The Return of Nudelsalat "alte Schule"

Posted on | Juli 18, 2010 | 24 Comments

Werde ich auf eine Grillparty eingeladen, antworten die Gastgeber auf meine Fragen, ob denn etwas mitzubringen sei, stets mit: „Ochjo, so´n Salat von Dir wäre schön!“ Ich gerate daraufhin immer in einen selbstauferlegten Originalitätszwang. Jahrelang experimentierte ich in den Sommermonaten mit Couscous, Bulgur & Co, ausgefeilten Würzungen und exotischen Zutaten unter besonderer Berücksichtigung der Ausgewogenheit des Zusammenspiels zwischen gekochten und rohen Zutaten, zwischen süß und sauer, salzig, bitter und umami. Schön blöd.

Als mich in diesem Jahr der erste Grilleinladungsanruf ereilte, sprach plötzlich eine Stimme zu mir. Ich schwöre ich hatte den Telefonhörer schon wieder aufgelegt. Die Stimme sprach: „Nudelsalat.“
„Wer spricht bitte?“ rief ich den leeren Flur.
„Das tut nichts zur Sache. Gehe hin und mache Nudelsalat – und der Nudelsalat schmecke wie 1980.“ Derartig instruiert machte ich mich ans Werk, ich war Teil einer größeren Bestimmung, soviel war mal sicher.

Jetzt, ein paar Grillpartys später und in der Mitte dieses schönen Sommers, kann ich sagen: der Nudelsalat “alte Schule” ist der absolute Knaller. Das erste Mal hab ich ihn noch heimlich verschämt aufs Grillbüffet geschoben, bald aber merkte ich: exotischer geht’s scheinbar gar nicht („ist das geil, kuckt mal, er hat tatsächlich echten Nudelsalat mitgebracht, ja Wahnsinn, cool Alter!“) und die Leute sind alle sehr schnell süchtig nach dem Nudelsalat „alte Schule“. So ein Rezept darf man nicht für sich behalten.

Nudelsalat „alte Schule“

Für 6-8 Personen

2 frische rote Paprika
100 g eingelegte rote Paprika
80 g Gewürzgürkchen aus dem Glas
1 Dose Mais (425 g EW)
2 Eigelb (Größe M, absolut frisch)
1 El scharfer Senf
1 Tl Meerrettich
1 Tl Weißweinessig
Salz
250 ml Pflanzenöl
100 g Sahnejoghurt
300 g Spiralnudeln
300 g Erbsen (TK)
4 Frühlingszwiebeln
Pfeffer
Paprikapulver, edelsüß
Worchester Sauce

1. Paprika mit einem Sparschäler schälen, entkernen, grob würfeln, eingelegte Paprika ebenfalls grob würfeln, Gewürzgürkchen in Rädchen schneiden, Mais abgießen. Alles vermengen und kalt stellen.

2. Für die Mayonnaise müssen alle Zutaten Zimmertemperatur haben: Eigelb mit Senf, Meerrettich und Essig verrühren, kräftig salzen. Das Öl erst Tröpfchenweise dann in dünnem Strahl unterrühren, bis eine dickliche Mayonnaise entstanden ist. Mayonnaise mit Joghurt glatt rühren und mit den Gemüsen vermengen. Zugedeckt kalt stellen.

3. Nudeln nach Packungsanweisung garen (Achtung: Nudeln für Nudelsalat „alte Schule“ dürfen niemals Biss haben, sondern müssen sehr weich gekocht sein). Erbsen die letzten drei Minuten mitkochen. Abgießen und kalt abschrecken.

4. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und mit den abgetropften kalten Nudeln und Erbsen unter den Salat mischen. Den Salat jetzt nach Geschmack kräftig mit Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Essig, Worchester Sauce, Senf, Meerrettich und etwas Gewürzgurkenwasser abschmecken.

5. Den Salat gut durchgekühlt servieren und nicht allzu lange in der Wärme stehen lassen. Letzteres erledigt sich aber gewöhnlich durch die Gäste.

