Extraklasse Kochbuch: Eckart Witzigmann Highlights (Neuauflage)
Posted on | Dezember 3, 2009 | 15 Comments
Das Extraklasse Kochbuch kommt diesmal aus der Vergangenheit. Ich entdeckte den Nachdruck von Eckart Witzigmanns legendärem ersten Kochbuch aus seinem Restaurant Aubergine neulich auf dem Wühltisch einer großen Kaufhauskette, daneben saß der Schauspieler Rainer Hunold und signierte sein Buch ich bin nun mal dick. Weil ich aber nun mal nicht dick bin, blieb ich unsigniert, griff mir die Witzigmann-Rarität zum unfassbaren Spottpreis von 10 Euro und eilte zum Ausgang wie diese Frau in der Möbelhaus-Fernsehreklame. Dieser Preis, das konnte doch nicht sein!
Highlights – Einzigartige Küchenschätze für Feinschmecker ist eine Reise zu den Anfängen der Feinschmeckerei in Deutschland, einer Zeit in der Créme Fraîche ein exotisches Novum darstellte und die Nouvelle Cuisine sehr langsam die so überalterte wie überladene Wirtschaftswunderküche ablöste. München war das Epizentrum einer neuen Kochbewegung, Heinz Winkler kochte im Tantris auf, sein Vorgänger Eckart Witzigmann erhielt 1979 erstmals den dritten Stern für ein Deutsches Restaurant, die Aubergine.
Der 1,6 kg schwere, großformatige Band dokumentiert die Jahre 1979-1994 in vielen Bildern und Rezepten, eine nostalgische Völlerei die großen Spaß macht. Abbildungen der penibel und sauber geschriebenen Notizen die sich Witzigmann als Lehrling bei Paul Haeberlin machte, eröffnen das Buch, die sorgfältig auf Rechenpapier geschriebenen Rezepturen verraten bereits viel von der Akkuratesse des späteren „Koch des Jahrhunderts“ (Gault Millau, 1994)
Der im wahrsten Sinne des Wortes üppigen Fotostrecke imposanter Blumengestecke der Aubergine Floristin Françoise Black folgt der Rezeptteil, der mit einem siebenteiligen, warm-kalten Amuse Geule (!), einer Variation von Auberginen beginnt und eindrucksvoll den Wahnsinn Witzigmann dokumentiert. Diese Foto findet sich übrigens auf der Originalausgabe des längst vergriffenen Klassikers:
Mögen manche der Rezepte heute auch überholt anmuten, sie zeugen von großer handwerklicher Präzision und die geschmacklichen Kombinationen sind nach wie vor genial. Es ist der Beginn und die Basis von allem was wir heute selbstverständlich in den Feinschmeckerrestaurants von Freiburg bis Flensburg genießen und es war eine Küchenrevolution, vergleichbar nur mit der heutigen Molekularküche.
Auch die Fotografien sind Zeitdokumente, die reduzierten Arrangements auf schwarzem Fond, streng von vorn beleuchtet und von brillanter Schärfe, sind Werke des großen Foodfotografen Johann Willsberger, der, wie Witzigmann, mit seiner Arbeit und der Edition GOURMET eine ganze kulinarische Epoche prägte.
Faszinierend auch das Schlusskapitel in dem 38 Witzigmann Meisterschüler (u.a. die sehr jungen Köche Pade, Schuhbeck, Sackmann, Ederer, Lafer, Haas…) eigene Teller präsentieren, die deutlich die Handschrift des Chefs tragen. Allein das Defilee der Meisterschüler zeigt eindrucksvoll, wie prägend Witzigmanns Schule bis heute ist.
Ein erschwingliches Muss für jede Kochbuchbibliothek und eine anrührende Zeitreise.
