Casita cooking (1): Los Carabineros

Posted on | April 11, 2011 | 21 Comments

„Alterfalter, das sind aber dicke Dinger!“, spreche ich zu mir selbst und nehme sofort Kontakt zur freundlichen Fischhändlerin auf. Mit der linken Hand deute ich auf die Prachtkerle im Eis, der Daumen der rechten Hand reibt sich an Zeige- und Mittelfinger, internationales Handelszeichen.

„Dosecentenuebeqartorzekiolmascentatrenteunodixehuitalorasbuenas!“ antwortet die Fischhändlerin. Na, dann. Da nehme ich doch mal: „due, äh, dos!“ Ich lächle fröhlich. Nur zwei? Die Fischhändlerin ist enttäuscht, mit hängender Mine und katalanischen Brummlauten untermalt Signora den Wiegevorgang, dann tauschen wir den Gesichtsausdruck, zwölf Euro zeigt die Waage.

Zwölf Euro für zwei Carabinero, das ist aber eigentlich nix, überrede ich mich, und allemal besser als Insalada Russa beim Tapas-Dealer des Dorfes. Entzückt fahre ich meine zwei Garnelen zurück in meine putzige Gastarbeiter-Casita.

In der Casitaküche zählt der Koch, nicht das Geschirr! Ich besitze eine beulige Ikea-Pfanne die aus der Ferne an einen Wok erinnert, es ist Olivenöl im Heim und eine Knoblauchzehe und Salz und schwarzer Pfeffer, draußen wächst Rosmarin im Gestein und wer damit nichts Ordentliches hinbekommt, der muss zurück zum Tapas-Laden.

Ehrfürchtig öffne ich Plastiktüte und Plastikschale, die rot glänzenden Riesen riechen wunderbar nach fernem Meer und kalter See. Ich entkorke den Wein, ein Albaríno von Martin Códax, eiskalt, wahrscheinlich viel zu kalt, genial, ich mag das so. Und ich schätze den Wein, er gibt der Worthülse “schlicht und ergreifend”, ihren ehrenhaften Wortsinn zurück.

Tisch gedeckt und Pfanne auf, die Jungs ins heiße Olivenöl und das ist nicht zu fassen: die ganze Butze duftet in Sekunden nach gerösteten Hummerschalen, nach buttriger Bisque, unglaublich intensiv und da in der Pfanne sind nur Olivenöl und zwei Carabineros, die Könige, ach was, die Kaiser der Garnelen, dem Hummer ebenbürtig, wenn nicht sogar…aber ich greife vor.

Der Knoblauchzehe nur eben auf den Kopf gehauen, zwei Zweige Rosmarin mit rein, vorher die Garnelen von jeder Seite zwei Minuten gebraten, jetzt noch mal ordentlich durchgeschwenkt, Salz, Pfeffer, fertig. Das blogg ich nachher, denke ich und setz mich in dankend-demütiger Haltung vor den Teller, befrei das Fleisch aus der Schale und…tut mir leid, das müssen Sie jetzt auch noch sehen, schnelle die Hände abgewischt und noch ein Foto für Zuhause:

Knaller, oder?
Und ein Geschmack wie unbezahlbar.

Comments

Facebook comments:

21 Responses to “Casita cooking (1): Los Carabineros”

  1. Chris Kurbjuhn
    April 11th, 2011 @ 21:06

    Ja, doch. So lässt sich’s leben.:)

  2. Claus
    April 11th, 2011 @ 21:46

    DAS ist gutes Zeug! Definitiv!!!

  3. katha
    April 11th, 2011 @ 21:56

    wie war das nochmal mit den vorteilen von blogs gegenüber print? dankeschön für den kurzurlaub.

  4. Alex [Chef Hansen]
    April 11th, 2011 @ 22:45

    Geil. Darf ich das so sagen? Mehr fällt mir grad nicht ein :)

  5. Mikeybar
    April 12th, 2011 @ 07:52

    Només es viu un cop. Però si ho fas bé, amb un cop ja n’hi ha prou. Cariño.

