bloomsburys-Hamburgs neuer Restaurant-Lieferservice im Test
Posted on | August 20, 2010 | 11 Comments
Foto: bloomsburys
In Berlin gibt es bloomsburys schon seit einigen Jahren, seit dem 15. August ist der Premium-Restaurantlieferservice auch in Hamburg unterwegs, liefert auf Bestellung Speisen und Getränke, Weine und ganze Menüs aus ausgewählten Restaurants der Stadt. Die Liste der der derzeit 24 Hamburger Restaurants die sich für diese neue Idee begeistert haben und bloomsburys-Partner wurden liest sich mundwässernd (für Hamburger: u.a. Jus, East, Amadée, Fillet of Soul und Trific…), es bieten sich vom gehobenen Restaurant bis zur guten Pizzeria viele kulinarischen Möglichkeiten. Der Einladung von bloomsburys, zum Hamburg-Start den Sevice zu testen, bin ich dementsprechend gerne gefolgt. An insgesamt drei Abenden haben die Liebste und ich uns vergangene Woche vom eleganten Bestellmagazin inspirieren lassen. Das Heft kann online bestellt oder direkt eingesehen werden, neben einer Kurzvorstellung aller Restaurants finden sich Speisekarten der Restaurants, tagesfrische Menüs empfehlen derzeit noch die freundlichen Damen am bloomsburys-Telefon, später sollen die Menükarten tagesfrisch online gehen.
Für unsere erste Bestellung haben wir das Restaurant Das Weisse Haus gewählt. Die ehemalige Wirkungsstätte Tim Mälzers, hat sich mittlerweile vom berühmten Namen und dem damit einhergegangenen Gastro-Tourismus erholt, hier wird souverän, kerativ und auf hohem Niveau gekocht, davon konnte ich mich vor ein paar Wochen überzeugen. Das Weisse Haus wählten wir natürlich auch, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Bis zu uns ist es von dort ein weiter Weg für warmes Essen.
Der Telefonservice, hier Customer Care Agent, genannt ist herzlich, in Ruhe erklärt man uns alles und klärt gemeinsam die Bestellung. Für die Rückfrage bezüglich der aktuellen Speisekarte werden wir schon nach wenigen Minuten zurückgerufen. Wir wählen Kalbskotelett gegrillt mit dicken Kartoffelbalken und Sc. Bérnaise (25 Euro) und ein Zweigang-Menü (28 Euro): Geräucherte Kalbsbäckchen mit Auberginenkaviar, Wildkräutersalat und Kerbel-Créme fraîche, als Hauptgang „Surf & Turf“ Schwarzfederhuhnsupréme mit Garnelen, grünem Spargel und Chorizo-Graupenrisotto. In 45-60 Minuten will man uns das liefern und zwar heiß. Im Grunde unmöglich.
Nach genau einer Stunde hält ein Bloomsbury-Minicooper vor unserem Haus, drei Minuten später steht unser Driving Butler auf der Fußmatte und fragt ob er uns das Essen Servieren könne. Der junge Mann ist sportlich elegant gekleidet, zum weißen Hemd eine schmale, schwarze Kravatte, schwarze Hose, sporliche schwarze Schuhe. Kurzhaarschnitt. Und perfekte Manieren. Er grüßt herzlich, stellt sich namentlich vor, entnimmt unsere Bestellung den schwarzen Wärmeboxen und fragt tatsächlich ob und wo er Servieren dürfe. Machen die. Wir verneinen heftig, schließlich testen wir hier unter realen Bedingungen, wir tragen Schlabberklamotten und die Wohnung ist ein Schlachtfeld. Zum Schluss überreicht der Driving Butler eine Visitenkarte mit seinem Namen und dem Hinweis, man dürfe künftig gerne nach ihm Fragen, und natürlich gegebenenfalls auch reklamieren. Ich bin begeistert.
