Herrengedeck statt Reinheitsgebot! Irish Whiskey meets Craft Beer

Posted on | April 24, 2016 | 2 Comments

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Den Tag des Bieres am Samstag und die damit verbundenen „Feierlichkeiten“ zu „500 Jahre Reinheitsgebot“ durfte ich konsequent schon einen Tag früher und bei Craftbeer und Whiskey verbringen. Dabei wäre das mit dem Reinheitsgebot so einfach: künftig reine Natur in die Flaschen und gut ist. Etwas differenzierter sieht das Peter Eichhorn fürs Mixology-Magazin, es ergeht allerhöchste Leseempfehlung für seinen Artikel „Die reine Warheit? 500 Jahre Reinheitsgebot“.

Doch ich schweife ab, am Freitag also trafen sich bereits um 16:00 Uhr engagierte BartenderInnnen und JournalistInnnen in der Brooklyn Burger Bar in Hamburg, um auf Einladung von Tullamore D.E.W (triple distilled, triple blend Irish whiskey) konzentriert und unter persönlichem Einsatz an den Gläsern, eine in die Jahre gekommene Tradition wiederzubeleben: das Herrengedeck! Und zwar mit Craftbeer und Whiskey.

Anlass war die Vorstellung des neuen 14 Year Old Single Malt und Global Brand Ambassador John Quinn, war eigens angereist um höchst launig in die Geschichte der Tullamore D.E.W. Destille und Brenner-Legende Daniel Edmond Williams einzuführen, der 1862, mit 14 Jahren, in der Destille zu arbeiten began („Today we hire only 15 year old boys, they work much more efficient“). Weil der Heimweg zu lange war, lebte und schlief D.E.W. auch in der Destille und kannte bald jeden Winkel, jeden Arbeitsprozess. 11 Jahre später, mit 25, war Daniel E. Williams Brennmeister, Hauptgeschäftsführer und Chef von 200 Mitarbeitern.

Beim anschließenden Whiskey-Tasting zeigte sich mal wieder: gerade bei komplexen Spirituosen bringt es wenig, hier und da mal ein Schlückchen zu nehmen, da und dort ein Gässchen zu bestellen – erst in der parallelen Vergleichsverkostung entfalten die Spirituosen ihren Nuancen und geschmacklichen Feinheiten deutlich. Das macht geführte Tastings so wertvoll.

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Zeit für ein schönes Bier! Das kam an diesem Nachmittag aus Berlin und zwar von Michael Lembke, Braumeister des Berliner Craft Beers BRLO. Zwei Jahre gibt es BRLO, die gerade an einer eigenen Brauerei bauen, in unserem gemeinsamen Craft Beer Kochbuch (Christian Brandstätter Verlag 2015) haben Torsten Goffin und Fotografin Daniela Haug das sympathische Brau-Projekt portraitiert. Persönlich bin ich Fan vom BRLO Pale Ale und ich mag das neue Weisse Bier der Brauer sehr – ja, ist Geschmackssache, herrlich frische Säure, toll für den Sommer!

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Beim „Herrengedeck“ – Tasting machte dann allerding das ebenfalls empfehlenswerte BRLO Porter überwiegend das Rennen, ein Bier wie gemacht als Begleiter zu einem guten Schluck Whiskey, sehr harmonische Kombination, ganz besonders mit dem Tullamore D.E.W. 14 Single Malt.

Diskutiert wurde das anschließend noch bei ein paar wirklich fabelhaften Burgern, wenn Sie mal in der Innenstadt sind: die Brooklyn Burger Bar ist gleich um die Ecke! Das Dew & Brew war ein großer Spaß und ein Genuß, der die alte Erkenntnis brachte, dass Excellence immer gut zusammen geht.

Neues Magazin: Food&Farm – vom Feld auf den Teller! („Mag ich, mach ich.“)

Posted on | April 22, 2016 | 3 Comments

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Manchmal muss man in die Ferne ziehen um seine Sicht auf die Dinge daheim zu schärfen. So ging es mir im vergangenen Jahr während einer inspirierenden Reise nach Japan, bei der mich ganz besonders die kulturphilosopischen Aspekte der dortigen Küche interessierten, die allesamt seit Jahrhunderten jene Tugenden in sich tragen, die in unseren Küchen eben erst und nur langsam modern zu werden scheinen. Nachhaltigkeit beispielsweise, Regionalität, Achtsamkeit und Konzentration auf das Produkt.

Kochen, das beginnt für Japaner mit dem Bauern auf dem Feld, mit dem Fischer im Boot, eine Produktküche, in der die Kunst des Koches in der reduzierten, optimalen Zubereitung und Präsentation bester Produkte liegt. Lob gebührt in Japan „allen Beteiligten“ an einem gelungenem Mahl. „Farm to Table“ ist bei uns die modische Formel für diese wichtige und gewachsene Symbiose zwischen Produzent, Produkt und Koch, einer Symbiose die in Japan eng und persönlich ist, oft über Generationen arbeiten Köche und Restaurants mit ihren Lieferanten, mit Fischern, Bauern und Züchtern zusammen.

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Diesem Umstand wurde in heimischen Foodmagazinen bislang eher am Rande Aufmerksamkeit geschenkt und ich freue mich riesig, dass es jetzt ein neues Genuss-Magazin gibt, dass sich in allen Teilen der Farm to Table -Philosophie verschrieben hat. Vorgestellt wurde FOOD & FARM („Vom Feld auf dem Teller“) diese Woche im Koch Dich Glücklich in München, hier ist auch der Deutscher Landwirtschaftverlag zuhause, aus dessen geballter Fachkompetenz die Idee für das Magazin erwachsen ist.

200416_FF__A5X0851 FOOD & FARM Chefredakteur Hans Wörle, Foto: Johannes Simon

Chefredakteur Hans Wörle begrüßte zur Premiere zwei Dutzend FoodbloggerInnen in München, stellte Redaktion, Team und Idee bei Schrobenhausener Spargel aus dem Pergament, Kartoffeln vom HartlHof und Roastbeef vom bayerischem Weide-Angus vor (perfekt zubereitet vom Kollegen Vincent Fricke!).

200416_FF__A5X0793 Paulsen (Haarproblem), Artidirektor Talla (Stromproblem), Foto: Johannes Simon

Das ansprechend-elegant gestaltete Magazin (Artdirektor Christian Talla) zeigt und beschreibt erhellend den Weg unserer Speisen, unserer Nahrung: vom Acker auf den Teller, vom Ursprung in die Küche. In einem zweiten wichtigen Schritt, gibt es jeweils Anleitungen zum aktiv werden und selber machen („Mag ich, mach ich“). Vom Miet-Acker über Tier-Patenschaften, von Food-Gardening und City Farming bis zur Feldplanung für Einsteiger und die eigene Hühnerhaltung spannt sich der Themen-Bogen – selber machen, hausgemacht! Dafür bietet dieses Heft neben reichlich Wissen auch Antworten und Anleitungen, für jedes Niveau und die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Ansprüche.

