"El Gallo Azul": Tapas-Menü im Sherry-Land

Posted on | November 19, 2008 | 11 Comments

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Man kommt ja zu nix. In diesem Sinne sei es mir an dieser Stelle erlaubt nachtragend zu sein. Die letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres und ein ausgezeichnetes Tapas-Sherry-Lunch, genoss ich Anfang November im großartigen „El Gallo Azul“, mitten im Herzen von Jerez de la Frontera, einer Ecke des Sherry-Dreiecks in Andalusien.

Im kreisrunden, historischen Gebäude befindet sich im ersten Stock das Restaurant „El Gallo Azul“, wir kehrten in der gleichnamige Tapas Bar im Erdgeschoss ein. Das Fotografieren in einem Restaurant empfinde ich als Unding, da wir aber ganz légèr vor der Bar und unterm blauen Herbsthimmel saßen, habe ich das Menu ausnahmsweise auch auf Fotos festgehalten.

Das Tapas-Menu beginnt mit einem, wie man uns erklärt, preisgekrönten Tapa: „Timbal de huevo con langostinos“

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Aus dem im Napf gegarten, timbaleförmigen Hühnerei ragt ein knackiger Shrimp heraus, das ganze getoppt mit satter Paprikacreme und einem leichten Basilikumöl. Reichlich und mächtig das Ganze, das Ei sehr hart, die Kombination schmeckte trotzdem hervorragend, gerade zum eiskalten „La Ina“ Very Dry Fino aus den Hause Pedro Domecq, das Aushängeschild des Unternehmens, das von 1730 bis 1994 in Familienbesitz war und noch bis 2005 von einem Familienmitglied geleitet wurde. Und La Ina überzeugt, funkelnd, sauber und frisch, Aromen von grünen Kräutern und Stroh, weich und mild im Geschmack, dezentes Holz und dennoch langer Nachhall. Gerade für Einsteiger: großartig!

La Ina begleitet uns auch perfekt zu den „Alcachofas con anchoas“:

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Ein Tapa von umwerfender Einfachheit und doch raffiniert im Geschmack, man ärgert sich ein bisschen, nicht selbst drauf gekommen zu sein: Artischockenherzen ummantelt mit Anchovis, drei Stück auf einen Spieß, dazu eher dekorativ noch ein bisschen vom Basilikumöl drumherum, fertig. Nachmachen!

Ein neuer Wein wird gebracht: Domecq Oloroso Rio Viejo Sherry, eiskalt und trocken, die Spritzahl zieht an, merkt man aber nicht, ein Bilderbuch-Oloroso, nussig, würzig, bernsteinfarben und schmeichelnd. Dazu serviert: „Pulpo a la gallega“:

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Ein urtypischer, galizischer Klassiker, Krake in Paprikaöl, kommt hier als modernes Tapa auf den Teller: geröstetes Knoblauchbrot, bestrichen mit würzigem Kartoffelpürree, darauf weiche Pulpo-Scheiben, Olivenöl, Zitronensaft und ein Hauch scharfes Paprikapulver. Zum Niederknien!

Zunächst ein wenig rätselhaft ist der nächste Gang. Hackfleisch? Flüssiges Kartoffelpürre? Im Cocktailglas serviert? Genau! Nur dass das Hackfleisch aus Thunfisch ist, der mit Amontillado Sherry geschmort wurde. Schmeckt…na ja, ganz gut:

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„Atún Al Amontillado con crema patatas“ also, dazu der Domecq Amontillado Botaina, gut gekühlt, aromatisch, zu den nussigen Noten gesellen sich Süssholz und Sojasauce-Nuancen, ein vielschichtiger und durch die oxidative Reifung immer noch weicher Genuss.

