Gelesen: „Wie Bismarck auf den Hering kam – Kulinarische Legenden“ von Petra Foede

Posted on | September 4, 2009 | 3 Comments

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„Seit Jahrhunderten muss es ein beliebtes Hobby von Feinschmeckern sein, sich im Restaurant beim Warten auf den nächsten Gang zu den Namen auf der Speisenkarte Gedanken zu machen – man könnte auch sagen, sich etwas auszudenken.“
(Petra Foede)

Sie finden Schotts Sammelsurium Essen & Trinken war aufgeblasen und entbehrlich? Peter Peters kulinarische Kulturgeschichte ist Ihnen zu geschwätzig und Gert von Paczensky zu dröge? Dann dürfte Petra Foede Ihnen gefallen, die Kulturhistorikerin und Foodbloggerin (Kaffeeklatsch Blog) hat jetzt ihr Buch der kulinarischen Legenden vorgelegt. In Wie Bismarck auf den Hering kam geht Petra Foede der Historie von Speisen und Rezepturen gründlich auf den Grund und räumt nachhaltig mit so allgemein bekannten wie falschen Klischees und Ungereimtheiten auf.

Foedes Recherchen im Dienste der Wahrheit sind immer unterhaltsam, mitunter höchst verblüffend. Von der Aaalsuppe bis zur Zabaione über den Currywurststreit bis hin zur Weißwurst widerlegt Foede gründlich und faktenreich lang geglaubte und bislang gültige Märchen der kulinarischen Kulturgeschichte.

Das Buch kommt im ansprechenden Retro-Look daher, die kulinarischen Erkenntnisse sind mit feinen Zeichnungen des Zürcher Illustrators Daniel Müller bebildert. Für mich ein besonderes Wiedersehen. Daniel Müller hat nämlich auch einige Globi-Bücher gezeichnte: die Comic-Bilderbücher mit Globi, dem blaue Papagei, gehören für viele Schweizer und eben für mich, der ich im Dreiländereck nahe des Bodensees aufwuchs, zu den unauslöschlichen Kindheitserinnerungen.

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Petra Foede ist für ihr Buch tiefer getaucht als so mancher Kollege vor ihr, unbeeindruckt von der Originalität der Legenden und Geschichten. So ist ein, selbst für passionierte Kulinariker wirklich überraschendes Buch entstanden, wenngleich es auch einen hohen Preis für die Aufklärung zu zahlen gilt, wie die Autorin selbst an einer Stelle im Buch einräumt: „Intensive Recherche macht halt manchmal die schönsten Geschichten kaputt.“ Petra Foede hat dafür neue Geschichten gefunde. Und die sind endlich wirklich wahr.

Petra Foede
WIE BISMARCK AUF DEN HERING KAM
Kulinarische Legenden
Coverbild und Illustrationen:
Daniel Müller
gebunden, ca. 256 Seiten
Format 13,9 x 18,5 cm
September 2009
ISBN: 978-3-0369-5268-0
14.90 €

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3 Responses to “Gelesen: „Wie Bismarck auf den Hering kam – Kulinarische Legenden“ von Petra Foede”

  1. Kaffeeklatsch
    September 4th, 2009 @ 10:34

    Freut mich, dass dir mein Buch gefällt, auch als Gesamtpaket mit den Illustrationen. Hätte nicht gedacht, dass so schnell eine Besprechung erscheint. Vermutlich warst du der erste Leser und jetzt bist du auch der erste Rezensent ;) Da ich das Buch gestern in meinem Blog offiziell angekündigt habe, werde ich deinen Beitrag da mal verlinken.

  2. Herr Paulsen
    September 4th, 2009 @ 13:16

    Ich würde ja jetzt gerne sagen, bei NutriCulinary erfahren es die LeserInnen immer zuerst, so eine exklusiver Erstbesprechung gelingt aber eher selten:-)

  3. AndreasP
    September 13th, 2009 @ 21:08

    Gleich gekauft und gleich gelesen. Ein grandioses kleines Buch. Die Autorin Foede hat endlich einmal nicht zum tausendsten Mal irgendetwas irgendwo abgeschrieben und aus dem wahrscheinlichsten oder poetischsten irgendeine neue Geschichte verwurstet, sondern die Geschichten nebeneinandergesetzt und dann genussvoll auseinandergenommen. Nach dem Lesen müsste man wahrscheinlich erst mal 20 Wikipedia-Artikel ändern… (Einzelnachweise hätte ich übrigens brauchbarer gefunden als die pauschlae Literaturliste am Ende). Das Buch hebt sich bei ähnlichem Inhalt auch sehr angenehm vom apodiktischen und belehrenden Ton der Lexika der “populären Irrtümer” ab (die meiner Erfahrung selbst vor Fehlern und Vereinfachungen strotzen, aber das nur nebenbei).

    Besonders eindrucksvoll fand ich die Verrenkungen, die jahrhundertelang um das Wort “Labskaus” gemacht wurden, wo doch das Rätsel in zwei Sätzen einfach, elegant und unerwartet gelöst werden kann.

    Einige Gerichte habe ich spontan vermisst: Eintopf (ist das Wort nun eine Erfindung der Nazis oder nicht?), Sandwich (die vielleicht allerberühmteste Erfindergeschichte rund ums Essen), Leberkäs und schwäbische Seele. Ich hoffe also sehr auf eine Fortsetzung.

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