Neapel liegt jetzt an der Elbe – Pasta e Pane “Friarielli”

Posted on | Juni 24, 2011 | 5 Comments

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Jeder Mensch sollte eine Café-Bar haben, in der er nicht nur Gast ist. Bei Toni ist das so. Bei Toni sitzen nur Stammgäste. Wer kein Stammgast ist, der wird sehr schnell Stammgast. Das liegt an der Herzlichkeit mit der Toni und seine Geschwister ihre Gäste bedienen. Das liegt an den Café-Spezialitäten, der Eisauswahl, dem großen Angebot an Zeitschriften und Zeitungen, dem freundlichem Interieur und natürlich an den kleinen Speisen: knusprige Focaccia, üppig belegte Chiabatta-Brötchen mit Käse, luftgetrocknetem Schinken oder echter Mortadella, alles auf Wunsch auch heiß serviert. Man munkelt, einige Gäste wohnen da auch, in Tonis Café in Hamburg, Eimsbüttel.

Toni ist aber nicht nur ein guter Gastgeber, der gebürtige Italiener ist auch Genussmensch und Geschäftsmann – schräg gegenüber von seinem Café hat er jetzt einen italienischen Feinkostladen der Extraklasse eröffnet, im “Favorita“ gibt es nicht die übliche kulinarische Folklore. Alle Produkte werden von Toni selbst ausgesucht und eigens aus seiner neapolitanischen Heimat importiert, hier finden sich tatsächlich Produkte – die finden sich nur hier.

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Neben der eigenen Kaffee-Hausröstung und Kaffeemaschinen für alle Lebenslagen, neben ausgesuchten Olivenölen und einigen handverlesenen Weinen begeistert mich vor allem das Nudelsortiment von höchster Qualität und riesiger Auswahl aus dem Heimatort von Tonis Mama. Die vermisste in Deutschland auch schmerzlich das neapolitanische Mehl TYP 00, nur mit diesem Mehl gelingen Pizza und Pane in Perfektion. Gibt’s jetzt bei Toni.

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Der Clou aber sind die Gläser und Dosen mit neapolitanischen Saucen, Gemüsecremes und Pesto-Variationen und wer je ein Glas mit den kleinen, eingemachten pomodorini del piennolo del vesuvio öffnet, der ist für immer verloren, für die grobe Pulpe aus der herkömmlichen Tomaten-Dose.

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Diese kleinen Tomaten sind von einer hocharomatischen Zartheit, der ich bislang nur gutes Olivenöl, Pasta, einen Hauch Knoblauch und Salz hinzuzufügen wagte.

In sofortige Abhängigkeit stürzte mich aber ein anderes Produkt, der Broccoli Napoletani (Friarielli), auf den Vulkan-Böden des Vesuvio Nationalparks gewachsen, eingekocht und eingelegt mit Knoblauch, scharfen Peperoncini, mildem Essig und Sonnenblumenöl.

Friarielli, neapolitanischer Broccoli

Ein ganzes Glas voll Geschmack und das perfekte Fast-Food: sehr gute Lieblingspasta (im Bild unten: Torchietti) nach Packungsanweisung in Salzwasser bissfest garen, unterdessen eine Handvoll halbierte Kirschtomaten mit etwas gehacktem Knoblauch, Prise Zucker und etwas Salz in heißem Olivenöl in einer großen Pfanne schwenken, bis den kleinen Roten das Hemd verrutscht, dann eine gute Portion abgetropften Broccoli Napoletani zugeben und ganz kurz mitschmoren. Die gegarten Nudeln abgießen, tropfnass und heiß in die Pfanne geben, mit frisch geriebenem Parmesan durchschwenken und mit Salz und Pfeffer würzen. So einfach ist das.

Pasta mit neapolitanischem Broccoli

500 g sind in einem Glas Friarielli, am nächsten Tag war da noch was übrig und das folgende Rezept sollte eigentlich ein nicht weiter erwähnenswertes Reste-Mittagessen werden – mittlerweile habe ich alle Zutaten für die Götterstulle immer im Haus! Brotscheibe mit Lieblingsfrischkäse bestreichen, mit ein paar abgetropften Broccoliblättern belegen, mit Meersalz und grobem Pfeffer würzen, fertig.

