Fundstück der Woche: Mitbringselschokolade

Posted on | Februar 12, 2010 | 28 Comments

Das da oben auf dem Foto ist der Schokoladenkorb aus der Firma der Liebsten. Die Damen bekommen sehr viel Schokolade geschenkt und die verstaubtesten Packungen werden regelmäßig entsorgt und gegen Neuware ausgetauscht. Dabei naschen die Ladys gerne Schokolade, nur eben diese nicht: Mitbringselschokoladen mit Kreativwürzungen.

Schokolade boomt ja nun schon seit ein paar Jahren kräftig und manch einer der einst todesmutig und mit geheucheltem Kennerblick in seine erste hochprozentige Bitterschokolade biss, hat gelernt, dass die bislang präferierten Tafeln doch eher schmeckten wie gesüßtes Streichfett mit Plantagentrank-Streukakao. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, leider wurden viele Schokoladenhersteller dadurch ermuntert ihr Sortiment mutig zu neuen Ufern zu tragen, und da liegen sie jetzt, die edeln Schokoladenkompositonen und ziehen Staub.

Ich kenne niemanden der sagt „also ehrlich für eine Veilchen-Rosenwasser-Bitterschokolade mit Meersalz und Chili lasse ich jede Vollnuss-Schocki liegen“, eher selten wurde bislang der Geschmack der „Avocado mit Mandarinenjoghurt-Joghurtschokolade“ gerühmt. Die gibt es wirklich! Und haben Sie schon mal mit Genuss in eine Zartbitterschokolade mit ganzen roten Pefferbeeren gebissen? Der Tatbestand der Körperverletzung ist sofort erfüllt und ähnlich wie bei einem Mohnbrötchen trägt man auch nach intensivster Zahnreinigung noch sehr lange kleine rote Pfefferplacken in den Zahnzwischenräumen spazieren. Altes Dörrobst in weiße Schokolade zu schmeißen ist nicht nur für das Dörrobst lediglich ein Endlager und über mit alkoholischen „Cremes“ gefüllte Tafeln („feuriger Weihnachtspunsch“) hülle ich den gnädigen Mantel des Schweigens.

Meine gewagte These: kein Mensch isst jemals diese Schokoladen. Sie werden einzig als Verlegenheitsmitbringsel in verschiedenen Qualitäten und Preiskategorien hergestellt und vom Beschenkten nach einer Anstandszeit weiter gereicht oder zum Sondermüll gefahren.

Comments

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28 Responses to “Fundstück der Woche: Mitbringselschokolade”

  1. Andrea
    Februar 12th, 2010 @ 09:21

    aber warum ist zotter dann eigentlich so erfolgreich mit diesen ganzen komischen geschmacksrichtungen von denen ich mal zwei probiert und sofort wieder weggelegt habe? also zumindestens kommts mir so vor…

  2. concuore
    Februar 12th, 2010 @ 09:43

    Sag ich ja immer, Zotter macht keine Schokolade, das sind gefüllte Pralinen.
    Aber die links müssten doch Domori sein, machen die auch solche Sachen?
    (Domori 100 ist sehr, sehr speziell aber wirklich passend zu Laphroaig!)

  3. Sibylle
    Februar 12th, 2010 @ 09:47

    Danke. Danke. Danke!

    Sich komische Schokoladengeschmacksrichtungen auszudenken, von denen es bestimmt die Hälfte tatsächlich gibt, kann man als Zeitvertreib auf langen Autofahrten etc. betreiben: Bergbauernfußnägel-Traube, Räucheraal-Haselnuß-Marille, Birne-Salbei-Milch …

  4. Marqueee
    Februar 12th, 2010 @ 09:58

    Aufrichtigen Danke, Herr Paulsen. Das musste endlich einmal gesagt werden! Ebenfalls Zustimmung, was Ihre Schlussthese betrifft. Hergestellt werden diese Schokoladen bestimmt in dem gleichen Betrieb, in dem auch die ungezählten ebenso dekorativen wie unverzehrbaren Panettones, die zur Weihnachtszeit erst unsere Paket- und Botendienste auf Trab halten, um danach die Gabentische zuzumüllen, gebacken werden.