Comments

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24 Responses to “The Return of Nudelsalat "alte Schule"”

  1. nina
    Juli 18th, 2010 @ 12:12

    (frische) paprika und joghurt sind glaube ich nicht 100% 1980.
    auch fruehlingszwiebeln vielleicht nicht so ganz. egal, ich nehm trotzdem ne portion, dazu ne gute bratwurst, danke!!

  2. Herr Paulsen
    Juli 18th, 2010 @ 12:17

    Ok. Nennen wir es “alte Schule, mein Weg”;-)

  3. katha
    Juli 18th, 2010 @ 12:25

    sehr nette geschichte – aber ich war immer schon, bin und bleibe nudelsalatresistent, egal ob “old school”, “my way” oder ganz modern. kalte nudeln mag ich nur in asiatischem zusammenhang (z. b. vietnamesische reisnudeln, japanische buchweizennudeln).
    habt ihr das früher zuhause bekommen?

  4. Uschi
    Juli 18th, 2010 @ 12:35

    Pah! Oldschoo. Wenn ich schon Worchester Sauce lese…

  5. OrderByRand
    Juli 18th, 2010 @ 12:36

    Im ersten Moment kam mir ja die wenig angenehme Erinnerung an matschige Nudel-Mayonaise-Pampe mit ein paar verlorenen Erbsen. Das Rezept zeigt aber, dass es auch ganz anders geht. Klassisch, schön anzusehen und lecker. Und genau richtig für das aktuelle Wetter.
    Dankeschön!
    /me Küche

  6. Chris Kurbjuhn
    Juli 18th, 2010 @ 12:47

    Ich find ja selbst “Ich kenne dieses Rezept aber anders”-Kommentare etwas seltsam, aber… den 80er Nudelsalat wirklich ganz ohne gewürfelte Rheinische Fleischwurst? Wirklich? Sonst stimmt ja wirklich alles bis zum Paprikapulver und der Wortschästersause, aber… wie gesagt, die Rheinische Fleischwurst… nicht zu klein gewürfelt…

  7. Arthurs Tochter
    Juli 18th, 2010 @ 14:25

    ja, genaus so! old school!
    Besonders beliebt auch bei Flohmarkttreffen mit Freunden morgens um 6.00 h. Dazu natürlich noch Buletten! Aber das ist dann schon die “Hohe Schule” :))

    Einzig und allein die eingelegten Paprika schenke ich mir, die gab es auch früher bei uns nicht und ich bin absolut Gewürzgurkenresistent, da verwende ich mittlerweile entkernte und in Würfel geschittene “Schlangengurke” (so heißen die bei uns!)
    Aber ich vermisse die Fleischwurst! Sag bloß, Du hast die Fleischwurst vergessen???

  8. Barbara
    Juli 18th, 2010 @ 14:26

    Wie von Dir nicht anders zu erwarten, ist er dann doch besser als das was ich in Erinnerung habe. :-)

  9. provenremedy
    Juli 18th, 2010 @ 16:12

    Das und ein schönes Steak, und ich bin zufrieden und die Grillpartys können kommen :D

    http://provenremedy.wordpress.com/

  10. bangen
    Juli 19th, 2010 @ 01:18

    Ich würde Kartoffelsalat machen.
    Mit vielen Äpfeln und Zitronensaft, nie Essig.

  11. Suse
    Juli 19th, 2010 @ 08:15

    Ob nun genau so oder doch ein wenig anders, ich hab da ganz ähnliche Erfahrungen in Sachen Grillbeilagen gemacht. Auch wenn Couscous, Kichererbsen und Co. seine speziellen Anhänger hat, der klassische Nudel-, aber acuh Kartoffelsalat ist oft der ertse, der komplett weg ist.
    Analog dazu verhält es sich übrigens mit der Schwarzwälder Kirschtorte auf dem Kuchenbufett…

  12. Christina
    Juli 19th, 2010 @ 08:16

    Rezept mit Nudeln und ohne al dente – das ist wahrhaft old school! :-)