Erwähnte ich schon meine Liebe zu Bäckchen? Schweinebäckchen, Kalbsbäckchen, Rinderbäckchen machen mich glücklich, die schönsten Schmorgerichte gelingen mit dem zarten Wangenfleisch (Hinterteile zu Grünkohl!). Und hier kommt ein äußerst gelungenes Exemplar:

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Butterzart, das „Carrilera de cerdo iberico“, das Bäckchen vom Iberico-Schwein, fein gemasert, in würziger Sauce mit grünen Bohnenkernen auf Pommes frites. Dazu der mahagonifarbene Oloroso Abocado „La Raza“, von feiner Süße, ein kleines kulinarisches Glück.

Das Dessert wird zum schwergewichtigen Rausschmeißer: Karamel-Sauce und Brandy-Creme stapeln sich mit Aprikosenpüree in einem überdimensionierte Glas, aus dem sich majestätisch eine gigantische Kugel weißes Schokoladeneis erhebt:

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Eine Herausforderung die schmeckt, besonders in Kombination mit dem „Vina 25“, einem beinahe schwarzen Sherry aus der Pedro Ximénez-Traube, mit dem explosiven Aroma und dem runden Geschmack von getrockneten Rosinen.

Ein großartiger Auftakt zu drei spannenden Tagen im Sherryland zwischen Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María, von denen ich gelegentlich später hier berichten werde, Sie wissen ja: man kommt zu nix!

Links:

sherry-info.de

Fotoalbum Sherryland auf meinem flickr-Account.

Comments

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11 Responses to “"El Gallo Azul": Tapas-Menü im Sherry-Land”

  1. José
    November 19th, 2008 @ 12:45

    ⅰOle! Asi me gustan las Tapas.
    Wahnsinn, das sieht so lecker aus, das ich am liebsten ein Ticket gen Süden buchen möchte! Schöne Fotos und super beschrieben.
    Gracias

  2. Aquii
    November 19th, 2008 @ 13:31

    Erstklassige Beschreibung und tolle Fotos. Mir knurrt jezt schon wieder der Magen und hier ist noch nicht mal Fruehstueckszeit ;)

  3. amidelanuit
    November 19th, 2008 @ 15:16

    das liest sich toll!

    (aber noch eins: meinen sie mit bäckchen die bäckchen vorne oder hinten am tier? tschuldigung. aber ich weiss das wirklich nicht.)

  4. Herr Paulsen
    November 19th, 2008 @ 15:54

    @José, Aquii: ¡muchas gracias!

    @Ami: Bäckchen vorne Ami, die “Wange” sozusagen, ganz zartes Muskelfleisch. Hinten ist die Backe wesentlich fetter und wird hier bei uns gern zum Grünkohl gereicht.

  5. Lu
    November 20th, 2008 @ 07:58

    lassen sie es krachen! (und wehe, ein photo fehlt.)

  6. Valentina
    November 20th, 2008 @ 20:13

    Wow, genau da saß ich auch im September. Schöne Bar, schöner Ort – und das gute Essen.

  7. Herr Paulsen
    November 21st, 2008 @ 08:21

    Irgendwann treffen wir uns mal!

  8. Clooney
    November 23rd, 2008 @ 01:46

    Ich schäme jetzt schon für diese Äußerung, aber: man sollte in Restaurants mehr fotografieren. Simpel, schön und nachvollziehbar die gute Küche ins Haus gebracht, der Herr Paulsen. Oder wie die jungen Leute sagen: Nach TK-Tortelini haben Sie meinen Tag gemacht;-)

  9. Herr Paulsen
    November 23rd, 2008 @ 10:39

    Wenn wir draußen sitzen, versuche ich meistens unauffällig zu fotografieren, auch wenn die Liebste dann immer auffällig mit den Augen rollt.

  10. kormoranflug
    Juni 7th, 2009 @ 07:10

    schöne Fotos und wunderbare Beschreibung der Superküche

  11. Herr Paulsen
    Juni 7th, 2009 @ 07:51

    Freut mich sehr, danke!

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