Probiert: La Cucina, Bremen

Posted on | Oktober 22, 2008 | 5 Comments

Im La Cucina bilden zu Geld gekommene Alt-Achtundsechziger und junge Bremer Geschäftsleute eine Schicksalsgemeinschaft und spielen München: sehen und gesehen werden, große Gesten, Bussi hier, Bussi da, beschwipst, beschwingt und lautstark. Auch ich gebe, wenn ich in Bremen bin, gerne den Monaco Franze und kehre im italienischen Restaurant-Bistro ein. Über kleinere Lieblosigkeiten und kulinarische Flüchtigkeitsfehler tröstet die Spitzenqualität der italienischen Delikatessen hinweg, die in der langen, neonbeleuchteten Vitrine, von allen Hochstühlen im Gastraum gut zu bewundern sind. Perfekt gereifte Käse locken, dazu Trüffel, Luftgetrocknetes, Mortadella, Meerestiere und Feinkostsalate. Ein animierender Anblick, der den Gästen im Erdgeschoss vorbehalten ist, oben auf der Balustrade ist dafür kuschelig mit Kerzen illuminiert.

Gestern war auch die Küche einmal durchgehend in Bestform, ein großes Lob an den sehr jungen (und sehr dünnen) Küchenchef! Zum perfekt gewürzten „Carpaccio“ von in Salzkruste gebackenem Rind, üppig mit Sommertrüffeln behobelt, wurde eine Art salziger Hefezopf serviert, die vermeintlichen Mohnschlieren im luftigen Teig entpuppten sich als Oliven-Tapenade. (14,50 Euro). Großartig!
Das Filet vom St. Petersfisch wird oft und gerne mit Rahmkohl vermählt, das arme Tier erträgt es klaglos, der nussige Geschmack des Edelfisches harmoniert tatsächlich mit der rustikalen Beilage. Der fein abgeschmeckte, sahnige Kohl wurde hier in einem knusprigen Blätterteig-Gedöns serviert, ich brauche solche Retro-Gimmicks nicht und fand den Blätterteig in Kombination mit Kohl und dem perfekt gebratenen, saftigen Filet einen Hauch zu viel des Guten, zumal als Beilage hellbraun geröstete, köstliche Butterkartoffeln gereicht wurden (14,50 Euro).

Wunderbar günstig sind die offenen Weine, der fruchtig-mineralische Lenz-Riesling kommt glasweise schon für 3,80 Euro auf den Tisch, ein anständiger Rosso die Montalcino zum perfekt gereiften Stinkerkäse mit Feigensenf (3,50 Euro) schlug mit kostengünstigen 4,50 Euro zu Buche. Den cremigen Espresso gibt es zum Schluss für 2 Euro.
Eine gute Küche, perfekte Produkte und schöne Weine, dass alles zu einem gastfreundlichen Preis-Leistungsverhältnis…wir sollten das den Münchnern einfach nicht verraten.

La Cucina
Ostertorsteinweg 27
28203 Bremen
Telefon: 0421 / 794867
Öffnungszeiten:
Mo-Sa 9:00-24:00 Uhr

Comments

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5 Responses to “Probiert: La Cucina, Bremen”

  1. Nathalie
    Oktober 22nd, 2008 @ 08:48

    Und schon hast Du es getan!
    Wir Münchner sind im Januar in Bremen – und das ist doch die perfekte Empfehlung … und die Weinpreise treiben mir Tränen in die Augen.

  2. Herr Paulsen
    Oktober 22nd, 2008 @ 10:57

    Verdammt! :-)

  3. eat
    Oktober 22nd, 2008 @ 12:22

    Herr Paulsen,

    posten Sie doch mal ein Rezept für Weißwurstsalat oder etwas anderes ähnlich Blasphemisches. Schwupps! Es lesen keine Münchner mehr ihre Tipps!

    Es sei ihnen aber auch mal gegönnt, das schöne Leben hier im Norden zu genießen.

  4. worange
    November 15th, 2008 @ 17:29

    Hallo Herr Paulsen!

    Waren Sie schon mal im Jus im Lehmweg? Wie fanden Sie das denn so? Ich will da nächste Woche hin. Von außen sieht’s nett aus, und die Speisekarte klingt gut. Hamse da Erfahrung?

    Danke und Grüße!

  5. Herr Paulsen
    November 16th, 2008 @ 09:19

    Leider nein, da war ich noch nicht. Gleich nebenan ist das Piment, davon war ich sehr angetan:

    http://www.qype.com/review/32386#

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