Dazu gibt es Warenkunden, bspw. Wildkräuter und Rinder (Rassen, Fleisch und Innereien) aber auch Erdkunde im Wortsinn! und Produzentenportraits, wie etwa das über eine Hofgemeinschaft in der fränkischen Alb, die sich der Ziegenhaltung verschrieben hat – gefolgt von einer reich bebilderten Anleitung zur Frischkäseherstellung für daheim.

200416_FF__A5X0782 Vincent Fricke kochte bei der Premiere, Foto: Johannes Simon

Biosiegel werden erklärt und Brücken geschlagen, etwa wenn konventionelle Landwirtschaft und Tierhaltung angesprochen und erklärt wird – Aufklärung statt einfaches Weltbild und erhobener Zeigefinger, das ist und soll eine Stärke des Magazins sein, man will, wird und muss sich auch reiben dürfen, bei diesen Themen.

Und FOOD & Farm sieht auch über den eigenem Felder-Rand hinaus, beispielsweise mit einer Reportage aus der krisengebeutelten griechischen Landwirtschaft – entgegen aller Befürchtung ist das eine Geschichte über Mut, Zuversicht und Chancen.

Ich freue mich sehr, das auch ich als freier Mitarbeiter gelegentlich Beiträge beisteuern werde, künftig betreue ich im Heft die Rubrik „Ein Buch, ein Blog“, in der ich zum Auftakt Hendrik Haase portraitiert habe. Nicht zuletzt gibt es auch überall und immer wieder Rezepte im Magazin und auch da haben wir die ein oder andere Idee gemeinsam entwickelt, da wird es künftig auch neue, spannende und hoffentlich schmackhafte Ansätze geben.

FOOD & FARM erscheint (mit einem Extraheft zum Thema Kartoffeln!) erstmals am 28.April und dann alle zwei Monate. Erhältlich ist es am Kiosk und das heft kann natürlich jetzt schon online bestellt und/oder abonniert werden:

Food & Farm Homepage

Wer nichts verpassen will, kann sich auch auf Facebook mit dem Team der Redaktion und den freien Mitarbeitern vernetzen und ist immer auf dem Laufenden:

Food & Farm auf Facebook

Dabei sollen die Homepage und der Facebook Auftritt immer auch Mehrwert und Weiterführung über Heftinhalte hinaus liefern. Ich bin gespannt, wie Ihnen und Euch das neue Magazin gefällt! Anregungen, Lob und Kritik gerne auch hier in der Kommentarspalte!

Cava, Kunst und Können – ein Abend im Trüffelschwein

Posted on | April 16, 2016 | 1 Comment

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Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal einen Cava genossen? Allzu lang dürfte das statistisch gesehen nicht her sein, denn die nach traditioneller Flaschengärung produzierten spanischen Schaumweine aus dem katalanischen Penedès führen das weltweite Export-Ranking für Schaumweine an, Deutschland ist wichtigster Exportmarkt und selbst die Franzosen greifen immer öfter zum Cava, wenn es das Leben zu feiern gilt.

Doch selten sorgt Volumen allein für Spaß im Glas und Cava ist nicht gleich Cava: die Weine entstehen aus überwiegend autochthonen Rebsorten (die dort wachsen, wo sie ihren Ursprung haben, sich entwickelt haben) aus Parellada, Xarelo-lo, Macabeo (Viura), Subirat (Malavasia Riojan) und Chardonnay, seit 2007 sind auch Pinot Noir und für Rosados die Sorten Monastrell und Granacha Tinta zugelassen, das ganze D.O.-Qualitätskontrolliert.

Klassischer Cava liegt bei der zweiten Gärung mindestens neun Monate auf der Hefe, Cava Reserva mindestens 15 Monate und die Gran Reserva Jahrgangschampagner mindestens 30 Monate. Hinzu kommt seit 2015 eine neue Kategorie für Spitzen-Cavas: Cava de Paraje Calificado (single estate Cava) dürfen sich Cavas aus spezifischer Lage, Terroir-betont mit eigener Kellerei nennen.

Genug vom extra brut-Halbwissen, lassen wir doch mal die Korken knallen. Möglichst lautlos natürlich!

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Das Consejo Regulador de la DOP Cava hatte zur Premium-Cava Verkostung mit Wein-Expertin Yvonne Heistermann ins Hamburger Restaurant Trüffelschwein geladen-Koch Kirill Kinfelt, Serviceleiterin Jana Husemann und das junge Team erkochten sich eben den ersten Stern – eine vielversprechende Kombination. Gleich zu Anfang gab es die Möglichkeit, zum Apero eine feine Auswahl an Spitzen-Cavas zu verkosten, ich startet mit einem Schwupps vom 2009 Gran Juvé Y Camps, Brut Gran Reserva, grandios, von „gereifter Frische“, notierte ich. Oberste Schublade, toller Start. Dazu gabs Flying-Amuse-Miniaturen, mancher musste zur Lesebrille greifen, auf dem Gaumen herrschte dann aber Klarheit, mit Räucherfisch und Apfel, Blini und Roter Beete.

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Zeit für ein Geständnis. Persönlich steh ich nicht so wirklich auf die, ich nenne es „Hausaufgabenküche“, bei der (molekulare) Möglichkeiten auf dem Teller durchdekliniert werden, mit Tropfen und Schäumchen und Schwämmchen. Alles zerfällt in kleinteilige Landschaften und auch mit dem Einwand eines geschätzten Kollegen tue ich mich schwer, der neulich meinte, normal Essen könne er auch Zuhause. Es geht so oder so doch immer um Geschmack (dem die Form folgen sollte, finde ich) und da kommen wir jetzt zum Trüffelschwein. Die basteln auch gerne, jedoch ist jeder Teller dort ein filigran gesetztes Kunstwerk, dass aber über den Wau-Effekt hinaus großen Sinn macht, auf Aromen und Geschmack einzahlt, sehr zum Wohle des Gastes. Kirill Kinfelt schließt in Hamburg jene Lücke, die Gerald Zogbaums nach der Schließung der Küchenwerkstatt zurück ließ.

