Gelesen: Vincent Klink "Meine Küche"

Posted on | Juli 15, 2008 | 1 Comment

Ich verehre Vincent Klink. Wie kein anderer seiner Zunft verknüpft er das Handwerk des Kochens, mit der Kunst des Schreibens, ist nicht nur Koch, sondern auch Autor, Herausgeber, kulinarischer Philosoph und Musiker. Hartnäckig hält sich das Gerücht, er sei darüber hinaus noch ein sehr feiner und überaus bescheidener Mensch!

Seit 1991 betreibt er mit seiner Frau das Restaurant Wielandshöhe in Stuttgart-Degerloch, seit 1978 ist er im Besitz eines Michelin-Sternes. Beständigkeit ist auch so eine Tugend die Klink nachgesagt wird. Schon Ende der Achtziger gab er die kulinarische Zeitschrift „Rübe“ heraus, ist seit Jahren Herausgeber von Klett-Kottas Kulinarischem Almanach und gibt, gemeinsam mit dem Schriftsteller Wiglaf Droste, die vierteljährlich erscheinende Zeitschriften-Anthologie „Häuptling eigener Herd“ heraus. Auch viele schöne Bücher sind entstanden „Wurst“ sei hier genannt, das im DuMont Verlag erschienene Wunderwerk zum Thema. Und im Fernsehen kocht er auch.

Jetzt ist im Gräfe und Unzer Verlag „Meine Küche“ von Vincent Klink erschienen und fällt gleich optisch auf: sehr bescheiden im Format, im Vergleich mit den derzeit üblichen Zweikilo-Prachtbänden jüngerer Kollegen. Dafür gibt es den Klink für gut verträgliche 19,90 Euro und dafür gibt es ordentlich was auf den Teller. Das Vorwort spricht der Meister und er spricht von der Einfachheit und dem Genuss, programmatisch für das gesamte Buch. Nach Wiglaf Drostes gelungener Lobhudelei geht es in die Küche, und Klink serviert, jahreszeitlich geordnet, über 70 sehr schöne, in ihrer Einfachheit überzeugende Rezepte, leicht umsetzbar. Die überraschende Raffinesse steckt in so mancher Würzung (Zander mit Schalotten-Korianderkruste und Petersilienwurzelpüree) und spannender Kombination (Spargelsalat mit Rhabarberdressing, scharfe Joghurt-Pfirsichsuppe mit Riesengarnelen).

Das ist zeitgemäß und macht Spaß. Viele Rezepte sind leicht nach zu kochende Basisrezepte (Fischsuppe, Lauchquiche, Sauerbraten, Zitronentarte). Zusätzlich setzt Klink häufig auf deutsche Küche, serviert Leberknödel und Saure Linsen, bärt Bratkartoffeln zum Ochsenmaulsalat. Herrlich! Klinks Kochbuch funktioniert dementsprechend auch als Grundkochbuch und hat insgesamt das Zeug zum Klassiker, in seiner gradlinigen Unaufgeregtheit ist es jetzt schon eines meiner Lieblingskochbücher.

Daran sind die weiteren Mitarbeiter des Buches nicht ganz unschuldig, allen voran die Foodstylistin Anne-Katrin Weber aus Hamburg, die Klinks Rezepte leichthändig und dynamisch in Szene gesetzt hat. Das Essen glänzt auf den, im Buch dominierenden, dunklen und stofflichen Untergründen, das warme und weiche Licht des Fotografen Wolfgang Schardt rundet alles schmackhaft ab. Der Hamburger Fotograf ist auch für die sehr gelungenen Klink-Portraits und die reportageartigen Küchenbilder verantwortlich. Nicht zuletzt machen die kleinen Tusche-Zeichnungen der jungen Stuttgarter Kommunikationsdesignerin Stephanie Türck Spaß, die Klinks persönliche, küchenphilosophische Kommentare begleiten.

Vincent Klink „Meine Küche“
Gräfe und Unzer Verlag
192 Seiten

Format 27,0 x 21,0 cm
Hardcover

€[D] 19,90 / €[A] 20,50 / sFr 35,90

ISBN 9783833809828

Wielandshöhe

Häuptling eigener Herd

Vincent Klink bei Wikipedia

Wiglaf Droste

Wolfgang Schardt

Stephanie Türck

Gräfe und Unzer

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One Response to “Gelesen: Vincent Klink "Meine Küche"”

  1. Gelesen: Vincent Klink "Meine Küche" : NutriCulinary | Salat rezepte.
    November 12th, 2011 @ 06:23

    […] Gelesen: Vincent Klink "Meine Küche" : NutriCulinary […]

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