Mein Menü ist geschmacklich eine Offenbarung, alles ist perfekt auf den Punkt, die Speisen sind heiß. Die Liebste hat Pech. Auch ihr Kotelett ist ohne Tadel, hat aber, ebenso wie die drei Kartoffelbalken, die Fahrt nicht gut überstanden, die Speisen sind lauwarm. Da hatten es mein Huhn am Knochen und das kompakte Graupenrisotto leichter, die Hitze zu halten. Eventuell eignen sich nicht alle Speisen gleich gut für dieses System. Rausfinden wollen wir das bei weiteren Tests.
Das Bestellmagazin läd auch dazu ein, neue Restaurants zu entdecken, ins Amadée wollten wir schon lange mal. Einst war hier das Restaurant Stocker zu finden, hier kochte der viel zu früh verstorbene Niederösterreicher Manfred Stocker eine genial weiterentwickelte Heimatküche. Heute stehen hier der junge Küchenchef Peter Zühlke (24) und sein Team am Herd und für eine Neue Wiener Küche. Küchen die sich auf Ihre geographischen Wurzeln berufen, teste ich gerne mit den heimischen Klassikern. Unser Customer Care Agent ist auch heute wieder eine charmante und herzliche Frau, wir bestellen Tafelspitz, Kaiserschmarrn und Wiener Schnitzel. Letztere sind mit Bestellnummer als Standart für dieses Restaurant angegeben, den Tafelspitz entnahm ich der Beispielkarte, die das Angebot eines Restaurants stellvertretend darstellt, Abweichungen sind möglich.
Diese Abweichungen werden mir jetzt vorgelesen. Die aktuelle Karte liegt in der Telefonzentrale vor, ich könnte stundenlang zuhören, mundwässernde Kreationen, ich beschließe in allernächster Zeit einen Tisch im Amadée zu bestellen, wir beharren aber auf den Klassikern. Statt des Tafelspitzs wähle ich ein Kalbsragout mit Knöpfle, einer Art zu kurz geratener Spätzle. Auch heute sind 45-60 Minuten versprochen, mit akademischen zehn Minuten wird das Ziel knapp verfehlt. Der Driving Butler lässt heute seine Visitenkarte gar nicht da, schade, das persönliche dieser Geste hatte mich beim ersten Mal mächtig beeindruckt.
Alle Gerichte sind heiß. Mein Kalbsragout dampft sogar noch, butterzarte Kalbfleischwürfel, in rahmiger Sauce mit vielen frischen Steinpilzen und in Petersilienbutter gebratenen Knöpfle. Eine riesen Portion für 16,70 Euro. Chapeau, Hammer! Das Wiener Schnitzel (16,50 Euro) ist gewaltig groß, passt gerade so in die Box und ist trotz Fahrt und Hauben-Abdeckung knusprig, hauchdünn und zart, die Panierung fein gewellt, der Kartoffelsalat dazu tadellos. Der Kaiserschmarrn in stattlicher Hauptgangportion (8 Euro) ist ungewöhnlich großteilig zerrupft und wurde nicht mehr in Butter geschwenkt und mit zusätzlichem Zucker karamellisiert. Dafür ist diese Variante dennoch perfekt fluffig, nicht zu süß und mächtig, der Zwetschgenröster dazu deutlich gewürzt und schön würzig mit Wein, Nelke, Zimt und Lorbeer(!). Genial!
Beim letzten Testabend wollen wir es wissen: ist bloomsburys auch der bessere Pizzaservice? Die Pizzeria klingt als sei der Name genau das Programm, das wir uns heute Abend vorstellen. Unter dem Einfluss der Lektüre von Jonathan Safran Foers Buch Tiere essenbestellen wir artig vegetarisch und halten uns an die Klassiker: vorweg eine Caprese (7,50 Euro), danach eine Margherita (7,50 Euro) und eine Pizza Spinaci. Die Schwiegermutter ist zu Gast, hat Foers Buch noch nicht gelesen und nimmt kopfschüttelnd Caesar´s Salad mit Römersalat, Sardelle, Parmesan, Ei, Röstbrot und gebratenem Sesamhühnchen (12,50 Euro). Am Telefon läuft alles gewohnt herzlich am Schnürchen, die Zeit wird heute lässig um zehn Minuten unterboten, der Driving Butler ist der von gestern Abend und hat heute auch seine Visitenkarte dabei.