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Los geht es mit Recaredo Brut de Brut 2006, Brut Nature Gran Reserva – unfassbare 87 Monate in den Kellern des Weingut Serral Del Vell gereift, elegant mit Charakter, getrocknete und kandierte Früchte, ein Hauch duftender Zitrusfrüchte, ein Mund voll! Und großartig zu den Lachs-Variationen auf dem Teller – grandios dabei Kinfelts Idee, Forellenkaviar mit Passionsfrucht zu „würzen“, genial und ein trefflicher Brückenschlag zum Cava Recaredo. Der Teller selbst ein Hochgenuss in allen Teilen, weiteres Highlight: der knusprig gebratene Lachsbauch mit Sojasauce, Chapeau!

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Beim Kabeljau mit Niedrigtemperatur-gegartem Sellerie, Blutwurst und Apfel zaubert die Crew wieder: der perfekt gebratene Kabeljau, glasig UND mit Knusperhaut, auf einer großartigen Blutwurstscheibe (Produkt!), erfrischend knackigem Sellerie-Apfelsalat und gerösteten Blutwurstwürfeln, zeigte wie bei einem klassischen Gericht der Brückenschlag in die Moderne mehr als gelingt. Dankenswert, wenn solche „gelernten“ Kombinationen auf diesem Niveau neu belebt werden! Dazu der 2008 Can Feixes Huguet Gran Reserva Brut nature, der seine frische Kraft und Mineralität aus Sand-Lehm-Kalkböden zieht, tiefe Wurzeln, Frische, feine Säure, ein perlendes Spiegelbild des Tellergerichtes (Huch, der Hobby-Poet geht mit mir durch, ich bitte um Entschuldigung, es war wirklich ein Knaller!).

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Pulpo, butterweich und kombiniert mit allerlei vom Blumenkohl auf Zimt-„Bröseln“ und mit Almafi Zitrone aromatisiert, es gab keinen Grund zu klagen! Wir erhoben das Glas auf die Küche und im Glas perlte Freixenet. Wahrscheinlich Deutschland bekanntester Cava, als ich noch ein ganz junger Hase war, galt der schwarze (trockene) Freixenet aus dem Supermarkt als das non plus ultra, das war unser Champagner. Alleine die Fernsehreklame, wir waren elektrisiert. Die Begeisterung legte sich mit den Jahren etwas, der Freixenet Reserva Real, Cuvée de Prestige Brut Gran Reserva ist aber geeignet, alte Freuden neu zu entfachen: mit feinem, üppigen Mousseux, Aromen von Aprikosen, reifem Steinobst und dann Hefe, Brioche, grüner Apfel. „Das Aroma der langen Flaschenalterung überwiegt“, lese ich im Programmheft der Veranstalter und es ist ähnlich wie bei manchen Männern, die gerade mit den ersten grauen Haaren nochmal sehr gewinnen.

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Iberico auf dem Teller, mit den lang erwarteten Trüffeln, als kleine Verneigung vor dem Gastgeber war es Kirill Kinfelt gelungen, noch einen letzten spanischen Winter-Trüffel zu erstehen, in Kombination mit Linse und Birne in Variation. Ein wunderbar erdiger, tiefer Gang, mit komplexer Sauce (dem Dimamant der Küche, pflegte mein Großvater zu sagen), ein Genuss, handwerklich sowieso über jeden Zweifel erhaben. Ebenso tief und komplex der Agustí Torelló Mata 2009, Brut Natrue Gran Reserva Barrica, mit beinahe cremigem Schaum, leicht balsamischer Note, einem Hauch von Vanille, zarte Röstaromen – der perfekte Begleiter zum zarten aber würzigen Trüffelschwein.

Ein ganzer Abend mit Cava, das geht, das geht sehr gut sogar, selbst beim Hauptgang rief niemand nach Rotwein, der Agustí einfach große Klasse. Und überhaupt, der Cava-Abend gestaltete sich nicht nur genussreich und zunehmend lautstark-vergnüglich, die Schaumweine sind, um mal Loriot, Gott hab ihn selig, zu bemühen: bekömmlich! Das liegt an der Frische und den schlanken Volumenprozent, los geht es schon ab 10,5 % vol. selten über 12,5% vol. Einen nehmen wir mindestens noch!

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Und zwar zum Dessert den 2007 Gramona III Lustros Brut Nature Gran Reserva zur Rhabarber Variation mit geeistem Tonkabohnen-Mousse und Zitronengras-Sud, das passt natürlich alles hervorragend zusammen mit den Grapefruit- und Zitrusnoten des Cava, dazu eine spannende Kräutrigkeit, Fenchel, Rosmarin-Anklänge. Berechtigt großen Applaus gabs am Ende für Küchenteam und Service, für die charmanten Yvonne Heistermann, die Kenntnisreich durchs Programm führte und sich auch von den beständig wiederkehrenden Fragen zur Preisgestaltung der Cava nicht aus dem Konzept bringen lies. Preise kann man googeln, Wein muss man probieren.

Vielen Dank den Gastgebern vom Consejo Regulador de la DOP Cava und Barbara Wanner von organize communications für den erhellenden Abend!

Alles über Fisch – „Fischmann Micha“ Wickert im Gespräch mit dem Effilee-Magazin

Posted on | April 5, 2016 | 1 Comment

PicMonkey Collage(Fotos: Daniela Haug (2), Effilee Magazin (1))

Die Streetfood-Szene kennt Michael Wickert als Fischmann Micha, der in der Markthalle Neun das Glut & Späne betreibt. Micha ist auch einer der Streetfood-Pioniere, die wir für unser Auf die Hand!-Kochbuch portraitiert haben – vor allem aber ist er studierter Meeresbiologe und hat in dieser Fuktion mit Hans Kantereit vom Effilee Magazin gesprochen. Das Interview gehört zum erhellendsten, dass ich in letzter Zeit über Fisch gelesen habe. Alles was sie schon immer über Fisch wissen wollten – und alles was sie vielleicht nicht wissen wollten, (Stichwort: Mittelmeer,Pangasius, ect.). Es ist absolut erschreckend – doch es gibt auch neue Möglichkeiten.