  13. Claus
    Juli 19th, 2010 @ 11:15

    AT hat Recht! Ohne Fleischwurst wird dat nix…

  14. Herr Paulsen
    Juli 19th, 2010 @ 11:23

    Ja, es mehren sich die Anzeichen dafür, dass hier fahrlässigst die Wurst unterschlagen wurde. Eine spontane Umfrage unter älteren Mitmenschen und noch lebenden Zeitzeugen ergab zudem, dass tiefgekühlte Erbsen zu frisch sind – es müssen dann wohl doch die Grau-grünen aus der Dose sein. Außerdem murmelte noch irgendwer was von Kapern und sogar Ananas wurde als übliche Originalzutat angedroht, äh, ausgelobt. Es scheint der Nudelsalat “alte Schule” doch viele Leben zu leben.

  15. Ursula Currywurst
    Juli 19th, 2010 @ 11:27

    “Wir” hatten den mit mit Mayo, Erbsen und gekochtem Schinken. War dann aber vermutlich gehobene Küche im immerhin 1. Haus am Platze :)

  16. gesche
    Juli 19th, 2010 @ 19:05

    stimmt. fleischwurst war essentiell. dosenerbsen auch. klar. und ich höre noch die ansage einer avantgardistin, die wie eine enstchuldigung klang: “der ist ohne mayonnaise!” er war nämlich mit miracel whip!

  17. Oliver Trific
    Juli 19th, 2010 @ 21:31

    Worcestershire. Nach der Grafschaft in England, rund um die Stadt Worcester. Wenn schon im Nudelsalat, dann richtig. Danke.

  18. Oliver Trific
    Juli 19th, 2010 @ 21:41

    Hihi.

  19. Herr Paulsen
    Juli 20th, 2010 @ 05:38

    Leider habe ich nur ein “Nachahmerprodukt” mit dem Namen “Worcester Sauce” in den Tiefen meines Küchenschrankes gefunden, bezweifle aber ob es die Verwendung der einzigen und wahren Worchestershire Sauce besser gemacht hätte. Insgesamt ist die Sauce meines Erachtens sowieso nur in homöopatischen Dosen verwendbar, meine erinnert jedenfalls in Farbe und Geruch eher an Holzbeize aus dem Bastelbedarf-Hobbyladen.

  20. Morayma
    Juli 20th, 2010 @ 16:26

    Also in den Nudelsalat der 1980er Jahre gehört nach meiner Erinnerung unbedingt noch Streifchen von ” hessischer Floischworscht anai”.

    Als Exotengewürz taten wir auch schon mal Paprikapulver dazu. Rote Paprika und Erbsen waren immer drin und Essiggürkchen auch. Allerdings nahmen wir keine Majonnaise, sondern Essig und Öl.

    Und guuut war der ;-)

  21. Oliver Trific
    Juli 21st, 2010 @ 09:53

    Immer und ausschließlich Lea&Perrins Worcestershire Sauce verwenden. Alles andere verdient den Namen nicht.

  22. Herr Paulsen
    Juli 21st, 2010 @ 10:09

    Wohlauf, zweite Chance!

  23. berlin catering fingerfood
    Juli 23rd, 2010 @ 13:59

    Ich habe erst vor kurzem den Nudelsalat für mich entdeckt. Die Mayonaisenvariante hat mich in meiner Kindheit etwas verdorben. Aber wie gesagt…Das ist nun vorbei und ich finde das Euer Salat sehr verlockend klingt. Wird nachgekocht…

  24. Anna
    Juli 18th, 2012 @ 10:07

    Hey, mein Nudelsalat hat im Prinzip ein ähnliches REzept.. ist ja lustig.. nur dass ich es mir einfacher mache und schon fertige salatmayo aus dem Supermarkt nehme.. bzw. hin und wieder mach ich statt nur reine erbsendose eine erbsendose mit karottenstückchen.. bzw. hab ich mal probiert mit rote beete salat.. da wurde der salat richtig schön rosa :) und hat auch noch lecker geschmeckt :)
    liebe Grüße
    Anna

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