com/de/buch/release/marian-flint/selbst-angebaut/

Tags: Balkongärtner > Balkongemüse > edel > Gemüse selber ziehen > Gemüse Vickery > Gemüse vom Balkon > Marian Flint > Selbst Angebaut > Selbst Angebaut edel > Selbst Angebaut Marian Flint > Vickery
Neue Serie: Wein & Küche (1): Henrik Möbitz und die Maultaschen
Posted on | April 6, 2013 | 7 Comments

Ich öffne die Flasche, schenke ein, hellrot funkelt der Wein im Glas. Ich schwenke, dann tauche ich meine Nase ins Glas, rieche schwarze Beeren, würzig-kräutrige Noten und einen Hauch von Rauch und Holz – großartig, denke ich, und: schade dass ich so selten über Wein schreibe. Warum eigentlich?
Weil das schon andere tun. Gerade online, in den unzähligen Weinblogs wird auf höchstem Niveau verkostet, bewertet und leidenschaftlich gestritten, die Empfehlungen sind persönlich und zeugen überwiegend von beeindruckender Kennerschaft. Ich hingegen bin allerhöchstens Weinenthusiast mit rudimentärer Halbbildung.
Moment mal, denke ich, als ich genüsslich den ersten Schluck vom Henrik Möbitz Koepfle Pinot Noir 2010 kaue – sind wir das nicht alle? Freut sich nicht der überwiegende Teil der genuss-affinen Menschheit, völlig unvoreingenommen auf die nächste Flasche, lediglich dem eigenen Gaumen verpflichtet?
Und ist nicht die zweite Frage nach dem ersten Schluck stets: was essen zum Wein? Mir zumindest geht das so, an Weinen interessiert mich immer am allermeisten, was ich dazu kochen könnte. Während wahre Kenner noch der „Sattelkammer“ hinterherschnuppern, denke ich bereits über die Würzung des Ragouts nach, dass ich dazu schmoren möchte.

Noch ein Schluck. Meine Güte ist der Wein gut! Da kullern schwarze Johannisbeeren auf die Zunge, eine cremige Süße balgt sich mit feiner Säure, mineralischen Noten und einer Ahnung von Barrique. Ich sags mal so: ein jugendfrischer Pinot Noir, der bereits tief Blicken lässt und sich im Glas im Minutentakt steigert – gut, dass ich ein ganzes Fläschchen und einen freien Abend vor mir habe.
In der Küche brate ich der Liebsten und mir Maultaschen mit Lauchringen auf, vegetarische Maultaschen, die ich vom Fototermin für mein neues Kochbuch aus dem Studio mitgebracht habe. Die Füllung besteht aus Blattspinat, sehr vielen goldbraun geschmorten Zwiebeln, Semmelbröseln, Knoblauch und würzigem Bergkäse aus dem Allgäu. Der nächste Schluck zeigt: es ist ein „perfect match“ – Wein und Speise sind wie gemacht für einander. Ich beschließe: künftig gibt es hier eine neue Rubrik, in der ich beherzt Lieblingsweine in meinen Worten beschreibe, empfehle und direkt auch ein Gericht dazu vorschlage.
Der grandiose Koepfle Pinot Noir 2010 vom Weingut Henrik Möbitz (Flasche 260 von limitierten 300) aus Freiburg war übrigens ein Geschenk meines guten Freundes Volker Maass, Volker ist Graphikdesigner, für Henrik Möbitz hat er die wunderschönen Wein-Etikette neu gestaltet und modernisiert. Gelungen, finde ich, und der Wein war ein Fest, danke Volker!
