London (2): A big night out. The Waldorf, Bohemian Lounge Bar & Tây Đô

Posted on | Oktober 16, 2010 | 7 Comments

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Unsere Gastgeber von Visit London haben uns für eine Nacht im The Waldorf Hilton Hotel im West End untergebracht, das prächtige Grand Hotel atmet charmant pompöse Historie, die Zimmer sind modern und der Süßwein drängt zu einem verspäteten Mittagsschlaf im komfortablen King Size Bett.

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Es gibt einen imposanten Flat Screen Fernseher, die moderne Mini-Bar funkt jede Entnahme sofort an die Rezeption, nur beim Internet gibt man sich gestrig: kein WLAN, es wird eine Ethernet Kabel benötigt und 24 Stunden kosten 15 £. Wenn ich privat reise ist Onlinezeit-Wegelagerei für mich mittlerweile ein Ausschlusskriterium bei der Wahl meines Hotels. Aber diese Matratze!

Lounge Bohemia Bar

Abends machen wir uns auf den Weg zur Lounge Bohemia Bar im Stadtteil Shoreditch im East Ende, ein Tipp von Florian, der dort auch für uns reserviert hat. Ohne Reservierung geht nichts in der Lounge Bohemia und Herren sollten dort keine Anzüge tragen, die sind verpöhnt: „no suits, no standing policy”.

Die Bar will gefunden werden, sie versteckt sich sehr diskret sich hinter einer schmalen, rot gestrichenen Holztür neben einem Kebab Shop. Über steile Treppen erreicht man die zurückhaltend illuminierte Katakombe der Bar.

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Der Name der Lounge Bohemia ist sowohl Referenz an Lebensstil und Geisteshaltung der Bohéme, wie auch ganz sachlich Hinweis auf die Tschechisch-Böhmischen Herkunft von Paul Tvaroh, dem Besitzer und Bartender der Bar. Tvaroh ist sehr dünn und sehr blass, um die eingefallenen Wangen spielt ein zauseliger Bart, das schwarze Haar hängt wild ins Gesicht und man ist ein bisschen erleichtert, wenn er seine Gäste herzlich und fröhlich begrüßt.

Der gemütliche Raum ist mit Möbeln und Lampen der 50er und 60er Jahre eingerichtet, die Menükarten finden sich in alte tschechische Bücher eingenäht. Das Cocktailangebot ist einmalig, denn einen Schwerpunkt der Karte bilden Drinks mit eher seltenen, tschechischen Spirituosen wie Karlsbader Becherovka, böhmischer Vodka, Tudzemak (Tuzemsky) Rum und Absinth. Mixologen-Autodidakt Tvaroh liebt dazu das Spiel mit Infusionen, er würzt Rum mit hausgemachten Sirups, versetzt Vodka mit Steinpilzen oder Baumrinden, experimentiert zum Wohle des Gastes mit Rote Bete und Brennnesseln.

Ich trinke einen „Gin Tonic“ der aus Gin, Mohnsamen Vodka, grünem Jasmintee, Agavensirup, Eichensirup und Tonic komponiert wurde und in einem Glas auf einem Baumstumpf mit Trinkhalm in einem hohlen Eichen-Ast serviert wird, die Baumrinde riecht intensiv erdig-waldig. Ein vielschichtiges Wunderwerk!

Gleich der zweite Drink trägt uns allerdings schon beinahe komplett aus der Kurve, wir bestellen Tea for Two, der in einer altmodischen orangefarbigen Steingutkanne mit floralem Muster serviert wird, nebst korrespondierenden Tassen. Der eiskalte Tee befeuert überraschend stark, besteht aus Becherovka, Zitronen-Vodka, Pfirsichlikör und Earl Grey Tee. Köstlich, aber wir müssen jetzt doch dringend nochmal was essen.

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Florian, der einige Jahre in London gelebt hat, erinnert sich eines guten Vietnamesen in der Gegend und wir machen uns auf den Weg durch die Nacht. Im Shoreditch-Viertel wird kräftig gefeiert, in britischer Tradition fängt man hier früh an, trinkt konzentriert und mit Ansage. Es ist ein warme Herbstnacht im East End, zwanzig Grad im Oktober, die jungen Ladys sind aufwendig geschminkt, tragen wahlweise wirklich hohe High Heels oder Flip Flops und aufregende Miniröcke. Mehr ist hier offenbar mehr. Bei den Herren dominieren legere T-Shirts in Kombination mit Fußball-Fanschals und tatsächlich auch korrespondierenden Bommelmützen des Lieblingsvereins. Auffällig ist der unbedingte Wille zum Amüsement, keiner zieht hier eine Fresse, niemand gibt den Aggro-Affen, Menschen aller Hautfarben und Herkünfte feiern hier zusammen.

