Grilltellerglückseligkeit auf St.Pauli: Gazi Antep Kebap Salonu, Hamburg

Posted on | Mai 26, 2009 | 9 Comments

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Gegrilltes Fleisch, Reis, Salat. Das ist für mich ein Seelen- und oft genug ein Sehnsuchtsessen, Basis, Ausgangspunkt und Ideal jeder Kochkunst. Doch schon das vermeintlich Einfache kann gründlich daneben gehen, gerade Fleisch mit Reis und Salat will gekonnt sein, schon die Qualität der verwendeten Produkte ist von äußerster Wichtigkeit, dazu ein Händchen für Würzung und Garzeit, tricky! Die Nationalität des Koches spielt dagegen eine untergeordnete Rolle, gleich mehrere Länderküchen beanspruchen ja das Alleinrecht auf den großen „Einmal gemischte Grill bidde!“

Am Sonntag kehrte ich, auf dem Weg zu einem Konzert, im mir bis dato unbekannten und üppigst besuchten „Kebap Salonu“ Gazi Antep ein. Der alten Faustregel folgend: „viel Publikum, viel Umsatz, wahrscheinlich frisch, eventuell lecker“ bestellte ich aus dem reichen Angebot den gemischten Grillteller, fischte ein paar Möhrenscheiben zum Wartezeitwegknabbern aus dem Eiswasser-Basin und lies ich mich vorfreudig auf einem der wenigen freien Außenstühle nieder. Ich geriet direkt mit einem Stammkunden ins Gespräch, der die Meisterschaft der Küche „bei Müslüm“ besang, es sei, erklärte er „alles absolut top, egal was du bestellst“ und einmal die Hand ins Rund kreisend, fügte er hinzu: „bester Türke hier!“. Auf Nachfrage korrigierte er: „bester Türke auf St. Pauli UND in Altona“.

Aber leider, so klagte er, bliebe man oft genug am gemischten Grillteller hängen, der sei nun mal einfach das Beste. Vergnügt berichtete ich, dass ich genau den bestellt hätte, da erblasste mein Gegenüber, wurde sehr ernst und wisperte: „ohhauaha, der ist aber mit Innereien, wenn man das nicht will muss man das sagen!“ Ich konnte den Mann beruhigen und glaubhaft versichern, dass die Aussicht auf gegrillte Lammnieren meiner Vorfreude gerade einen dritten Flügel wachsen ließ.

Der gemischte Grillteller war dann tatsächlich eine Offenbarung: der Reis mit nussigen Kichererbsen angereichert, knackfrischer roter und weißer Krautsalat, kühle Gurken und Tomatenscheiben, eine feincremige Joghurtcreme. Das Fleisch durchgehend butterzart, auch das gerne anfällige Kalbfleisch zerging, dazu Hühnchen, Rind, ein Lammkotelett goldbraun glänzend, dazu eine wahrhaft würzige Lammfrikadelle und ja, die Nierchen, nicht zu viele, mild im Geschmack.

Ein üppiger, bunter Teller, ich aß lang und mit großem Genuss. Zusammen mit einer politisch unkorrekten Halbliterdose Bier zahlte ich insgesamt zehn Euro für dieses köstliche Vergnügen. Absolut empfehlenswert! Ich befürchte nur, ich werde am Grillteller hängen bleiben.

Gazi Antep
Clemens-Schultz-Str. 26
20359 Hamburg

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9 Responses to “Grilltellerglückseligkeit auf St.Pauli: Gazi Antep Kebap Salonu, Hamburg”

  1. Claudio
    Mai 26th, 2009 @ 12:28

    Einmal komm ich nach Hamburg, Alter! Und dann wünsch ich mir ne Fresstour von und mit Herrn Paulsen. Starten tun wir bitte im Café Paris – mit Ricard!

  2. Herr Paulsen
    Mai 27th, 2009 @ 07:00

    Das wäre mir ein Vergnügen, melden Sie sich gerne Claudio, wenn Sie mal die Hansestadt besuchen.

  3. Siepert77
    Mai 27th, 2009 @ 08:12

    ich war vor einigen wochen schon da und möchte zusätzlich zum grillteller noch folgendes wort in die runde werfen: lammkopfsuppe! http://nachdienstschluss.tumblr.com/post/94269388/guten-abend-guten-tag

  4. Herr Paulsen
    Mai 27th, 2009 @ 15:34

    Ein schönes Wort, man möchte es sich auf der Zunge zergehen lassen!

  5. Claus Thaler
    Mai 28th, 2009 @ 14:55

    Dazu hab ich gleich mal eine Frage: Wissen Sie, was mit dem türkischen Laden los ist, der beim Neuen Pferdemarkt war/ist? Macht der noch mal auf? Sie wissen schon, King Döner oder wie das Ding heißt, wo die Tochter des Besitzers mit diesem Manager vom HSV verheiratet ist, der Laden war auch immer sehr, sehr lecker. Und man hörte mal Gerüchte, die gesamte Ecke dort sei ein Opfer der Verschanzung geworden, deshalb bin ich da etwas nervös. (Und hungrig)

  6. Herr Paulsen
    Mai 29th, 2009 @ 08:46

    Auch meine große Sorge! Ich arbeit ziemlich oft da in der Nähe und streife dann gerne mal unruhig an den beklebten Fensterscheiben vorbei. Aus berufenem, nachbarschaftlichem Mund ist aber zu hören, dass es tatsächlich, frisch gestrichen, weiter gehen soll. Wie lang man allerdings so eine winzige Butze streichen kann, ist mir unbekannt. Vielleicht streichen die ja mit Zahnbürsten.

  7. Praline
    Mai 29th, 2009 @ 09:50

    Habe ich das richtig verstanden? Die Möhrenscheiben aus dem Eiswasser-Bassin? So wie ein Aquarium, allgemeines Fingern, Fummeln und Grabbeln?
    Huch nee.
    Also schließe ich mal daraus, daß die Schweinegrippe noch nicht in Hamburg angekommen ist, aber das allgemein-deutsche Wort “Möhre”. Das ist doch ‘ne Wurzel!

  8. Herr Paulsen
    Mai 29th, 2009 @ 09:56

    Meine Wurzeln liegen im Süden, Praline, darum heißen die bei mir Möhren;-) Greifzangen higegen gibt es hier und dort!

  9. Praline
    Mai 29th, 2009 @ 10:38

    Sehr hübsches Wortspiel, und sehr fein formuliert! Man könnte sich dann u. U. sogar die “Greifzangen” als Umschreibung vorstellen, aber das wollen wir mal nicht annehmen und solange Möhren nicht als Karotten unterwegs sind, sei Ihnen das verziehen. :-)

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