Es ergeht Lesebefehl:

https://www.effilee.de/2016/03/26/die-sache-mit-dem-fisch/

Amsterdam (3): Frühstück, Chinatown und Wurst und Wein

Posted on | April 3, 2016 | 4 Comments

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Wenn ich reise, überlege ich mir oft schon im Vorfeld, ob es am Ziel vielleicht ein interessantes Restaurant gibt, dass ich eventuelle für die SZ besprechen könnte, das ist spannend, weil ich dann oft genug auch nicht mehr über das Restaurant weiß, als die Infos aus Internet und Magazinen hergeben, das ist daheim anders. Beim Amsterdam-Besuch waren sowohl das Happyhappyjoyjoy (aus dem ersten Teil), wie auch Ron Gastrobar (aus dem zweiten Teil) in der engeren Auswahl. Am letzten Tag stolperten wir dann ins Worst Wijncafè, eine Kleinigkeit sollte es sein, vor der Abreise am nächsten Tag – es wurde ein ganz großer Abend und das in einem Restaurant dass getrost noch als (zumindest touristischer) Geheimtipp gelten darf. Volltreffer.

Dazu später mehr, jetzt aber erstmal: Frühstücken und dann auf nach Chinatown! Das Frühstück ist jetzt nicht so meine Mahlzeit, ich spare mir den Appetit für Mittags, wenn es dann „was richtiges“ gibt. Wenn ich Frühstücke, soll es schon was Besonderes sein und direkt in der Nähe unseres Hotels De Hallen (mit liebevollem aber konventionellem Frühstücksbüffet, finden sich gleich zwei ganz besondere Adresse.

Im eher schmucklos nüchternen Breakfast Club, lief bei unserem Besuch geschmackvolle Musik, von Morrissey bis The Drums, während wir aufs Frühstück warteten, betätigte ich mehrfach Shazam. Im Breakfast Club gibt es anständigen Kaffee und eine tolle Frühstücksauswahl „from Paris, London and Brooklyn“, alles wird frisch zubereitet und gekocht.

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Wir hatten einen Riesenberg fluffige Pancakes mit frischen Früchten und eine Art Hummus-Stulle mit Paprika, roten Essigzwiebeln, Rauke Blattspinat und Dukkah, einer gerösteten Nuss-Sesam-Gewürz-Mischung, Bombe! Und weil ein Tag in Amsterdam ja immer auch ein Wandertag ist, waren wir gut gerüstet für die Stadt-Erkundung.

Am zweiten Tag Frühstückten wir wieder in der Nähe, im Berry, superschöner, designig-schlichter Laden, mit superfreundlicher Crew. Und hier gibt es klassisch Frühstück, auf höchstem Niveau. Ich habe ein Käsebrot gegessen. Aber was für eins! Das Brot selbst kommt (und kam tatsächlich als wir da saßen) vom nahen Bio-Bäcker.

12531168_1064442400265664_254931867_n(Foto: Berry/Instagram)

Frisch wird eine dicke Stulle runtergeschnitten und dick mit guter Butter bestrichen, darauf kommen ganz dünn gehobelten Scheiben von einem regionalen „organic farmes cheese“ (näheres war leider nicht zu ermitteln). Es war das beste Käsebrot meines Lebens. Kaffee auch glatte Eins, das Croissant ein butterwarmes, duftig splitterndes Träumchen. Der Claim des Cafés: „I love you Berry much!“ Word!

Einer unserer Ausflüge führte uns natürlich tagsüber auch in Amsterdams Chinatown zwischen Niewumarkt und dem Rotlichtviertel De Wallen finden sich unzählige Restaurants, Food-Bars und Imbisse in denen teils authentische Peking- und Kanton-Küche zelebriert wird. Ganz besonders lohnt der Besuch der oft mehrstöckigen Asia-Supermärkte! Ich kaufe nur noch selten lebensmittel auf reisen, gibt’s ja alles auch online, hier musste ich einfach zuschlagen. Wer mehr über Amsterdams Chinatown erfahren will, dem empfehle ich Christoph Wirtz, lesenswerte Reportage: Ein Kurztrip von Amster-kong nach Taiwa-dam (aus: Die Welt)

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Wir aßen an diesem Tag zum Mittag eine Nudelsuppe mit Ente im düster, spartanischen Stammhaus des Traditions-Restaurant Nam Kee, einem der besten chinesischen Restaurants in den Niederlanden, a city icon, schreibt die New York Times. Ich mache mich ja gerne einer gewissen Begeisterungsfähigkeit verdächtig, eben schrieb ich vom besten Käsebrot meines Lebens und jetzt schon wieder: das war die beste chinesische Nudelsuppe meines Lebens und ich liebe chinesische Nudelsuppen! Glauben Sie mir, es ist alles wahr: unscheinbarer Suppenfond, im Mund voll und würzig, die Nudeln mit dem vielgesuchten „Pling!“, jenem feinen Geräusch dass die Nudel beim genussvollen Einsaugen macht, im Moment bevor sie im Mund verschwindet. Nudeln und Suppe hätten mir völlig gereicht und das bestelle ich auch beim nächsten Besuch im Man Kee – das Entenfleisch war natürlich trotzdem zart und würzig und üppig gereicht.

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Können Sie noch? Also, zurück zum Anfang, dem letzten Abend in Amsterdam, Kleinigkeit, denken wir, Wein & Wurst sind doch immer eine gute Kombination, wir also los ins Worst Wijncafè, eine Restaurant-Bar, die Wein zu Wurst serviert.

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Was wir dort erleben durften, war in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung zu lesen, die Besprechung ist auch online abrufbar unter:

Süddeutsche.de / Lokaltermin Worst Wijncafé

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Die Bilder aus meinem Telefon dazu, sie ahne es: grandios wars.

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Hier endet unser kleiner Amsterdam Ausflug, sicher ist, wir kommen wieder, die Stadt ist, insbesondere für Kulinariker, inspirierend und spannend, eine europäische Food-Hauptstadt, die es zu entdecken lohnt. Oh. Jetzt haben wir garnicht über Bier gesprochen! Nächstes Mal!

Amsterdam, die ganze Reise in Direktlinks:

Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

Amsterdam (2): Der Sternekoch der seine Sterne zurück gab und Tim Mälzer drei Hot Dogs servierte

Amsterdam (3): Frühstück, Chinatown und Wurst und Wein

Taste & Stories – die Genussvermittler

Posted on | April 2, 2016 | 2 Comments

Kulinarik ist ja immer dann am spannendsten, wenn es Geschichten zu erzählen gibt, Geschichten von Produzenten und Produkten, Erhellendes zu Herstellung und Historie von Nahrungs- und Lebensmitteln. Das ist ein Grund, warum ich hier im Blog selten bis nie für Produkte werbe: die hundertdrölfste Marmelade, Müslimischung, Food-Geschenkbox… hat oft schlicht keinen neuen Nachrichtenwert. Dabei ist storytelling das buzzword der Stunde und Transparenz die neuen Währung, gerade in der Kulinarik – immer mehr Menschen interessieren sich für Herkunft, Herstellung und Hintergründe.