  5. eat
    Februar 12th, 2010 @ 10:48

    Gott sei Dank kenne ich ein Buch dass sich als Gastgeschenk viel, viel besser eignet. Der Link ist auf dieser Seite oben rechts.

    Bei den Schokoladen sei anzumerken. dass meiner Meinung nach gute Industrieware (Lindt Orange z.B.) den meisten artisanalen Schoggis erstaunlicher Weise (?) überlegen ist. Da passt alles meist besser als gewagte Kreationen wie Kahlua-Banane-Eisenkraut hergestellt von ehemaligen Werbemanagern, die meinen durch eine gute Verpackung schon ein gutes Produkt zu liefern. Das gilt nicht nur für Schokolade übrigens.

  6. Nicky
    Februar 12th, 2010 @ 13:35

    Bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen (von Vosges) bin ich absolut Deiner Meinung. Mag nicht ständig meine Gehirnwindungen verknoten, um doch noch eine Geschmacksnote zu erschmecken, die den Genuß (?) abstruser Sorten rechtfertigt. Lieber gedankenlos (im besten Sinne) dahinschlemmen. Und das klappt nur mit den puristischen Lieblingssorten.

  7. MrsWordmountain
    Februar 12th, 2010 @ 13:52

    Haben den Eintrag mal den Kollegen hier im Laden vorgelesen und jubelnde Zustimmung bekommen ;-)

  8. Eline
    Februar 12th, 2010 @ 14:00

    Der Schokoladenboom hat sicherlich abstruse Geschmackskombinationen zur Folge, von denen hier einige genannt wurden. Ich finde Zotters Bergkäse-Schokolade auch schlimm. Dafür kann ich mich für ungefüllte Bitterschokoladen von manchen Herstellern schon begeistern, auch wenn ich nur kleine Mengen davon esse.Mir gefällt es, dass Schokolade aus Sao Tome so ganz anders schmeckt als welche aus Venezuela. Und es gibt auch gelungene Geschmackskombinationen von gefüllten Schokoladen, wie z. B. die Safran-Orange in Bitterschokolade von Coppeneur. Zu Darjeeling ein Gedicht.

  9. skh
    Februar 12th, 2010 @ 14:10

    Man kann aus erstaunlich vielen dieser Kreationen noch heisse Schokolade machen (ggf. vor dem Trinken durchsieben). Als es ein Jahr lang mal ganz schlimm wurde gab es dann oefters Brownies. Die gehen sogar mit Zotter (vielleicht nicht mit Bergkaese).

    Verschwendung? Waere Wegwerfen ja auch.

  10. Matthias
    Februar 12th, 2010 @ 14:22

    Wenn ich sehe, was ich regelmäßig aus meine Süßigkeitenschublade entsorgen muss, kann ich deine These bestätigen. Manche Sachen sind gut, so wie sie schon immer waren, die müssen nicht verbessert oder modernisiert werden. Dieser Trend Flammkuchen zur Pizza zu machen, geht in die gleiche Richtung.

  11. ami
    Februar 12th, 2010 @ 15:38

    ja. ja! endlich sagt das mal jemand. diese schokoverhunzungen gehören verboten!

  12. Schnuppschnuess
    Februar 12th, 2010 @ 15:41

    Ich glaube: Jeder Mensch isst EINMAL diese Schokolade. Und danach nie mehr. Mir jedenfalls ist es einmal in den Sinn gekommen, so eine Schokolade zu probieren. Ach nee, nicht auch noch DAS!!! So eine schöne Vollmilch-Krokant oder Nougat findet sich bei mir an der Spitze der Schokoladen-Pyramide, weiter unten suhlen sich Vollmilch, Mokka, weiße Schokolade und das war’s dann auch schon mit der Experimentierfreudigkeit.

  13. fressack
    Februar 12th, 2010 @ 17:22

    Bin ich jetzt raus, wenn ich enthülle, dass ich am liebsten die Weisse esse?

    Aber danach gleich die verschiedenen Sorten von Rausch, ganz ehrlich!