Lesenswert mehr zu Henrik Möbitz, seinen Weinen („Pinot ist Psycho!“) und seiner Philosophie (“Andere Leute töpfern, ich mache eben Wein”) findet sich hier:
CaptainCork
225 Liter-Handverlesene Weine / Möbitz
Wine-Times
Tags: Henrik Möbitz > Henrik Möbitz Pinot Noir > Koepfle Pinot Noir 2010 > Volker Maass
Fröhliche Ostern! (Spiegelei auf Wiesengrund)
Posted on | März 30, 2013 | 3 Comments

Draußen rieselt leise der Schnee, wenigstens in der Küche ist es mollig warm – Ostern 2013 ist zumindest wettertechnisch eine fragwürdige Veranstaltung. Machen wir das beste draus! Gute Musik hilft und gute Freunde, die Familie und gutes Essen, guter Wein. Beim Wetter können wir dagegen leider nur weiterhin die Daumen drücken: eventuell fällt der Sommer ja dieses Jahr auf ein Wochenende!
Allen NutriCulinary-LeserInnen wünsche ich ein schönes Osterfest mit folgendem, zugegebenermaßen, höchst albernen Dessert. Das süße “Spiegelei auf Wiesengrund” schmeckt aber zum weglöffeln cremig-köstlich – und unter dem Eidotter findet sich noch eine Überraschung!
Spiegelei auf Wiesengrund (Dessert für 4)
100 g Milchreis mit 500 Milch und einer Prise Salz unter Rühren aufkochen. Zugedeckt bei milder Hitze 25 Minuten leise köcheln lassen, dabei immer wieder rühren. 50-75 g Zucker und 20 g Butter unter den Milchreis rühren, zugedeckt weitere 5 Minuten leise köcheln lassen. Milchreis vom Herd nehmen, zugedeckt noch 15 Minuten ziehen lassen. Milchreis unter gelegentlichem Rühren abkühlen lassen und auf Teller verteilen, rundum eine „Wiese“ aus 4 EL gehackten Pistazienkernen streuen. In die Mitte des Milchreis eine kleine Mulde machen, mit je 1 TL Eierlikör füllen (für Kinder: je 1 TL Schokoaufstrich), je eine von 4 Aprikosenhälften mit der Rundung nach oben als Eidotter aufsetzten. Das „süße Spiegelei“ sofort servieren.
Das kulinarische Gedicht (10): Fitzgerald Kusz
Posted on | März 27, 2013 | 3 Comments
„Ich habe mich für den Dialekt entschieden, weil ich in ihm Dinge sagen kann, die ich in der Hochsprache unmöglich sagen könnte. Der Dialekt ist an allem dichter dran – an den Menschen, am Alltag, am Leben.“
(Fitzerald Kusz, hier)
Den Lyriker und Dramatiker Fitzgerald Kusz habe ich vor zwei Jahren auf den Münchner Literaturtagen erstmals erlebt, ich war begeistert vom Humor des in Mittelfranken aufgewachsenen Dichters, von seiner Präsenz, seiner Fähigkeit, Mundart nicht um ihrer selbst Willen einzusetzen, sondern ganz bewusst auch lyrisch damit zu arbeiten. Kusz nimmt die Mundart ernst, seine Lyrik ist überwiegend heiter, schelmisch, oft hochkomisch – immer aber trefflich auf den Punkt.
Der Philologe liebt, wie die meisten Dichter, die Sprache, in seinem Beitrag zur Klartextdebatte des Münchner forum:autoren von 2011, erklärt er: „Der Dialekt „swingt“, er „groovt“ und manchmal hat er auch den „blues“. Mund-Art, wie ich sie verstehe, ist „spoken word poetry“, Lyrik, zum Vortrag geschrieben. Erst dann erwachen die Texte zum Leben. Die Schriftform hat aber auch ihren ästhetischen Reiz. Man muss jedes Gedicht erst einmal mühsam dechiffrieren.“
Ich danke Fitzegrald Kusz für die Überlassung einer kniffligen Dechiffrierungs-Aufgabe für das kulinarische Gedicht auf NutriCulinary. Mein Tipp für Nicht-Franken: langsam lesen, vor allem aber laut lesen, letzteres eventuell nicht im Büro. Oder grade dort. Eine Rohübersetzung ist als Verständnishilfe und „Auflösung“ in den Kommentaren zu finden.
das verschluckte gedicht
haid fräih houi ass väsäing
ä gedichd väschluckd
des houd goä ned wäihdou
erschd is mä ä zeidlang
im bauch rumgangä
und dann ismä aff amall
in kubf naufgschdieng:
iich hou nix dägeeng
dou koos vo miä aus bleim
AUS:
Fitzgerald Kusz. Zwedschgä. ars-vivendi, Cadolzburg 2012. 12,95. – EUR.