Einer, der um die Kraft eines guten Lebensmittels mit Geschichte weiß, ist Tobias Stetter der mit einem engagierten Team von Foodscouts, Journalisten, Fotografen und Designern die Plattform Taste & Stories betreibt. Der Name ist Programm, Geschmack und Geschichte gehen hier Hand in Hand.

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In lesenswerten Beiträgen und ausführlichen Warenkunden erfährt man nicht nur alles über Sojasauce, Parmesan, Senf, Sardellen oder Tomaten, es finden sich auch erhellende Artikel, Interview, Kommentare und Editorials zu Ernährungsphilosophien und Ernährungstrends.

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Die BeiträgerInnen sind Fachleute, wie die japanische Köchin Kaoru Iriyama oder die Journalistin und Wein- und Käse-Expertin Ursula Heinzelmann.

Die vorgestellten Köstlichkeiten aus kleineren Manufakturen und Handwerksbetrieben können, teils exklusiv, über den Taste & Stories-Shop erworben werden.

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Dazu gibt es Produzenten-Portraits, wie beispielsweise jenes über den Haselnussbauern Jose Noe von der Azienda Agricola Papa dei Boschi – ich bin, ganz persönlich, süchtig nach diesen Haselnüssen.

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Es gibt auch eine (noch) kleinen aber schon feinen Bücher- und Zeitschriften-Abteilung, da gibt es beispielsweise immer das druckfrische Slow Food-Magazin, das ansonsten für Nichtmitglieder nur an ausgewählten Kiosken und eher schwierig zu bekommen ist (wobei sowieso grundsätzlich nichts gegen eine Slow Food-Mitgliedschaft spricht!).

Und hier finden sich Geschmack und Geschichten:

Taste & Stories Homepage
Taste & Stories Facebook
Taste & Stories Twitter
Taste & Stories Instagram
Taste & Stories Pinterest

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Ein Rind ist keine Rockband – der „BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ“-Abend in Hamburg

Posted on | März 31, 2016 | 5 Comments

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Ein Rind ist keine Rockband. Das dürfte den „BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ„-Abend in der Großen Freiheit auf den Punkt bringen, trotz hochkarätig besetzter Expertenrunde sprang der Funke in der, gefühlt ausverkauften, Großen Freiheit nicht über. Craftbeer war Minuten nach Hallenöffnung aus, danach gabs lahmes TV-Bier zur Live-Fleischzerlegung auf der Bühne, mit dem wunderbaren Ludwig „Lucki“ Maurer und Sternekoch Wolfgang Müller, einem ausgewiesenen Nose-to-tail-Experten. Die Beiden mühten sich redlich, den geschätzt zweitausend Männern im Publikum nahe zu bringen, was für eine schweißtreibende Arbeit echtes Metzgershandwerk ist.

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Leider gesellten sich bald auch eine fröhliche Moderatorin, zahlreiche Gäste und der zotige Witz auf der Bühne dazu, es wurden Hoden geworfen und Anzüglichkeiten, der Abend begann sich zu ziehen. Bereits in der Pause leerte sich der Saal deutlich, daran konnten auch die beharrlich rangekarrten Gäste auf der Bühne nichts ändern, Micky Beisenherz beispielsweise und auch der Gastgeber BEEF!-Chefredakteur Jan Spielhagen schienen sich bisweilen gemeinsam mit dem Publikum zu fragen, was sie hier eigentlich machen (sollen), während die Fleischexperten bei der Arbeit schwitzten.

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Deutsche See-Chefkoch Sebastian Bruns zerlegte dann in einem Kraftakt einen gewaltigen Thunfisch den er anschließend gemeinsam mit Moritz „Moe“ Crone-Rawe (Rolling Taste) mit Teriyaki-Sauce bestrich und mit Asphalt-Flammenwerfern abflämmte – derweil die Moderatorin ernsthaft nach „Hausfrauen“ im Publikum fragte. Die Frage passte dann zeitgeistig sehr gut zur engagierten Boppin’B – Band, denen es mit 50er Jahre-Rock ’n Roll und swingendem Rockabilly gelang, wenigstens etwas Leben und Party in die Halle zu bringen.

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Mit dem geschätzten Kollegen Christoph Brand erklomm später ein weiterer Experte die Bühne, es wurde live gewurstet, Burger gebastelt. Zum Lärmpegel im Saal gesellte sich nun auch Magenknurren, es bildeten sich lange Schlangen an den Essensausgaben. Auch hier schnell Ausverkauf und die Erkenntnis, dass all das hier letztendlich leider eine Nummer zu groß gedacht war, für einen (eventuell auch lehrreichen) Genuss-Abend. Und das obwohl die großartig besetzte Expertenrunde von Köchen auf der Bühne wirklich ihr Bestes gab.

Die Intention war klar, Fleisch ist ein spannendes Thema und mit dem Abend wollte man sicher an den Erfolg von Live-Kochshows anknüpfen. Diese Shows leben aber allermeist von nur einer Persönlichkeit auf der Bühne, auf die sich alle(s) konzentriert, vor allem aber gelingen diese Abende mit einer ausgefeilten, unterhaltsamen Dramaturgie, mit pointierten Spannungsbögen. „Alle Mann rauf auf die Bühne und dann schaun wir mal“, das hat leider nicht wirklich gut funktioniert. Und wer mal eine geführte Fleischzerlegung erlebt hat, der ahnt, dass das via Großbildleinwand die Details, die Nähe, das Unmittelbare, verloren gehen müssen.

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Gegen Ende noch ein weiterer Gast, mir klappte die Kinnlade runter: Das Bo im Haus! Dieser Mann hebt normalerweise den kleinen Finger und der Saal dreht durch. Doch auf sein „Hallo Hamburg!“ gab es an diesem Abend nur unbestimmtes Gegrummel – das Publikum war müde gespielt und hungrig und wer auf dicke Bässse gehofft hatte, wurde enttäuscht, die Hamburger Hip Hop-Legende war als weiterer „Talk“-Gast gebucht. Die Bühne gegen Ende also so richtig voll, der Saal mittlerweile luftig. Schlusspointe? Direkt nach der Veranstaltung fanden sich unterzuckerte Heerscharen im nächsten erreichbaren Imbiss ein. Der BEEF! Live! Butcher, Beer & BBQ-Abend endete für viele Besucher: bei Hesburger.

