Küchenmusik (3): Sun Dub Vol. 2 und Mutter Paulsens Weltmeisterschnitten

Posted on | Juni 11, 2010 | 3 Comments

Zum Start der Fußballweltmeisterschaft heute mal ein bisschen Weltmusik in der Küche! Weltmusik? Achduliebegüte. Weltmusik? Ist das nicht Pan-Flöten-Terror, Didgeridoogebrumse und Windspielgeklingel? Entrückte Mönchsgesänge zur Klangschalen-Kakophonie für schwofende Weltverbesserer im Ausdruckstanz-Seminar?

Die Weltmusikschublade quietscht beim Öffnen immer ein bisschen, schwer wiegen die Vorurteile, wer aber vorbehaltlos neugierig darin wühlt, findet schnell die neue, spannende Weltmusik: rasende Balkan Beats aus Osteuropa mit Akkordeon, Geige und brettharten Bläsersätzen, den lateinamerikanischen Mestizo der Salsa und Samba mit Rock, Punk, Ska und Electro vermengt, moderne Klezmer-Musik, dicken Oriental Dub, sentimentalen Italo-Swing und nicht zuletzt einen grenzenlos vielfältigen Reggae-Kosmos. Einer, der immer wieder all diese Stile zu einem musikalischen Festmahl zusammenführt ist der Hamburger Musiker, DJ und Produzent Ulf Lindemann aka dunkelbunt.

Foto: dunkelbunt

Lindemann lebt in Wien, sein 2007er Debüt-Album Morgenlandfahrt war von zahlreichen Balkanreisen inspiriert, doch schon damals packte der leidenschaftliche Koch ein paar Zutaten mehr ins Weltmenü, dicken Funk, entspannten Jazz, eine Prise Hip Hop. Jetzt liegt mit Sun Dub Vol. 2 die neueste Compilation aus dem Hause dunkelbunt vor, eine scharf gewürzt Weltreise, ein delikates Mehrgangmenü mit zahlreichen, weit gereisten Gastköchen.

Das Album beginnt mit Wasserfallgeräuschen, Vogelgezwitscher, es flirrt die Sitar, jemand bläst ein Horn im Dschungel – Weltmusikalarm! Ich bin sehr erschrocken. Dann aber beginnt die dunkelbunt-Magie: der Selecta startet zügig einen dicken One-Drop Reggae, mächtige Trompeten heben an, die Violine jubelt, die Klarinette fliegt über allem bei „Floresty In Dub“. Einem ungarischen Chanson-Schlepper, folgt ein fröhlicher Disko-Funk mit Dub-Echos, dann eine entspannte Jazz-Reggae-Nummer mit italienischem Gesang und Klezmer-Klarinette. Geht nicht? Geht doch!

Das ist Lindemanns große Kunst: nie verliert er sich im musikalischen Flechtwerk, nichts wirkt überladen. Musikalität statt Effekthascherei, jedes Stück wie aus einem Guss, hier kommt die Welt wirklich zusammen. Auf angenehm zurückhaltenden Beats spielt der italienische Geiger Lino Cannavacciuolo eine schwindelerregende Nummer, bei „Hip Brass“ kurvt James Bond im Austin Martin durch den Balkan, der Big Beat der 1990er Jahre feiert federleichte Auferstehung beim „Twist“-Gastspiel des deutschen Ausnahme DJs Malente, ein Highlight ist auch „Capitalism“, mit der in Berlin lebenden Sängerin Bajka, ein geschmeidiger Reggae-Trip Hop mit türkischen Streichern. 19 Tracks umfasst die Wundertüte Sun Dub Vol. 2, darunter gelungene Remixe einiger dunkelbunt Klassiker („Kebab Connection“, „Cinnamon Girl“ mit dem Boban I Marko Markovic Orkestra)

Für den kulinarischen Teil dieser Küchenmusik habe auch ich mir diesmal einen Gast eingeladen: meine Mutter! Die servierte der Liebsten und mir neulich eine Köstlichkeit die perfekt zur dunkelbunt-Musik passt: die in Arabien, Asien und Europa beheimatet Aubergine vermählt sich hier mit italienischer Tomate, Mayonnaise und französischem Baguette, Trauzeuge ist der Weltenbürger Knoblauch.

Tomaten, Auberginen und Baguette sollten ungefähr gleich dick aufgeschnitten werden. Knoblauch nach Gusto wird fein gewürfel, auf die Baguettescheiben verteilt, die Scheiben im Ofen geröstet. Die kräftig gesalzenen Auberginenscheiben werden in Olivenöl goldbraun gebraten und mit frischem, schwarzem Pfeffer aus der Mühle gewürzt. Die Tomaten werden nicht gesalzen, sie ziehen sonst schnell Wasser, die übrigen Zutaten sorgen für ausreichend Würze. Die gebratenen Auberginen werden auf die Baguettescheiben verteilt und mit Mayonnaise bestrichen (Herr Siebeck rät im aktuellen ZEIT-Magazin Mayonnaise immer selbst anzurühren, meine Mutter schwört allerdings für diese Komposition auf Mayonnaise vom Discounter, nur die bringe den echten „Old School“-Mayonnaise-Geschmack den es für dieses Gericht braucht). Jetzt noch mit Tomatenscheiben deckeln und mit frischen Kräutern (Petersilie, Schnittlauch) bestreuen.

Schmeckt warm und kalt irre gut und ist der perfekte Fernsehsnack für die Weltmeisterschaft. Aber Achtung: wer das Gericht in den Farben der Deutschland-Flagge schichtet, bekommt eventuell Probleme beim Essen.

Das knusprig-warme Knoblauch-Baguette mit der würzigen Aubergine, der cremigen Mayo und der kühlen, frischen Tomatenscheibe, kontrastieren aufs Schönste und werden im Mund zu einem wunderbaren Ganzen. Genau wie die Musik von DJ dunkelbunt und seinen Gästen.

Links:

Nur wenige Tage online: SUN DUB Vol 2 im DJ MIX anhören!
http://soundcloud.com/dunkelbunt/sun-dub-vol2-a-spicy-blend-by-dunkelbunt

Album Infos SUN DUB Vol 2
http://mrdunkelbunt.wordpress.com

Album SUN DUB VOL 2 on VINYL / CD sowie News und Tourdates
http://www.dunkelbunt.tk

Comments

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3 Responses to “Küchenmusik (3): Sun Dub Vol. 2 und Mutter Paulsens Weltmeisterschnitten”

  1. Claus
    Juni 11th, 2010 @ 09:48

    Macht Appetit – auf die Musik und auf´s Essen…

  2. iLilly
    Juni 13th, 2010 @ 09:44

    hmm, klingt lecker!

  3. Herr Paulsen
    Juni 14th, 2010 @ 07:17

    Ich kann Ihnen sagen…!

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