Das neue Leben einer Legende: Der RITTER in Durbach ist zurück

Posted on | Dezember 29, 2009 | 3 Comments

Wieder einmal haben die Liebste und ich in diesem Jahr den Urlaub vergessen. Das fiel uns erst im Herbst auf, als wir schon etwas dünnhäutig durch die Gegend wankten. Wellness mit guter Küche war gefragt und die Liebste buchte mit dem untrüglichen Gespür des geübten Hotel-Aficionados ein geschichtsträchtiges Haus, das eben einen glänzenden Neustart hinlegt und noch ein Geheimtipp ist.

Der RITTER im badischen Weindorf Durbach ist eine Legende, in den siebziger und achtziger Jahren eines der renommiertesten Häuser der Republik, hier trafen sich Helmut Kohl und François Mitterand zu Schneckensuppe und Schäufele, illustre Prominenz ging ein und aus, über der Küche funkelten zwei Michelin Sterne.

In den Neunzigern verlor das Haus Prestige, Charme und Gäste, fiel in einen ausgedehnten Dornröschenschlaf aus dem es vor zwei Jahren erwachte. In Rekordzeit verwandelten die neuen Besitzer Dominic Müller (37) und seine Frau Ilka Müller das 500 Jahre alte Fachwerkhaus mit jüngerem Anbau in ein Wellness- und Gourmet-Hotel, dass jetzt schon mit allen relevanten Auszeichnungen und Empfehlungen ausgezeichnet ist. Der 600 qm große RITTER SPA unter der Leitung von Antonio Di Nunno wurde vom Relax Guide mit einer Lilie bedacht, das angeschlossene Gourmet-Restaurant WILDER RITTER unter der Leitung von Christian Baur wurde im vergangenen Herbst mit einem Michelin Stern gekrönt, die Weinkarte des Hauses gehört bezüglich der Auswahl an deutschen Gewächsen zu den Besten des Landes, ein Highlight des Hauses ist der modernisierte Gewölbeweinkeller in dem auch getafelt werden kann.

Von der beeindruckenden Arbeit der Hamburger Innenarchitekten von JOI-Design können Sie sich auf der reich bebilderten hoteleigenen Internetseite überzeugen. Wie hier mit Bedacht das alte historische Bauwerk elegant modernisiert wurde ist schon sensationell, alleine wie der Wellness-Bereich passgenau über drei Stockwerke gemütlich ins verwinkelte Haus integriert wurde ist bemerkenswert. Wir haben uns sehr wohl gefühlt im großzügigen Zimmer (mit Kissen und Decken à la carte zum selbst zusammenstellen!), auf den gemütlichen Sesseln in der lichten RITTER LOUNGE, im blitzsauberen SPA-Bereich und im Gourmetrestaurant ebenso wie in der historischen Wirtsstube.

Was die hoteleigene Internetseite nicht erzählt: das Haus unter der Leitung der Familie Müller überzeugt ganz besonders mit ausnahmslos hochambitioniertem Personal, hier arbeiten keine dressierten Gastro-Äffchen, hier arbeitet eine junge Brigade, die unprätentiös und mit großer Herzlichkeit die Wünsche der Gäste erfüllt. Überraschend jung sind auch die Gäste, überwiegend Mittzwanziger und Thirtysomethings entspannen im Ritter. Angenehm belebt wird das Hotel am Abend zusätzlich durch die vielen Außer-Haus-Gäste die von der ausgezeichneten Küche angelockt werden.

In der historischen RITTERSTUBE werden rustikale Schmankerln und Feines aus der Region angeboten, mich begeisterte besonders das Klassiker-Menü des Hauses mit badischen und elsässischen Traditionsgerichten, ich aß fünf Gänge für 55 Euro: Gugelhupf von der Gänseleber mit schwarzen Nüssen und buttersattem, fluffigem Brioche, die berühmte überbackene Schneckensuppe mit Thymianröstbrot, gratiniertes Hechtklößchen mit getrüffelten Kohlrabi und Petersilienkartoffeln, geschmolzener Munster mit angemachtem Rote Beeterettich und Bio-Senföl und Arme Ritter mit Rieslingsabayone, eingelegten Kirschen und Vanilleeis. Die dazu gereichten, korrespondierenden Weine, alle aus der reichen Weinregion, waren eine Offenbarung!