Fitzgerald Kusz
(Foto:privat)
Dramatiker und Lyriker, 1944 geboren in Nürnberg, lebt in Nürnberg. Verheiratet, drei Kinder. 8 Literaturpreise. Zuletzt: August Graf von Platen-Preis, Ansbach 2011. Bundesverdienstkreuz, 1992.
13 Gedichtbände im fränkischen Dialekt: Zuletzt: Zwedschgä.(ars-vivendi, Cadolzburg 2012)
Über 20 Theaterstücke, Auswahl:
Schweig, Bub! Staatstheater Nürnberg 1976; Stand bis 2009 mit 720 Vorstellungen auf dem Nürnberger Spielplan.
Letzter Wille, Volksstück ,München 1996.
Witwendramen, Singen 2005;
Lametta Staatstheater Nürnberg 2010.
Mitglied im VS, PEN und in der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.
Mehr von Fitzgerald Kusz:
Fotografieren im Restaurant-Zwielicht: iPhone 5 vs. Lumia 920
Posted on | März 23, 2013 | 6 Comments

Vorfreude auf eine abendliche Presseveranstaltung – das ist, ehrlich gesagt, eher die Ausnahme. Diese Woche wars soweit: Nokia und Windows Phone hatten zu einem Fotokurs in Steffen Hensslers Restaurant Ono geladen, neben der Präsentation des neuen Smartphones selbst, sollte auch gezeigt werden, wie gut sich das neue Nokia Lumia 920 Smartphone bei nächtlichem Einsatz in eher romantisch ausgeleuchteter Restaurant-Atmosphäre bewährt.
Insbesondere Foodblogger führt die selbstgewählte Chronistenpflicht oft ins Zwielicht, dezente Fotoarbeiten mit Smartphones an Restauranttischen liefern allermeist Bilder die wirken, als wären sie in einem anderen Jahrhundert entstanden und später noch einem Hochwasserschaden zu Opfer gefallen. Der aufmerksame Restaurantservice, kennt das melancholische Seufzen kulinarischer Blogger.
Ich bin da also hin. Und ich hab mein iPhone mitgenommen.
Seit ich digital denken kann sitze ich, beruflich wie privat, vor einem Mac, selbstverständlich ist auch mein Smartphone eine Apfelfrucht und als man mir neben einem Begrüßungscocktail ein quitschgelbes Nokia Lumia 920 in die Hand drückt, drücke ich intuitiv überall dorthin, wo sich beim iPhone was täte – ich muss umdenken. Dann aber ist alles ähnlich selbsterklärend.
Da kommen die ersten Fotomodelle! Ich hatte vergessen, wofür TV Koch Steffen Henssler eigentlich mal stand – und immer noch steht: perfektes Sushi. Reiskorn liegt an Reiskorn, der Fisch butterzart, die verschiedenen Rollen sind handwerklich perfekt, die Grundprodukte von höchster Qualität und die unterschiedlichen Würzungen und Kombinationen begeistern mich. Insbesondere die kreativen New Style Nigiri sind echte Höhepunkte u.a. mit Avocado und fein säuerlicher Ceviche-Vinaigrette, geflämmtes Rinderfilet mit Shisoblatt oder Lachs mit Nussbutter (sensationell!). Ich unterbreche kurz und beherzt mein privates Sushi-Embargo zur Rettung der Weltmeer-Fische und bin selig.
Die Fotos bleiben erstmal hinter den Ewartungen zurück, müde und graupixelig zeigen sich die ersten Fotoversuche. Mit dem Problem bin ich nicht alleine, zeigt der Blick auf den großen Flachbildschirm im Restaurant, auf dem alle Fotos sämtlicher Testgeräte im Raum sofort angezeigt werden. Die Ergebnisse stehen sogar im krassen Widerspruch zur selbstbewussten Einladung der Lumia-Crew. Etwas stimmt nicht.