  14. Rosa Beeren Fraktion
    Februar 12th, 2010 @ 19:36

    Also nein, Herr Paulsen, ganz ehrlich: Nichts gegen dunkle Schokolade mit Rosa Beeren!!! Köstlich! Vor allem die aus der Tabakbeutelverpackung..
    Es gibt Sie also, jene Menschen, die da mit Genuss reinbeisen ;)
    Wobei langsam zergehen lassen es wohl eher trifft.
    Gerade das ist ja der Vorteil dieser Schokoladen: Ein, zwei, drei…äh, vier…Stückchen erzeugen die gleiche Befriedigung, für die Frau sonst eine ganze Tafel braucht.
    Bergkäse fand ich allerdings auch grausam. Und noch grausamer: Schokolade mit Fischgeschmack (vom gleichen, unsäglichen Hersteller).
    Das steht da zwar nur drauf und in Wirklichkeit ist wohl eher Kokos drin, aber man wird die Assoziation – einmal wachgerufen – einfach nicht los…grässssslich!

  15. Monika
    Februar 12th, 2010 @ 21:34

    oh ja, endlich mal kein “hach, das ist ja so exotisch-trendig” wie von den öffentlichen Stimmen!

    Bloß weil in Südamerika Kakao mit Chili in der (ungesüßten) Soße zusammen sind, ist das jetz zum Trend gehämmert worden und weil das für Europäer schräg ist, gibts noch ganz schräge Ideen dazu… so seh ich das.

    Leider gibt es ja doch immer wieder Leute, die einem so ein Täfelchen mit einem “Du magst doch Exotisches” überreichen… :(

    Ich mag am liebsten klassische Milchschokolade, auch wenn der Trend auf dunkel geht(wirklich? oder ists nur das Marketing?) und einige andere heute “traditionelle” Sorten.

    Allerdings hab ich auch schon in meiner “wilden Zeit” Knofolade für einen Freund (mit frischem Knoblauch und gut gestaltetem Label) sowie Olivenpralinen (für fortgeschrittene Stunden zu Sylvester) gemacht und probiert… und mit Erstaunen festgestellt: gar nicht sooo schlecht (wie einem davon werden kann) ;)

    Dies sind aber kleine Spielereien, auf meinen wurstologischen Forschungen fand ich letzens kommerziell hergestellte Salamischokolade…. das ist dann auch mir zuviel.

    Herzliche Grüße aus dem hohen Norden,
    Monika

  16. Gesche
    Februar 13th, 2010 @ 08:10

    nun muß ich auch mal grobkörnigen senf dazugeben: ich dachte schon immer, mit mir stimme etwas nicht, weil ich so’n zeug auch immer gleich weggeschmissen hab. höchstens mal als eine art brühwürfel an eine entensauce, das paßt je nach sorte dann schon mal. ebenso strange finde ich den trend, die kombi rotwein mit extra dafür hergestellten schokotrüffeln geschenkt zu bekommen und dann noch sagen zu müssen, wie toll das geschmeckt hat :-((( oder das herumgeplansche mit kaffee auf allem kochgut.

  17. skizzenblog
    Februar 13th, 2010 @ 09:26

    was kan man dazu noch mehr sagen?
    non appétit!
    http://skizzenblog.clausast.de/?p=2909

  18. Claus
    Februar 13th, 2010 @ 11:12

    jau, dann doch lieber Gummibärchen!

  19. Haselmaus
    Februar 13th, 2010 @ 11:29

    Mein Ding sind diese gewürzten Schokoladen auch nicht… Aber offenbar gibt es genug Menschen, die das zumindest kaufen, sonst würde es nicht angeboten werden.
    In einer Zeitschrift habe ich letztens von einer Internetseite gelesen, wo man sich seine eigene Schokolade selbst kreeiren kann. chocri.de. Käse geht da aber nicht ;) Gummibärchen oder Basilikum in Schokolade finde ich aber ähnlich ürgs….