Amsterdam (2): Der Sternekoch der seine Sterne zurück gab und Tim Mälzer drei Hot Dogs servierte

Posted on | März 27, 2016 | 4 Comments

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Vor drei Jahren hatte Ron Blaauw, die Faxen dicke: „Meine beiden Michelin-Sterne gebe ich zurück. Ich will sie nicht mehr. Ich will meine Freiheit wieder. Ich will wieder kochen, ohne auf all die Details der Etikette, die Michelin vorschreibt, achten zu müssen.“, erklärte er damals gegenüber der Stuttgarter Zeitung und began mit der Neuaufstellung seines Restaurants in Amsterdam: aus „Ron Blaauw“ wurde Ron Gastrobar und statt Degustationsmenü führte die Karte zwei dutzend Gerichte, kleine kunstvolle Tellerchen, jeder Teller für 15 Euro das Stück. Gastronom Blaauw ist auch sonst ein kulinarischer Freigeist und betreibt unter anderem in Amsterdam die Hot Dog Bar The Fat Dog, die unlängst auch im deutschen Fernsehen Bekanntheit erlangte, als Tim Mälzer den Hot Dog Laden im Rahmen der Sendung Kitchen Impossible besuchte um dort, ohne Rezept und nur seinem Gaumen verpflichtet, drei Hot Dogs aus dem Programm nachkochen musste.

The Fat Dog blieb für uns verschlossen, Montag und Dienstag ist Ruhetag, wir konnten aber am Samstagabend noch einen Tisch in Ron Gastrobar reservieren, mit einem Vorlauf von zwei Wochen, war das kein Problem. Die Mailkommunikation ein Vergnügen, sofortige Bestätigung des gewünschten Tisches, kurz vor dem Besuch eine Erinnerungsmail, man freue sich schon auf uns. Stilvolle Abholung und Plazierung am Tisch, wir haben Glück, bekommen einen der Tisch direkt gegenüber der Küche und ich kann den ganzen Abend der Küchenmannschaft bei der Arbeit zusehen, die Crew ist jung und konzentriert, der Service fließt.

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Los geht es mit gutem Brot aus der Tüte, knackig eingelegten Cornichons und aufgeschlagener Butter mit knusprigen Schweinskrusteln, das könnten wir jetzt so aufessen. Machen wir auch. Dazu ein Virgin Rhubab, der Haus-Apero mit Rhabarbersirup, frische Limette, Sternanis und Soda, große Klasse. Die Karte in Form einer kleinen Zeitung „Ron Gastro News“ stellt uns vor Schwierigkeiten, wir hätten gerne…einmal alles, bitte. Es klingt alles toll und wir legen einfach mal los, 2-3 Tellerchen seien angedacht für „normale Esser“, 3-5 Tellerchen für hungrige Genießer erklärt uns der charmante Service.

Zum Auftakt fällt meine Wahl auf holländische Krabben mit La Ratte Kartoffelpüree und Hummersauce. Und genau das findet sich dann auch auf dem Teller: cremiges Krabbenragout, getoppt mit einem Deckelchen aus Püree und dicker, klassischer Hummersauce, ein einziger Brei, ein Kinderessen, das wir selig weglöffeln, es schmeckt köstlich würzig, rund und harmonisch.

Zur Halbzeit tauschen wir die Teller, kleiner Trick um mehr verkosten zu können, weiter geht es für mich mit geräuchertem Aaal mit Kartoffelsalat und „Sabayonne von Freilandeiern“, getoppt mit einem Klecks Kaviar und im knusperdünnen Strudelring serviert. Wieder ein einziger Brei, wieder zum weglöffeln gut, der Aaal mild geräuchert und von höchster Güte, der Kartoffelsaat kleinwürfelig und mit viel Apfelstücken, die Sabayonne ein luftiges Vergnügen.

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Weiter geht es mit Schnecken und Champignons in Café de Paris-Butter-Rahm und mit eben jenen Hähnchenhaut-Chips deren Zubereitung ich in unserem Craftbeer-Buch beschrieben habe: das ist Hähnchengeschmack hoch drei, krachend köstlich und perfekt zu den zarten Schnecken, deren Konsistenz wiederum sehr schön mit den ganzen Champignons zusammen geht. Langsam dämmert es uns, Ron Blaauw macht keine Gefangenen, dies Küche lebt von der Völlerei, cremig, buttrig, sahnig, herrlich oldschool. Und in Zeiten von Low Carb, Paleo, Superfood und diätischem Slimbim-Unsinn jeder Art ein charmanter Protest, der schmeckt und glücklich macht, wie das eben nur Butter und Sahne vermögen.

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Drum auch flugs den Gürtel gelockert für den nächsten Gang: Blumenkohl, roh und geröstet, mit Trüffelcreme, Blutwurst und Pierre Robert Käse, es ist der Wahnsinn und das wars jetzt auch, oder? Wir sind ja nicht zum Spaß hier und ich bestelle noch: BBQ Spare Ribs mit hausgemachtem Sambal Oelec. Die Rippchen kommen knochenfrei, sind fingerlickin’ good und zart, das Sambal dazu ein Genuß, den anders als gekauftes Sambal, das oft nur zum Schärfe-Aushalt-Wettbewerb unter Jungs taugt, ist diese Sambal, rund, aromatisch, süßscharf und würzig, sehr komplex, toll! Allerdings haben die Spareribs schon ordentlich Barbeque Saucenanstrich und zusammen ist es dann schnell etwas zuviel des Guten, die Meerrettichcreme und den süßen Aufstrich aus getrockneten Früchten am Tellerrand brauche ich nicht wirklich. Auch das lustige Knusper-Gelöt auf den Rippchen gibt Rätsel auf, es ist überwiegend fettig und knusprig. Erst auf Nachfrage und erneuter Geschmacksprobe dämmert es: tatsächlich, frittiertes Sauerkraut! Die geringe Verbreitung von frittiertem Sauerkraut auf Speisekarten hat ihren Grund.

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Dann das Dessert, wir bestellen den Ron Blaauw Klassiker, das Surprise-Egg Ron Gastrobar. Es kommt ein gülden glitzerndes Kinderüberraschungsei, aus weißer Schokolade, darin ein weißes Mousse mit Mangopüree-Eidotter, dazu gibt es ein Rahmeis. Die Kerbel-Garnitur erschließt sich mir geschmacklich nicht, das Dessert ist ansonsten, über die Bastelei hinaus, einfach und einfach lecker (hier passt das eher unbestimmte Adjektiv mal).