Unsere Sorge gilt den Pizzen. Die sind handwarm. Das sind sie beim Pizzalieferservice auch. Immer. Und wie immer tut man gut daran, den Ofen auf volle Pulle zu schalten und die Dinger einfach noch mal kurz hochgrillen zu lassen, dann ist das kein Ding. Pizza ist so. Die Salat sind prima, der Caesars sogar richtig gut und die Caprese überzeugt mit sehr gutem Mozzarella und frischer Pesto an Rauke-Urwald. Leider sind überall Sprossen drauf. Im nächsten Leben werde ich Sprossenzüchter. Sprossen machen alle, Sprossen passen selten zu irgendwas und zeugen meist von mangelndem Selbstvertrauen zum Gericht. Muss hier gar nicht sein, Caesar und Caprese hatten den Tand nicht nötig. Jetzt die Pizzen im Ofen noch mal hochgegrillt, Riesenräder, dünner, knuspriger Boden, ordentlich Käse, geschmacksneutrale Trockengewürzbestreuung, insgesamt für den Preis prima.
So jetzt hab ich mich mal wieder ordentlich verquatscht.
Für eilige LeserInnen, hier den neue Fazit-Service:
FAZIT:
bloomsburys überzeugt vom ersten Tag an mit einem herzlichen, gastfreundlichen Telefonservice der Seinesgleichen sucht. Die Driving Butler sind wie aus dem Ei gepellt, haben Benimm und Stil, die Jungs lässt man gerne in sein Heim. Hier wurde merklich geschult und ausgesucht, das merkt man, das ist klasse. Die Lieferzeit von 45-60 Minuten wurde einmal eingehalten, einmal um zehn Minuten verfehlt und einmal um zehn Minuten unterboten. Im Schnitt stimmt die Lieferzeit also. Für die Speisen die angeboten werden, ist die Lieferzeit sowieso ein Wunder, wer den Ablauf in einer gehobenen Restaurantküche zur besten Abendzeit kennt, wird die Zeitlogistik der Restaurants in Zusammenarbeit mit bloomsburys zu schätzen wissen. Wer bei blooomsburys bestellt, wählt das Besondere, Speisen aus sehr guten Restaurants der Stadt und wer um die Stunde Lieferzeit weiß, kann dementsprechend planen. Die Temperatur gilt es sicher hier und da noch zu regeln, die einzige Startschwierigkeit in der ersten Woche.
bloomsburys liefert noch nicht in ganz Hamburg und nicht überall in Hamburg in alle Restaurants. Das ist der Logistik geschuldet, basierend auf der Strecke zwischen Bestelladresse und Restaurant. Das Netz kann wachsen. Nicht ausprobiert haben wir die ansprechend bloomsburys Wein- und Champagnerkarte, es werden außerdem Cocktail und Longdrink Boxen für 10-15 Cocktails zum selber mixen angeboten (Mojito, Daiquiri, Cuba Libre, Martini Royale…), inklusive Eiswürfeln/crushed Ice, Barbesteck und Cocktailservietten, diverse Kaffeesorten, eine Teeauswahl und Zigaretten. Ein Gewinn für Hamburg. Für die Abende an denen man in keinem Restaurant gesehen werden möchte, oder für Abende an denen das beste Restaurant der Stadt einfach mal zuhause sein soll.