Unser Abend bei Christian Baur im Gourmet-Restaurant WILDER RITTER beinhaltete ein Menü das Teil unseres vorweihnachtlichen Gesamtarrangements war: Curry Anapurna von Bärenkrebs mit Sorbet von grünem Apfel, geangelter Wolfsbarsch mit Rosmarinbuttermilch und Wan-Tan von Spinat und Kürbis, Pochierter Bretonischer Lammrücken auf Schnekcenporridge, Kohlrabiravioli und Artischocken, Estragon Bayerischcreme mit Macadamiawaffel und Portwein-Eis, standen auf der Speisekarte. Der Michelinstern leuchtet zu Recht über dieser Küche. Die Weinberatung durch den Gastronomischen Leiter und Chefsommelier Ronny Weber war ein großes Vergnügen, Weber kann aus den Vollen schöpfen, kennt seine Weine und begeistert mit faktenreichen und kurzweiligen Erzählungen zu jedem Glas.

Die aktuellen Speisekarten lassen sich allesamt auf der Internetseite des Ritters einsehen. Davon dass die Uhren im RITTER anders ticken, und immer zum Wohle des Gastes, auch davon zeugt die Internetseite. Die Leiterinnen und Leiter sämtlicher Abteilungen des familiengeführten Hotels werden dort mit Foto, E-Mailadresse und Durchwahlnummer vorgestellt, es ist die Politik des Hauses Kritik möglichst direkt und zeitnah aufzunehmen.

Auch ich habe vier Tage lang den Fehler gesucht. Und dann verbrachte ich einen Vormittag zusammen mit der Liebsten, bloggend und Kaffee schlürfend in der schönen Lobby. Immer wieder bestellte ich bei der freundlichen Rezeptionistin neue Getränke für uns. Gegen Mittag ging ich kurz aufs Zimmer um ein Buch zu holen, bei der Rückkehr begrüßte mich die junge Rezeptionistin, als habe sie mich eben zum ersten Mal gesehen. Wie unaufmerksam, dachte ich noch. Als ich das nächste mal zur Rezeption rüberblickte mochte ich meinen Augen nicht trauen, ich sah die junge Dame doppelt. Zwillinge! Und während uns die eine der Beiden den Vormittag über mit Kaffee versorgt hatte, trat ihre Schwester gerade den Dienst an und hatte mich dementsprechend tatsächlich zum ersten mal gesehen und herzlich begrüßt.

Fazit: wunderschön gestaltetes familiengeführtes 4 Sterne Superior Designhotel inmitten von badischen Weinbergen, das junge, unprätentiöse Personal umsorgt den Gast gelernt und herzlich. Gemütlicher SPA-Bereich mit umfangreichem Angebot an Anwendungen, ausgezeichnet mit einer Lilie. Zwei Restaurants für jeden Anspruch, eines mit einem Michelinstern gekrönt. Auch die Lage des Hotels, an der badischen Weinstrasse und nur dreißig Auto-Minuten von Straßburg und dem Elsass entfernt, machen das Hotel zu einem lohnenden Ziel für Kulinariker, Feinschmecker und Weinfreunde.

www.ritter-durbach.de

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3 Responses to “Das neue Leben einer Legende: Der RITTER in Durbach ist zurück”

  1. Tattva
    Dezember 29th, 2009 @ 13:22

    Wow, bin kurz davor einen Nach-Feiertag-Entspannungsurlaub zu buchen, zumal ich nicht besonders weit weg wohne. Klingt und sieht super aus :)

  2. Herr Paulsen
    Dezember 29th, 2009 @ 13:29

    Da machen Sie nüscht falsch, Tattva!

  3. Thea
    Dezember 29th, 2009 @ 17:59

    Lieber Herr Paulsen, freut mich, dass es Ihnen in meiner (alten) Heimat so gut gegangen ist und gefallen hat. Glatt ein Grund, die Hauptstadt ‘mal wieder in Richtung Süden zu verlassen. Schwarze Nüsse gab es Weihnachten auch bei mir (selbst eingelegt!). Beste Wünsche für 2010!

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