Eckart Witzigmann
Highlights
Einzigartige Küchenschätze für Feinschmecker
Nikol Verlag
194 Seiten, durchgehend farbig, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 3-930656-67-1
Früher € 101.24
Jetzt € 10,00
Tags: Aubergine > Eckart Witzigmann > Françoise Black > GOURMET > Heinz Winkler > Highlights > Johann Wilsberger > Tantris
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15 Responses to “Extraklasse Kochbuch: Eckart Witzigmann Highlights (Neuauflage)”
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Dezember 3rd, 2009 @ 10:18
habe die ausgabe aus dem jahr 1998 mit weissem cover und vier fotos drauf und daraus vor ca. 10 jahren ein weihnachtsessen gekocht, unter anderem den lachs mit limettensauce. tolles buch, auch vom aufbau her (eben mit den rezept-ausschnitten, den blumen-arrangements und den rezepten erst ganz zum schluss). allerdings stösst es mich optisch eher ab. aber wenn man den inhalt kennt (bzw. weiss, von wem er kommt), dann ist das alles wurscht. das original habe ich bei buchgourmet übrigens grad für 30 euro antiquarisch gesehen. der ursprüngliche preis ist also eher makulatur.
Dezember 3rd, 2009 @ 10:48
Zack – und bestellt!
Dezember 3rd, 2009 @ 11:29
Das Genie Witzigmanns sollte man nie vergessen. Ich habe noch das Original-Tantris.Kochbuch und sehe es immer noch mit Freuden an. Leider hat er sich aber selber jetzt ein wenig ins aus geschossen. Aber auch Ecki braucht wohl (wie wir alle) ein bisschen Knete.
http://www.amazon.de/gp/product/images/1407583425/sr=8-3/qid=1259839644/ref=dp_image_0?ie=UTF8&n=299956&s=books&qid=1259839644&sr=8-3
Dezember 3rd, 2009 @ 11:38
@eat: witig, mann, das wollte ich auch grad schreiben.
das tantris-buch habe ich aus einer verpleiteten arbeitsstaette gerettet, neben zahlreichen anderen anderen nuetzlichen dingen und einer leidenschaft fuer cardenal medoza brandy…
Dezember 3rd, 2009 @ 11:38
argl, wo ist der edit button?
Dezember 3rd, 2009 @ 13:03
Ja, also diese neue Buchreihe die hab ich auch nicht verstanden.
Dezember 3rd, 2009 @ 15:18
Verpassen Sie bitte nicht Skizzenblogs Zeichnung zum Thema:
http://skizzenblog.clausast.de/?p=1927
Dezember 4th, 2009 @ 09:42
…und amazon freut sich…
Dezember 4th, 2009 @ 10:52
Nur wenn man im Onlinekaufhaus bestellt, Claus. Die Lieblingsbuchhandlung an der Ecke besorgt das Buch sicher auch gerne und schnellstmöglich!
Dezember 5th, 2009 @ 14:26
Bei Weltbild gibts das Buch (und weitere von Eckart Witzigmann) übrigens auch http://www.weltbild.de/3/13692837-1/buch/highlights.html
Dezember 7th, 2009 @ 13:36
Bei dieser Preisgestaltung, sollte man sich überlegen überhaupt noch ein Original zu kaufen.
Dezember 7th, 2009 @ 14:43
Mir wird das Warten auf den Preisverfall immer so lang;-)
Dezember 8th, 2009 @ 13:45
Ich habe es auch vor ein paar Monaten bei amazon ergattern können. Ein Wahnsinnsbuch, das mir ausnehmend gut gefällt. Diese Fotos! Ein Traum für mich als Wald- und Wiesenköchin. Irgendwann traue ich mich mal und dann koche ich ein Menü mit Rezepten aus dem Buch.
Dezember 15th, 2009 @ 10:48
danke, paulsen! herlich amüsantes buch. 1) die blumenarrangements: sweet fucking jesus. und das waren nicht einmal mehr die achtziger, sondern das folgejahrzehnt.
zweitens: die rezepte kommen nach heutigen maßstäben mit überraschend kurzen zutatenlisten aus. wurde das dem erwarteten leserkreis angepasst oder sind das tatsächlich die originalrezepte.
dank & auf bald,
fs
Dezember 15th, 2009 @ 16:01
Ich erinnere mich dass André Jaeger (Fischerzunft, Schaffhausen)damals (Ende der Achtziger) eigene Räume für zwei fest angestellte Floristen hatte. (Sein Buch wurde übrigens auch in der selben Reihe neu aufgelegt)
Ich glaube es sind schon die Original-Rezepte, das ist ein Nachdruck. Da sieht man mal, schon damals war weniger mehr!