Das möge aber nicht vergessen machen, was für einen entspannten Abend der lässigen Völlerei wir ansonsten hatten! Jenseits aller Zeiten und Moden erlebten wir eine Küche die nur dem Geschmack verpflichtet ist, mit besten Produkten, zum guten Preis. Sechs verschieden Gläser offenen Wein probierten wir an diesem Abend von der großen, handverlesen Weinkarte, eine Weltreise trefflicher Empfehlungen des freundlichen Service, das Glas zwischen 5,50 € und 6,50 €! Satt, selig und beschwingt in sechs Gängen und mit sechs Weinen für etwas mehr als 60 € pro Person, das ist in diesem Fall ein wirklich auffallend freundliches Preis-Leistungsverhältnis. Zurück wollten wir eigentlich laufen, müssten wir eigentlich laufen. Der freundliche Service rief uns gottlob ein Taxi.

Manchmal muss man auch dürfen können!

Amsterdam, die ganze Reise in Direktlinks:

Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

Amsterdam (2): Der Sternekoch der seine Sterne zurück gab und Tim Mälzer drei Hot Dogs servierte

Amsterdam (3): Frühstück, Chinatown und Wurst und Wein

Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

Posted on | März 22, 2016 | 3 Comments

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Gute, es gab in meinem Leben schon wohlmeinende Menschen, die mir mehrfach einen Besuch der Stadt Amsterdam ans Herz legten. Ich sollte besser zuhören. Denn insbesondere für kulinarische Reisende ist Amsterdam eine schlaraffische Stadt des lässigen Genusses und ich durfte während eines verlängerten Wochenendes lernen, dass Amsterdam in Innovation und Kreativität anderen europäischen Food-Hauptstädten wie London und Berlin in nichts nachsteht. Entlang der bildschönen Grachten und in kleinen Gässchen finden sich kleine Bäckereien, Lebensmittelmanufakturen, Restaurants, Lokale, Bier-Bars und funky Kaffees – im Wechsel mit Conzept-Stores, Modeshops und Buchläden – es ist ein Träumchen und alles lässt sich gut zu Fuß erreichen, oder mit dem Mietfahrrad.

Ankunft und Hotel

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Wir haben ein Zimmer im Hotel De Hallen, ab 83 Euro gibt es da die Nacht, wenn man Glück hat, das ist im Stadtvergleich preiswert und das hübsche Design Hotel liegt extrem günstig im aufblühenden Westend der Stadt und ganz nah an den beliebten Vierteln Jordaan, Pijp, dem Museeumsquartier und auch bis ins Old Town geht man locker zu Fuß. Riesenvorteil, wenn man mit dem Auto anreist: hier ist das öffentliche Parken mit 27 Euro für 24 Stunden noch relativ preiswert, bereits ein paar Sträßchen weiter Richtung Innenstadt sind es dann bereits 50 Euro und mehr.

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Das Hotel De Hallen, hat auch Komfort-Nachteile, so lassen sich die Fenster nicht öffnen, es gibt weder im Bad noch im Zimmer selbst ausreichend Haken für zwei Personen, für Mäntel und Handttücher, die Toilette befindet sich hinter eine Doppel-Schwingtür die wenige Privatsphäre schafft – man muss sich schon länger lieb haben, dann geht das. Aber die Lage eben!

Foodhallen

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Denn direkt neben dem Hotel, finden sich die Foodhallen, ein bißchen wie die Markthalle Neun in Kreuzberg am Donnerstagabend, nur dass hier jeden Tag Streetfoodmarket ist, es spielen Bands und DJs legen auf und es ist der perfekte Ort um einen Amsterdamaufenthalt zu starten. Nur 4 Stunden haben wir mit dem Auto von Hamburg gebraucht und gehen erstmal was essen.

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Der Cheesesandwich mit Gouda-Raclettemischung und Frühlingszwiebeln im Bauernbrot geröstet, lässt jeden amerikanischen Cheese-Sandwich alt aussehen, kross, knusprig, schmelzig und vor allem würzig! Der Französische Steaksandwich ist ebenfalls saftig, dick belegt und zart gelungen. Wir genießen Bitterballen, jenen niederländischen Klassiker, der einst zu Magenbitter und Genever serviert wurde und bis heute der Mini-Kroketten-Klassiker zum Feierabendbier ist. Diese hier sind von Sternekoch Peter Gast der auf dem Streetfoodmarkt ein fünferlei der knusprigen Bällchen anbietet, auch in den ausgefallenen Geschmacksrichtungen Tom Kah Gai und Bouillabaise. Die cremig-graue Füllung erinnert mich ein bißchen an die Pilzteigtaschen von Iglo aus meiner Kindheit und ich mochte die. Am besten sind die Klassiker, Rind und Käse.

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Weiter geht es (und es sei erwähnt, dass wir an allen Tagen da waren) mit asiatischen Köstlichkeiten, saftigen Temaki-Sushi-Tütchen, gefüllt mit luftigem Klebreis, Avocado, Wasabi-Mayonnaise und wahlweise Lachs oder Garnele. Dazu irre gute Terriyaki-Spieße und knusprige Garnelen am Spieß. Etwas zurück fällt das fritierte Hähnchenfleisch, das hier auch, Achtung, als „Burger“ im süßen Donut angeboten wird. Das erinnert ein bißchen an Chicken & Waffles, leider ist das Fleisch trocken fritiert und eine knusprig-fluffige Waffel eben doch ein besseres Kissen als ein schrumpelige Donut. Nicht probiert haben wir die ganzen Burger und Hot Dogs, wir haben keine Austern geschlürft und ich bereue die gemischte Barbeque-Platte nicht bestellt zu haben, aber: vor uns lagen ein paar Tage mit drei Restaurantbesuchen und da gilt es die Kräfte einzuteilen.

Die Stadt der kleinen Teller

In Amsterdam manifestiert sich gerade die schöne Idee der kleinen Teller, in vielen Restaurants und Lokalen werden Mini-Köstlichkeiten für kleines und mittleres Geld angeboten, das ganz geht in Richtung Tapas-Kultur und in der gehobenen Küche war beispielsweise Fergus Henderson mit seinem St. Johns Vorreiter dieser Idee. Der Unterschied zum klassischen Menü liegt in den noch kleineren Portionsgrößen, die individuell zusammenstell- und nachbestellbar sind. Das passt gut in unsere Zeit der fortschreitenden Ernährungs-Individualisierung und der interessiert Gast kann noch mehr probieren, wenn er Kapazitäten mitbringt. Alle drei Restaurants die wir an diesem Wochenende besuchen, haben sich der kleinen Teller verschrieben und wir sind gespannt.

Happyhappyjoyjoy

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happyhappyjoyjoy! Rein in den Laden und gute Laune an, der Name ist Programm! Rummelvoll ist das Restaurant, dass sich der asiatischen Straßenküche verschrieben hat, laut und fröhlich. An den Wänden bunte Drucke, Asiakitsch, Neonschriften, auf dem Tisch ein paar Saucen im bunten Plastikkörbchen, der junge Kellner stellt sich namentlich vor und verspricht sich um uns zu kümmern.

