Weltpremiere in Weinheim : die Sprache des Brotes
Posted on | März 31, 2009 | 9 Comments

Josef Hinkel, Esther Raemy, Jochen Baier, Bernd Kütscher und Prof. Michael Kleinert schnuppern die Aromenvielfalt von Brot, Foto: ZHAW
Die Bescheidenheit der ansonsten so reichen deutschen Sprache wird uns erst mit vollem Munde bewusst, bei der Beschreibung von Geschmack verliert sie nicht viele Worte. Man denke nur an den inflationären Gebrauch von Wörtern wie „köstlich“ oder „lecker“. Im Detail helfen tatsächlich nur noch vergleichende Adjektive, um Geschmack, Geruch und Konsistenz von Speisen und Getränken zu beschreiben. Da duftet dann ein Wein schon mal nach „Sattelkammer“, Pech für den, der nie eine Reitstall roch. Wer über Geschmack sprechen will, muss in jedem Fall mit offener Nase durch die Welt gehen.
Während aber die meisten Speisen und Getränken mit ein wenig Aufmerksamkeit und Übung verständlich zu deklarieren sind, führt ein Gespräch über Brot schnell zur Verstummung. „Körnig“, „locker“, vielleicht noch, der Geschmack „säuerlich“, „mild“, „nussig“, „hefig“, das wars auch schon im Großen und Ganzen. Dabei kann ein Brot bis zu 500 unterschiedliche Aromen enthalten, welche bei der Zubereitung, wie auch beim Gärungs- oder Backprozess entstehen.
Um eine deutliche und vor allem schematisierte Brotsprache haben sich Schweizer Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk in Weinheim bemüht. Gestern wurde die daraus entstandene Weltneuheit, das Brot-Aromarad, erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Schweizerin Esther Raemy hat es im Rahmen ihres Studiums am Institut für Lebensmittel und Getränkeinovation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelt. In Zusammenarbeit mit Institutsleiter Prof. Michael Kleinert führten zahlreiche, langwierige Sensoriktests und komplexe Analysemethoden zum Brot-Aromarad.
Im kommenden Herbst werden die ersten Seminare und Einführungen in Weinheim angeboten, dann kann die „Sprachschule Brot“ alltagstauglich in handwerklichen Bäckereibetrieben angewandt werden.
Wer mehr über das Brot-Aromarad erfahren will, oder sich für ein Seminar interessiert, kann sich per Mail an die Weinheimer Akademie wenden: info(at)akademie-weinheim(dot)de
Das Aromarad kann hier erworben werden.
Tags: Akademie Deutsches Bäckerhandwerk > Brot-Aromarad > Esther Raemy > Prof. Michael Kleinert > ZHAW > Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
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9 Responses to “Weltpremiere in Weinheim : die Sprache des Brotes”
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März 31st, 2009 @ 08:04
sehr sehr sehr intereesant. ich setze mich auf meinem blog immerwieder mit brot auseinander. super produkt, hat sex und ist basic basic basic. bravo für den artikel monsieur!
März 31st, 2009 @ 08:17
Freut mich sehr, Gourmetpilot! (Ich schätze Ihr neues Blog übrigens sehr, das ist eine Bereicherung für die Foodbloglandschaft.)
März 31st, 2009 @ 23:09
Hm, spannend. Schön, daß die verschiedenen Geschmacksrichtungen mal so aufgeschlüsselt sind. Aber ich verstehe nicht so ganz, wieso das ein Rad ist. Normalerweise wird die Form gewählt, um Nähe und Gegensätzlichkeit zu verdeutlichen, aber die Tatsache, daß sich ‘stechend’ und ‘Essigsäure’ gegenüberstehen (oder auch die Nussaromen und Holzaromen), schließt das eigentich aus.
Das soll kein blödes Rumgemoser sein, mir fehlt nur die Gebrauchsanweisung zum Rad. Die Aufschlüsselung der Aromen ist auf jeden Fall wichtig und nützlich!
April 1st, 2009 @ 05:00
Interessanter Einwand, André. Eine Anleitung kann ich leider nicht liefern, da hilft die Akademie selbst weiter, im Herbst beginnen ja die Seminare, dort wird alles en detail erklärt werden, vermute ich.
April 2nd, 2009 @ 09:15
für Weine gibts ja ähnliches bereits.
April 2nd, 2009 @ 12:41
Stimmt, das Deutsche Weininstitut hat je ein Rad für die Rot- und Weißwein-Verkostung entwickelt:
http://www.mini-url.de/2brlt
April 4th, 2009 @ 18:45
Im nächsten Leben werde ich Konditor. Und Bäcker. Weinheim. Richemont. Hört sich das nicht wunderbar an?
April 5th, 2009 @ 11:17
Die Vorbereitungen für die Karriere im nächste Leben, werden ja auch schon in Ihrem Blog immer wieder auf mundwässernde Art sichtbar!
September 24th, 2009 @ 10:15
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