www.bloomsburys.de
Tel: 040 / 248 278 0
MO-FR 12.00 – 22.30
SA & SO 17.00 – 22.30
Tags: bloomburys Hamburg > bloomsburys > Restaurant Lieferservice Hamburg
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11 Responses to “bloomsburys-Hamburgs neuer Restaurant-Lieferservice im Test”
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August 20th, 2010 @ 08:03
Was für ein Spass, das hätt ich auch gerne getestet. Danke für das amüsante Résumé, Stevan. Und vergiss die Sprossenzucht, dir ist eine viel schönere Stilblüte gelungen: “geschmacksneutrale Trockengewürzbestreuung”.
August 20th, 2010 @ 09:27
Schöner Bericht, die “Trockengewürzbestreuung” find´ich klasse.
Zum Thema: Bei uns Landeiern wird´s so was wohl nie geben. Und eigentlich ist das auch gut so…
August 20th, 2010 @ 12:44
Interessante Idee, aber noch lebe ich fernab in der Provinz … – “Sprossen passen selten zu irgendwas”: endlich mal jemand, der meine Meinung dazu teilt
August 20th, 2010 @ 14:41
Vielen Dank für den Beitrag!! Ich bin zufällig darauf gestossen und habe neulich verzweifelt einen Frühstücksbestellservice in Berlin gesucht. Jetzt weiß ich, wo ich einen finde
August 20th, 2010 @ 19:00
Also ich _mag_ Sprossen.
Allerdings eher pur auf nem guten Schwarzbrot mit passender Butter- /Frischkäseunterlage oder im asiatischen Bereich.
Das Geschäftskonzept von bloomsburys klingt erstmal genial. Die Ausführung scheint ja auch in Ordnung. Hier also erstmal Neid aus der Provinzhauptstadt mit Weltniveau.
August 21st, 2010 @ 16:14
Mh. Ist ja alles schön und gut. Und ich weiß auch, muß ja nicht jeder mitmachen.
Aber wer bezahlts? Der Koch. Kriegt deutlich weniger als in seinem Restaurant – und Hand aufs Herz: Bei diesen Menüs ißt das Auge und das Gefühl, sprich die Athmosphäre doch mit.
Oder nicht?
August 21st, 2010 @ 17:10
Der Gewinnschlüssel ist mir natürlich nicht bekannt, ich nehme aber Zugunsten der teilnehmenden Restaurants an, dass diese die wirtschaftliche Seite vorab für sich geprüft haben, da dürften auch erhöhte Aufmerksamkeit und der werbliche Effekt eine Rolle spielen. Das Amadée beispielsweise, hat durch die bloomsburys-Lieferung an uns neue Restaurantgäste gewonnen – aus denen in einem zweiten Schritt Stammgäste werden können. Das Erlebnis eines Restaurantbesuches ersetzt bloomsburys natürlich nicht, dafür ist der Service ja auch nicht gedacht.
August 29th, 2010 @ 12:30
Die Idee finde ich super! Aber man sollte solche Bewertungs- und Restauranttests am Besten gleich mit den etablierten Übersichtungsportalen verschmelzen. So haben die Nutzer den Vorteil, dass sie sicherer auch bei unbekannten Lieferserivice bestellen können! Gruß Christian
September 15th, 2010 @ 13:32
Absolut lustig werde ab sofort nur noch den Anteil der Sprossen berücksichtigen, wenn es um das Essen bestellen geht. Köstlich so was.
September 25th, 2010 @ 15:13
Wirklich schöner Beitrag, vielen Dank. Dann werde ich wohl auch mal bei Bloomsburys bestellen müssen. Ich wohne in Winterhude und schwöre ja auf einen kleinen asiatischen Imbiss namens Kirat, der ist wirklich einsame Spitze. Die haben selbst gar keinen so richtigen Webauftritt und ich bin über einen Lieferdienst-Tester auf den Laden aufmerksam geworden. Ziemlich günstig, superfreundlich und wirklich richtig lecker.
Oktober 16th, 2010 @ 22:27
Wieso denn Sprossen und Essen bestellen, hab ich jetzt nicht ganz geschnallt..? Was meinst du denn damit Anne?