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Die Karte umfasst Gerichte aus den unterschiedlichsten asiatischen Küchen, von China über Japan, Thailand und Indonesien und das böte anderswo zumindest Anlass zur Skepsis, in Amsterdam sind allerdings diese Länderküchen allesamt zuhause und es findet sich nicht eine Langnase unter der Küchenmannschaft, die Herren sehen alles aus, als beherrschten sie ihr Handwerk, von Kindesbeinen an.

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Los geht es mit bunten Krabbenchips einem Yuzu-Highball und Sparkling Sake, die überraschend ausgezeichnet schmeckt, feiner Sake-Geschmack der auf der Zunge perlt. Wir knabbern Edamame, dazu werden Chickenwings serviert, knusprig mit zweierlei Zwiebeln und einem Hauch von Reiswein oder Sherry, toll!

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Es folgen Muscheln mit Ingwer, Korinader, Chili und einem Hauch Miso (sag ich mal), auf jeden Fall ein Schüsselchen Aromabomben in Muschelschale. Die drei gedämpften Krabben-Wan Tans, sind die besten die ich je hatte, der Teig schmilzt, die Füllung ist fluffig mit Biss. Zartsplitternd knusprig die Garnelen-Frühlingsrolle mit Erdnuss-Sojasauce.

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Als „Hauptgang“ (alles wir in Schälchen oder auf Tellerchen in appetitlichen Portionen serviert) habe ich Peking Ente bestellt, die kommt als Pulled Pork-Burger im Bao-Bun mit gezupftem Entenfleisch, frischer Gurke, Wasabi-Mayonnaise und Röstwziebeln. Das fahle Ding entpuppt sich als Hochgenuss, es ist schlicht perfekt. Wir haben auch Sticky Rice bestellt, im Bananenblatt serviert und mit würzigem Pilz-Schweinehack gefüllt, wau! Wir sitzen ein paar Stunden, glücklich und entspannt und nur der Umstand, dass wir nur einen Bruchteil der Karte kosten konnten, trübt die Stimmung. Wir müssen wiederkommen!

Später unterhalten wir uns noch kurz mit dem Service, das Restaurant eröffnete vor ein paar Monaten, seitdem ist jeden, wirklich jeden Abend knallevoll. Das mag am Julius Jaspers liegen, der Chef des Hauses ist der prominenteste TV-Koch der Niederlanden, das spielt aber wahrscheinlich garnicht so wirklich eine Rollen, denn das grandiose Konzept der kleinen Asienreise, das nuancierte Essen und die fröhliche Stimmung sprechen alleine für unser neues Leiblingsrestaurant in Amsterdam. wir freuen uns darauf, mit Freunden wiederzukommen. Ein Walk-in ohne Reservierung ist so gut wie unmöglich, also rechtzeitig planen und reservieren für ganz viel happyhappyjoyjoy.

In der nächsten Folge besuchen wir einen berühmten niederländischen Chefkoch der einst zwei Michelin-Sterne besaß, diese irgendwann netnervt zurückgab und seitdem kleine, leckere Tellerchen für seine Gäste kocht.

Amsterdam, die ganze Reise in Direktlinks:

Amsterdam (1): Die Stadt der kleinen Teller – De Hallen, Foodhallen, Happyhappyjoyjoy

Amsterdam (2): Der Sternekoch der seine Sterne zurück gab und Tim Mälzer drei Hot Dogs servierte

Amsterdam (3): Frühstück, Chinatown und Wurst und Wein

CHEF’S TABLE geht weiter! Alle Köche, Länder und Infos zu den drei neuen Staffeln

Posted on | März 10, 2016 | 3 Comments

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Für mich war die Netflix-Serie CHEF’S TABLE im vergangenen Jahr das kulinarische Fernsehereignis: in ruhigen, malerischen und anregenden Bildern erzählten der ausführender Produzent und Regisseur David Gelb („Jiro Dreams of Sushi“) und sein Team von der Alchemie des Kochens, zeigten in sechs Episoden Einblicke in Küchen, Leben und Philosophie von sechs internationalen Meisterköchen.

Das war (und ist) inspirierend und ein erhellendes Vergnügen, bei dem ich dem Reflex widerstehen musste, alle Folgen auf einmal anzuschauen. Das wäre der Sache nicht gerecht geworden, jede Folge ist eine Welt über die es sich lohnte, im Anschluss nachzudenken. Einige Folgen habe ich nun schon ein zweites und drittes Mal gesehen, hier lernt man von den ganz Großen – und sei es nur das Staunen.

Umso mehr freue ich mich, dass diese unglaubliche Serie jetzt in Fortsetzung geht. Schon Ende Mai gibt es eine neue Staffel und alleine die Liste der portraitierten Köchinnen, Köche und Restaurants macht mich angenehm hibbelig. Ich zitiere aus der Presseinformation von Netflix und wünsche guten Appetit:

CHEF’S TABLE, Staffel 2 – 27. Mai 2016
Alex Atala, Dom, (Brasilien)
Ana Ros, Hiša Franko (Slowenien)
Dominique Crenn, Atelier Crenn (US)
Enrique Olvera, Pujol (Mexiko)
Gagan Anand, Gaggan (Thailand)
Grant Achatz, Alinea, Next, The Aviary (US)

CHEF’S TABLE, Staffel 3 – Französisches Special, 2016
Alain Passard, L’Arpege (Frankreich)
Michel Troisgros, Maison Troisgros (Frankreich)
Adeline Grattard, Yam’Tcha (Frankreich)
Alexandre Couillon, La Marine (Frankreich)

CHEF’S TABLE, Staffel 4 – Frühjahr 2017
Ivan Orkin, Ivan Ramen (US, Japan)
Jeong Kwan, Chunjinam Hermitage, Baekyangsa Temple (Südkorea)
Nancy Silverton, Mozza (US)
Tim Raue, Restaurant Tim Raue (Deutschland)
Virgilio Martinez, Central (Peru)
Vladimir Mukhin, White Rabbit (Russland)

CHEF’S TABLE ist eine Boardwalk Pictures Produktion. David Gelb ist wieder Creator, ausführender Produzent und Regisseur. Clay Jeter, Andrew Fried und Brian McGinn sowie Abigail Fuller kehren ebenfalls als Regisseure zurück. Fried und McGinn sind ausführende Produzenten und Dane Lillegard ausführende Co-Produzentin für Boardwalk Pictures.

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