Und die Musik! Auch in meinem Kopfradio findet sich diese ganz spezielle „London“-Playlist meiner Generation, Songs die wir mit der Stadt verbinden, die unser London-Bild prägten. Natürlich sind The Clash dabei und die Sex Pistols sowieso, aber auch The Charlatans, The Selecter, The Specials, die Happy Mondays und natürlich auch die ganz, ganz frühen Blur:

Und dieser ganze genial Kram läuft hier gerade in jedem Club, an jeder Straßenecke! Die Achtziger und frühen Neunziger Jahre liefern den Soundtrack für unseren nächtlichen Spaziergang.

Tây Đô

Es ist kaum mehr was los im Tây Đô, das aber lautstark. Glücks- und alkoholtrunken Nachtschwärmer wärmen sich an großen, dampfenden Schalen mit heißer Beef-Nudelsuppe, die Kingsland Road wird wegen ihrer Dichte an vietnamesischen Restaurants auch “Phở Mile”, genannt, nach der Phở, der traditionellen, vietnamesischen Nudelsuppe.

Der großes Saal liegt in unbarmherzigem Neonlicht, das ist meist ein Garant für authentische Küche, wir nehmen am schlichten Holztisch platz. Unfassbar viele Köche sind durch die geöffnete Küchentür zu sehen, auch der Service ist wohlbesetzt, man ist hier durchaus auf größere Anstürme vorbereitet. In Sekundenschnelle kommt unser Essen, ich genieße gegrilltes Schweinefleisch vom Kohlegrill mit Reis und saftigen Reis-Omelette-Kuchen, der sehr würzig schmeckt, ich denke die Reis-Hackmasse enthielt auch Innereien. Schwierig sind Anfangs die in feine Streifen geschnittenen Kutteln, sie schmecken stark nach Stall und Tier. Mit etwas Chiliöl, Fischsauce und Sojasauce verfeinert werden auch sie zur Köstlichkeit.

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Florian hat dunkel geschmortes Schweinshack bestellt, mit Mais und Gemüse in glänzender Sauce, alles wird mit Minze und Möhrenstreifen in Salatblätter gerollt und genossen. Der Service ist superfreundlich und hilfsbereit, unsere Servicefachkraft zeigt Florian wie die Blätter am Besten zu rollen sind, mir reicht sie mit mütterlichem Kopfschütteln Messer und Gabel, nachdem ich das Schnitzel zunächst mit Stäbchen attackiert hatte.

Ein letzter, langer Fußmarsch führt uns zurück ins Waldorf, durchs Bankenviertel und an der St. Pauls Cathedral vorbei und durch einen unwirklichen letzten Sommerabend, den wir dankbar genießen. Im Hotel lösche ich bald das Licht und kann seltsamer Weise ganz lange nicht einsc

Links:

The Waldorf Hilton

Lounge Bohemia Bar

Tây Đô & the “Phở Mile”

Und hier findet sich:

London (1): Gourmet Odyssey, Nahm, The Squar, Wild Honey

London (3): Streetfood

London (4): Menü im Blue Print Café mit Jeremy Lee und Michael Smith

London (5): Báhn Mì & Phở im City Càphê

London (6): Ein Abend in Fergus Hendersons ST. John Bread & Wine

London (7): Dine with Dos Hermanos at Tayyabs & verliebt im Lexington

Comments

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7 Responses to “London (2): A big night out. The Waldorf, Bohemian Lounge Bar & Tây Đô”

  1. Malte Widenka
    Oktober 16th, 2010 @ 10:48

    Wow.

  2. Schnick Schnack Schnuck
    Oktober 16th, 2010 @ 14:39

    “Onlinezeit-Wegelagerei” – sehr schön und richig!

  3. Paul Fritze
    Oktober 16th, 2010 @ 18:46

    Ich zitiere Klaus aus dem Kommentar unter London (1): “ICH WILL AUCH MAL HART ARBEITEN!”

  4. Fritz
    Oktober 17th, 2010 @ 07:20

    Ha! Ich durfte mal (noch im letzten Jahrtausend) in Paris hart arbeiten und produzierte mit der modernen Minibar mehrere Seiten Hotelrechnung. Jede einzelne Flasche hatte ich mir angesehen und alle Snacks. Der Concierge war natürlich absolut souverän, ließ sich nichts anmerken und fragte nur: Madame Fritz, hatten Sie etwas aus der Minibar? Ein Wasser!

  5. Herr Paulsen
    Oktober 17th, 2010 @ 09:06

    Großartig Madame Fritz,danke, meine schlimmsten Befürchtungen sehe ich bestätigt. Was, wenn ich das Etikett der Champagnerflasche studiert hätte!

  6. Fritz
    Oktober 18th, 2010 @ 08:30

    Man sollte vielleicht mal testen was passiert, wenn man eine ins Hotel geschmuggelte Champagnerflasche in diese moderne Minibar legt. :-D

  7. Ray
    Januar 25th, 2011 @ 11:35

    Vertrauen Sie mir Fritz, müssen Sie den Champagner in Ihrem Zimmer nur trinken, im Waldorf London es gab ein Problem ahahaha aber es funktioniert manchmal.

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