  20. Monika
    Februar 13th, 2010 @ 12:48

    .. mir fällt grad noch was ein … andere Länder, andere Geschmäcker:

    Ich sah vor Jahren in einer italienischen Kochsendung einmal einen TV Koch, der über einen schönen, zerlaufenden Gorgonzola ein Stück MILCHSCHOKOLADE raspelte und was er dabei erzählte war hauptsächlich, wie lecker es doch schon aussieht und auch ist. *buärks*

    Nunn kenne ich ja die Vorliebe der Italiener für süß-pikante Mischungen wie Pecorino mit Honig (hab ich ausprobiert: eigentlich recht lecker… erstaunlicherweise)

    Aber das geht mir persönlich dann doch etwas zu weit.

    Ist eigentlich wie in der Renaissance, wo ja auch Schweinebraten mit Zuckerguss gemacht wurde als die Trennung von süß und pikant nicht so war wie jetzt.

    Aber diese ganzen verückten Schokosorten seh ich wirklich nur als Schickimicki-ich-bin-ja-so-ausgefallen an.

    Zu meinen Schokoexperimenten vom letzten Kommentar: Einmal reichte, auch schon damals… :D

    Jetzt lieber klassisch und gut. Und ohne Gorgonzola. Das lass ich den Italienern.

    Grüße aus dem Norden,
    Monika

  21. Arnonym
    Februar 13th, 2010 @ 22:15

    Man muss beim weiterverschenken solcher Schokoladen eigentlich nur aufpassen, das der ursprünglich schenkende nicht anwesend ist.

    Und natürlich, das man wirklich guten Freunden eben nicht solche Schokolade schenkt. Zumindest nicht, wenn die Freundschaft halten soll;-)

  22. Andra
    Februar 14th, 2010 @ 17:55

    Die Schokolade eignet sich groesstenteil hervorragend um sie auf Diversen Torten/Glasuren zu raspeln. So ganz bittere Chillischokolade auf sehr sehr Suessen Torten. Köstlich :)

  23. Herr Paulsen
    Februar 15th, 2010 @ 07:25

    Dass nenne ich doch mal ein klares Statement, danke für ihre erhellenden Kommentare! Auf die Idee die süßen Altlasten zu verkochen bin ich noch garnicht gekommen und werde demnächst mal zärtliche Versuche starten.

  24. Ellja
    Februar 15th, 2010 @ 14:13

    Also, eine Vielzahl der Zotter-Schokoladen mag ich, scheint ich bin die einzige. Ganz schön exklusive Produktion für mich allein ;-)

  25. Sebastian
    Februar 17th, 2010 @ 23:54

    Jein. Als Milchschokoladenanhänger machen mir 80+ Bitterschokoladen ähnlich Angst wie Avocado-Mandarine. Speziell die Kombination mit rosa Pfeffer fand ich aber dann wieder gut, allerdings nur von einer Firma, die ich leider nicht mehr weiß – vielleicht war es ja wirklich Dolfin (Tabaktasche). Leyseffiers Milchschok mit Meersalz finde ich auch klasse.

    Schlimmer als Zotter ist Zotter Mitzi Blue, die zeigt wirklich, dass der keine Schokolade kann. Habe viel von ihm probiert, um ihm auf die Spur zu kommen, aber alles nur einmal und nie auf die Spur gekommen. Dafür esse ich manchmal Ritter Sport Erdbeer Joghurt, Milka Caramel und in ganz argen Zeiten sogar Caramac. Bin raus.

  26. Herr Paulsen
    Februar 18th, 2010 @ 07:29

    Ja man muss es differenziert sehen und Deine Spurensuche ist zu ehren! Kindheitserinnerungsschokoladen genießen sowieso Artenschutz, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich mit den Jahren von Erdbeer-Joghurt etwas entfremdet habe. Ich geh jetzt mal Caramac kaufen!

  27. Jutta
    Februar 18th, 2010 @ 08:25

    “Caramac – und du bist auf Zack!” Jaaa!!! Gibt’s das noch?

  28. Agnes
    Juli 26th, 2013 @ 10:56

    It’s very easy to find out any matter on net as compared to textbooks, as I found this paragraph at this website.

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