Lehrzeit-Lebensweisheiten

Posted on | Juli 13, 2010 | 21 Comments

Sinnspruchopfer, Ende der Achtziger

Im fröhlichen Rund mit ein paar Gastro-Haudegen erinnerten wir uns gestern Abend unserer Lehrjahre. Es wurde viel gelacht. Besonders vergnüglich geriet die Erinnerung an unzählige Sinnsprüche und Lebensweisheiten, mit denen unsere Lehrherren uns damals bundesländerübergreifend, kollektiv und unermüdlich eindeckten. Oft selbst gehört:

„Wie es auf Deinem Arbeitsposten aussieht, so sieht es in Deinem Kopf aus!“

Noch heute fällt mir immer der Spruch ein, wenn ich mich beim Kochen mal wieder komplett selbst zugemüllt habe. Neben Klassikern wie

„Augenmaß und Handgewicht, sind des Koches erste Pflicht!“

oder

„Alle Köche sind beschissen, die sich nicht zu helfen wissen.“,

galt die ständige Sorge der Betriebsleitung, während meiner Lehrzeit im Schwäbischen, der Beziehung zwischen Köchen und Servicepersonal. Oberstes Gebot:

„Schaffe, schaffe, Häusle baue, und net nach de Mädle schaue.“

In diesem Zusammenhang häufig repetierte Benimm-Propaganda:

„Ein kluger Fuchs jagt nicht im eigenen Bau!“

Zudem hatte zumindest mein Lehrherr ganz konkrete Vorstellungen vom Alltag seiner Lehrlinge:

„Das Lehrgeld ist in Kochbücher anzulegen. Die Zimmerstunde, wie überhaupt jegliche Freizeit, ist dem Studium der Kochbücher zu widmen.”

Auch das Mitschreiben von Rezepturen wurde sinnfällig, kurz und bündig zusammengereimt:

„Wer schreibt dem bleibt.“

Gibt e das eigentlich heute noch? Reimende Arbeitgeber zum Wohle der Generation Praktikum, Erbauungsprosa fürs arbeitende Jungvolk?

Und mit welchen Sprüchen hat man Sie während der Ausbildung beglückt?
Da können wir doch sicher alle noch was lernen!

Comments

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21 Responses to “Lehrzeit-Lebensweisheiten”

  1. hotzenplotz
    Juli 13th, 2010 @ 11:58

    Ich gehe mal ins Rennen mit “Koch, Koch, Arschloch.”

  2. nina
    Juli 13th, 2010 @ 12:11

    mein favorit an dummen spruechen, in der kueche gelernt: “auf alten pfannen lernt man kochen”. schoen sexistisch auch.
    gestern noch an kuemmelspalter gedacht, btw.

  3. Heimuuh
    Juli 13th, 2010 @ 12:45

    Zwar nicht die Lehrjahre, aber erste Schritte in der Gastronomie: Wenn du weißt, dass du zu langsam bist, dann solltest du schneller greifen.
    Hat sich eingeprägt.

  4. Jutta
    Juli 13th, 2010 @ 13:49

    Altenpflege: “Keinen Weg vergebens machen.” // “Kann ich nicht, heißt will ich nicht.” //

  5. hotzenplotz
    Juli 13th, 2010 @ 13:59

    “Nie leer gehen!”

  6. Michael
    Juli 13th, 2010 @ 14:00

    Zum Ablauf der Ausbildung: Acht Stunden Arbeiten, acht Stunden lernen, acht Stunden schlafen.

    Und zur Zeiteinteilung: Der Tag hat 24 Stunden, und wem es nicht reicht, nimmt einfach noch die Nacht dazu.

  7. Claus Thaler
    Juli 13th, 2010 @ 15:04

    In meiner Branche gibt es naturgemäß so einige Sprüche, spontan kommen mir diese beiden Klassiker in den Sinn:

    “Ich setz das Komma, wie es mir gefällt, denn, ich bin Texter und bekomme dafür Geld.”

    und

    “Fällt dem Texter nix mehr ein, schreibt er was auf Englisch rein.”

    (Letzteres erklärt übrigens auch Zeilen wie “The future. Together.Now” und ähnliches sprachliches Gelumpe.)