Ich wende mich an den Hamburger Foodfotografen Carsten Eichner, der an diesem Abend von Nokia für die fototechnische Beratung gebucht ist – und sehe wortwörtlich schnell das Licht. Unglaublich, was diese Kamera kann.
Meine iPhone-Überzeugung bröselt wie alter Zwieback.
Es fängt mit der Linse an, die ist von Carl Zeiss. Und wo ich auf meinem iPhone gerade mal den Blitz ein und ausschalten kann, lassen sich bei der Lumia 920 der iso-Wert und die Blende einstellen. Selbst bei ausgeschaltetem Blitz fängt das Smartphone fünfmal mehr Licht ein, als vergleichbare Konkurrenzmodelle – verraten Pressemappe und Praxistest.

Die Tiefenschärfe ist brillant, die Bilder wirken wärmer und weicher, als die, die ich mit meinem iPhone 5 mache und in der Vergrößerung zeigt sich, dass 0,7 Megapixel einen erheblichen Unterschied machen, ganz 8,7 Megapixel liefert die Lumia 920, mehr ist im Smartphone-Bereich derzeit nicht drin (s.o. linkes Bild iPhone 5, rechtes Bild Lumia 920). Unmengen an exklusiven Nokia-Fotobearbeitungs-Apps erledigen zudem direkt mit dem Smartphone das, was ich erst nach dem Hochladen am Heimcomputer machen kann.
Es sind dunkle Stunden für mich, den iPhone Nerd – und ich bin (wieder mal und immer öfter) mehr als nur ein bisschen genervt von Apple: eben wurde mir für gutes Geld das iPhone 5 in die Hand gedrückt, der neuste Stand und die Möglichkeiten der Fototechnologie wurden mir dabei wissentlich vorenthalten. Kommt dann wahrscheinlich mit dem üblichen Tam-Tam in der nächsten iPhone-Generation, ich habe allerdings nicht mehr vor, weiterhin Teil der digitalen Elektro-Wegwerfgesellschaft zu sein, die quartalsmäßig gut funktionierende Geräte gegen ein bisschen besser funktionierende Geräte tauscht.
Stefan Henssler findet sich mit beachtlicher Verspätung auch noch ein, er kommt von Dreharbeiten. Dem Lumia-Testimonial gelingt es, in jeden seiner Sätze mindestens sechs-acht Mal das Wort „geil“ einzubauen, so gut gefällt dem „Smartphone-Neuling“ sein neues Handy. Kritik hat er auch, schwer sei „das Teil“, neulich sei er im Tour-Bus, beim Angry Bird spielen über Kopf, eingeschlafen – mit schwerwiegenden Folgen.
Derweil macht sein Team einen fabelhaften Job. Ich hatte an diesem Abend die Gelegenheit, einige Sätze mit Hensslers jungem Küchenchef zu wechseln, da liebt jemand seinen Beruf – mit ansteckenden Begeisterung. Das Serviceteam ist aufmerksam und umsichtig, superfreundlich und schnell. Ein kulinarischer Genuss, ein erhellender Abend – auch wenn ich persönlich in den sauren Apple beißen musste.
Tags: iPhone 5 vs. Lumia 920 > iPhone Lumia > iPhone Nokia Lumia 920 Test > Lumia 920 Steffen Henssler > Nokia Lumia 920 > Vergleich iPhone Lumia 920
„Rule Britannia – God save Queen Mum! “ – mit Thomas Henry und Beefeater Gin nach London
Posted on | März 21, 2013 | 4 Comments

Als ich 1988 am Londoner Flughafen Gatwick wegen unerlaubtem Waffenbesitz festgenommen wurde, trug ich, neben einer unvorteilhaft jugendbewegten Frisur, leider auch einen Tränengas-Spray mit mir herum und beeindruckte die Beamten des Sicherheits-Checks zudem mit einer imposanten Gin-Fahne. Mit einem Freund war ich nach London geflogen, zwei lustige Teenpunks vom Lande, auf der Suche nach ihren musikalischen Wurzeln. Wir waren hoffnungslos zu spät für Punk, entdeckten dort dann aber glücklicherweise Acid-Jazz und Gin.