  6. Herr Paulsen
    April 12th, 2011 @ 10:15

    Ens veiem a la barbacoa! Cariño!

  7. Herr Paulsen
    April 12th, 2011 @ 10:16

    Unbedingt Chef Hansen, so hab ich endlich Ihr Blog entdeckt, danke!

  8. Herr Paulsen
    April 12th, 2011 @ 10:16

    Ich drücke den innerlichen Gefällt mir Button, Katha!

  9. Alex [Chef Hansen]
    April 12th, 2011 @ 10:47

    Na endlich ;)

  10. Sus
    April 12th, 2011 @ 11:49

    Hach, das ist doch mal wieder ein richtig schöner Text, wie er im Buche steht stehen könnte.

    Schön! Danke!

    Liebe Grüße, Sus
    (jetzt habe ich Hunger…)

  11. Mikeybar
    April 12th, 2011 @ 12:00

    Em fa molt il lusió, Herr Paulsen! Also: Abgemacht, Hurra – und viele liebe Grüße an die Küste!

  12. daniela
    April 12th, 2011 @ 15:15

    Für Carabineros lass ich jeden Hummer stehen. Traumhaft!

  13. Ellja
    April 12th, 2011 @ 20:15

    völlig unbezahlbar!

  14. Margit Kunzke
    April 13th, 2011 @ 00:02

    De veritat que m’agradat moltíssim…und wenn das Zubereiten der Carabineros dann auch noch so schön beschreben werden, gefallen sie mir noch besser ;-)

  15. Feuriges Tomatenrisotto mit Riesengarnelen « Chef Hansen
    April 13th, 2011 @ 06:47

    [...] Gemache. Gestern bei Nutriculinary bin ich dann über Hr. Paulsens Geschichte von den beiden Carabineros gestoßen – wer den Post noch nicht gelesen hat, sofort nachholen. Auch dort kein großes [...]

  16. zorra
    April 13th, 2011 @ 08:38

    Riecht irgendwie nach Urlaub, ich weiss du arbeitest! :-)

  17. Claus Thaler
    April 13th, 2011 @ 15:58

    Sieht lecker aus.

    Da fällt mir wieder ein, dass ich endlich mal meinen kulinarisch-literarischen Abend in Angriff nehmen muss, bei dem Hanna Krabbe (RAF), Katrin Krabbe (Sport), Julia Hummer (Film) und Paul Auster (Literatur) auf dem Podium sitzen.

  18. Herr Paulsen
    April 15th, 2011 @ 22:39

    Klingt sehr gut Claus!

  19. Herr Paulsen
    April 15th, 2011 @ 22:45

    Zorra, es riecht wirklich gut hier!

  20. Nutriculinary - Thrudheimer
    Oktober 19th, 2011 @ 11:17

    [...] http://nutriculinary.com/2011/04/11/casita-cooking-los-carabineros/ Nutriculinary Empfehlen/Bookmark Casa del Thor casa del thor, charlie and the city, charlies top apps, Essen, goodfella is gone, grillen, Kochen, kulinarisch, Männer kochen, maxxit, my-maxxit, my-maxxit.de, PowerMan, thrudheimer [...]

  21. Großreinemachen - Chef Hansen Chef Hansen
    August 18th, 2014 @ 15:28

    […] Food-Foto des Jahres: Skrei auf Ingwer-Curry-Linsen mit Vitelotten, Food-Blog Wort des Jahres: Dosecentenuebeqartorzekiolmascentatrenteunodixehuitalorasbuenas, Food-Blog-Aktion des Jahres: Schweinebauch bei Arthurs Tochter. Und überhaupt: Food-Blog des […]

Leave a Reply





  • Nutriculinary bei:

  • Kategorien

  • Sternekocher rund 150 px
    Köstlich & Konsorten