  8. Oliver Trific
    Juli 13th, 2010 @ 15:18

    „Ein kluger Fuchs jagt nicht im eigenen Bau!“ Auf englisch noch viel einprägsamer:

    “Don’t shit where you eat.”

    Immer gern den verkaterten Lehrling triezen mit: “Wer Saufen kann, kann auch arbeiten.”

    Und mein persönlicher Favorit für den etwas schwachen Azubi: “Zentnerschwere Weiber stemmen aber kein Schmand auf der Pfeife, was?”

    Und noch ein guter aus USA: “Time to lean, time to clean!”

    Ach schön war die Zeit.

  9. Paul Fritze
    Juli 13th, 2010 @ 16:51

    Ich hab es damals wirklich probiert: “Die Buchstaben haben mir zu viel Kontrast, der weiße Toner gehört getauscht.”

  10. Herr Paulsen
    Juli 14th, 2010 @ 05:45

    Danke für die Fortbildung, Ich bin fassungslos! :-)

  11. Malte Diedrich
    Juli 14th, 2010 @ 06:40

    Ich hörte häufiger: „Nur action bringt satisfaction“ und von
    „Ein kluger Fuchs jagt nicht im eigenen Bau!“ kenn ich noch die derbere Variante: „Don’t fuck (in) the company.“

  12. Wolfgang
    Juli 14th, 2010 @ 13:05

    „Wer Saufen kann, kann auch arbeiten.“

    Das ist überhaupt ein sehr universeller Spruch, der vom Schüler über den Lehrling, vom Sohn bis zum Ehemann zeitlose Gültigkeit hat :-).

  13. Kilo
    Juli 14th, 2010 @ 15:46

    Zu ‘Ein kluger Fuchs…’ kenne ich: ”Never have you honey where you earn your money”.
    Und quasi zur handwerklichen Ausbildung:
    - Du kannst den Hammer ganz hinten anfassen, der ist ganz bezahlt.
    - Gewaltig ist des Meisters Kraft, wenn er mit Verläng’rung schafft

  14. Robert
    Juli 14th, 2010 @ 22:26

    zum thema fuchs: “ist dir deine ruhe lieb f**** niemals im betrieb!”
    aber am einprägsamsten in meiner lehre war, als ich die heissen teller aus dem tellerrechou holen sollte sagte mein sous chef zu mir: “wer nicht heis anfassen kann, kann nicht heiß lieben!” darauf zog ich den touchon herfor und antwortete ihm: “die richtige wahl der waffen entscheidet über sieg oder niederlage!” seitdem musste ich mir keine dummen sprüche mehr anhören.
    aber auch gut ist “dort wo es nicht nass ist, kannst du auch rennen!”

  15. fressack
    Juli 16th, 2010 @ 08:42

    Handbuch für Küchenchefs, Seite 1:

    Angasen!
    Gas geben! und – der Klassiker:
    Geht das auch in schön?

  16. Ursula Currywurst
    Juli 17th, 2010 @ 15:55

    “Unser” Sous-Chef hat immer gemeint, wir sollen das Kühlhaus kontinuierlich aufräumen :)

  17. Herr Paulsen
    Juli 18th, 2010 @ 12:07

    Sehr schön! Das Mitarbeitertechtelmechtel scheint ja übergreifend die Hauptsorge von Lehrbetrieben zu sein.

  18. herdblog
    Juli 21st, 2010 @ 13:19

    Auch oft gehört:
    Wenn Dir schwarz vor Augen wird, bist Du eingeschlafen. Wenn es dann wieder bunt wird träumst Du!

  19. Herr Paulsen
    Juli 22nd, 2010 @ 07:36

    Einen ganz doofen hab ich auch noch: Wer nicht heiß anfassen kann, kann auch nicht heiß lieben.

  20. nina
    Juli 28th, 2010 @ 10:22

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,708245,00.html

    schlimm, so hat nicht mal unser bundeswehr-kuechenbulle mit seinen leuten gerdet!

  21. Herr Paulsen
    August 5th, 2010 @ 15:36

    Ich dachte wirklich sowas gibts nicht mehr. Danke für den Link, Nina.

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