Nicht gerade very british, nippten wir in Unkenntnis die alkoholische Neuentdeckung aus der Schraubverschlusskappe der Flasche und wurden sehr schnell, sehr fröhlich. Das lag natürlich an den knackigen 47 % Vol. die den Getreidebrand mit feinen Noten von Wachholder und Koriander auszeichneten – einen brennende Erfahrung für ansonsten Bier trinkende Bübchen.
Meinen ersten Gin Tonic trank ich dann auf dem Rückflug. Als ich am Flughafen einen Vertrag unterschrieben hatte, indem ich bestätigte, dem Staat Großbritannien meine „Waffe“ ohne murren zu überlassen und zudem im Verhör auf die Frage ob ich aus „east or west-Germany?“ käme, wahrheitsgemäß mit „No, no, South-Germany!“ geantwortet hatte, entließ man uns lachend und straffrei in Richtung Heimat. Im Flugzeug bestellten wir auf den Schreck erstmal einen Gin Tonic. Der schmeckte erstaunlich besser als der pure Stoff!
Mein Lieblings-Gin Tonic ist heute eine Mischung aus Hendrick´s Gin, auf Eis mit drei Salatgurkenscheiben, aufgefüllt mit eiskaltem Thomas Henry Tonic Water. Ich bin den Limonaden der Berliner sowieso verfallen, genieße die wenig gesüßten, herben Erfrischungen auch pur und bekomme für diesen Satz kein Geld!
Ein gute Gin Tonic hat aber traditionell viel mögliche Eltern und für die höchstwahrscheinlich sehr lustige Drink-Video-Competition „Rule Britannia – God save Queen Mum!“ haben sich Thomas Henry mit Beefeater Gin zusammen getan. Ich zitiere aus der Pressemitteilung:
“An alle Bartender und Connaisseure, Gin-Tonic-Liebhaber und Longdrinker, Werbefilmer und Filmstudenten, Comiczeichner und Videoakrobaten! Einmal mehr fordert der Berliner Bitterlimonadenhersteller Thomas Henry auf, Mixology-Leidenschaft und Video-Kunst in einem zweiminütigen Clip zu vereinen. Zusammen mit Beefeater London Dry Gin, wird ein neuer Signature Drink für Thomas Henry gesucht, inspiriert von der Heimat der Sex Pistols und Queen, von Punkrock und Britpop und der Stil-Ikone schlechthin, dem Gin Tonic. Nach dem Motto “Rule Britannia – God save Queen Mum“ soll in einem kreativen Video mit englischem Charme und britischen Humor die Authentizität zurück ins Glas gebracht werden. Der Gewinner begibt sich zu zweit mit 1.000 Euro Taschengeld inkl. Hotel und Flug, auf einen 6-Tage-Trip durch London mit exklusivem Besuch der Beefeater-Destillerie, Manchester (auf den Spuren des Apothekers Thomas Henry) und Liverpool. Außerdem zu gewinnen sind ein Besuch des Bar Convents in Berlin, inklusive Hotel, sowie Karten für die Mixology Bar Awards, Barjacken mit den eigenen Initialien, Gin&Tonic Packages und Palettenweise Thomas Henry. Wer Publikumsliebling wird, darf sich auf eine nagelneue Go Pro HERO3 Black Edition Kamera freuen.”
Ich wünsche schon mal gutes Gelingen und viel Spaß, Infos und Teilnahmebedingungen finden sich hier:
www.thomas-henry.de/competition/
Und jetzt, Musik! (Lustig, wenn ich heute die Sex Pistols auflege, klingt es viel harmloser als in der Erinnerung. Wir dachten damals ernsthaft: härter geht’s nicht.)
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