Frischkäse-Brot mit neapolitanischem Broccoli

Das ist sehr einfach und macht sofort glücklich. Funktioniert übrigens mit fast jeder Art von Brot, vom Bauernbrot über Baguette bis hin zum Mehrkornbrot, ich hab alle ausprobiert…interessanter Weise schmeckt es, zumindest mir, am allerbesten mit wirklich schwarz-dunklem Vollkornbrot oder Pumpernickel.

Im Viertel gehen jetzt Gerüchte rum, dass sich viele von Tonis Stammgästen immer öfter von ihren Plätzen in Tonis Café erheben (einige zum ersten Mal seit vielen Jahren!) um sich Gegenüber mit Köstlichkeiten einzudecken.
Ich verstehe das sehr gut.

Favorita
Eppendorfer Weg 215
20253 Hamburg
040 – 42949 768

Toni Ardente ist noch nicht online mit seinem neuen Geschäft, versendet aber schon auf Wunsch und nach telefonischer Bestellung!

Tonis Café
Eppendorfer Weg 194
20253 Hamburg

Hinkommen:
U-Bahnhof Hoheluftchaussee
und dann (oder aber gleich direkt mit):
Metrobus 5: Eppendorfer Weg/Hoheluft Ost

Comments

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5 Responses to “Neapel liegt jetzt an der Elbe – Pasta e Pane “Friarielli””

  1. Mikeybar
    Juni 24th, 2011 @ 13:40

    Schon angerufen, warte getze auf den Rückruf von Signore Toni persönlich. Der übrigens Geburtstag hat heute, wie mir charmant zugetragen wurde. Ich gratuliere unbekannterweise und recht herzlichst aus der mittelnahen Honeytown!

  2. Sebastian
    Juni 27th, 2011 @ 12:37

    Sehr schöner Laden, auch die Decke – was war denn da vorher drin (da oben steht „Grüss Gott…”)

    Kleine Nebenerkenntnis: Wer am 24. 6. Geburtstag hat, ist genauso nah am letzen wie am kommenden Weihnachten – weit weg geht’s aber auch nicht.

  3. Herr Paulsen
    Juni 28th, 2011 @ 07:38

    Mikey, mir wärs ja lieber wir gehen da mal zusammen rein, Toni hat immer auch ein paar eisgekühlte Peroni-Biere im Kühlschrank.

    Sebastian, was es ganz früher war, weiß ich nicht, vor Toni wars ein Schuhladen und alle Leute, die früher auch in dem Schuhladen gekauft haben, entdecken die Decke gerade zum ersten Mal, der Blick war beim Schuhverkauf eher geerdet. Danke auch für den Hinweis, das Weihnachten jetzt doch ganz schön flott naht. Man ist ja dann doch immer überrascht!

  4. Broccoli Napoletani (Friarielli) | No Reservations
    Juli 10th, 2011 @ 18:48

    […] Der Toni, den ich kenne, der steht in Zaragossa an der Friteuse. Jedenfalls tat er das, als ich zum letzten Mal in seiner Bar war. Um ihn geht es aber hier nicht. Der Toni, den Stevan Paul kennt, macht den Hamburgern Geschmack auf seine Heimat Neapel. Nicht nur mit seinem Café, sondern jetzt auch mit einem wunderbaren Feinkostladen im Eppendorfer Weg. Nachzulesen hier bei NutriCulinary. […]

  5. Simone
    Juli 16th, 2011 @ 03:59

    Der Broccoli napoletani erinnert mich stark an den italienischen Stengelkohl Cime di rapa. Mein Italienisch-Lehrer hat mir schon davon vorgeschwärmt. Immer wenn er zu Hause in Apulien ist lässt er sich von seiner Mutter den Stengelkohl mit Pasta zubereiten. Bei Di Gennaro gibt es den auch in Gläsern eingemacht und ich finde er hat ein ganz tolles Aroma. Schade, dass Hamburg so weit entfernt ist! Der Laden sieht einfach nur traumhaft schön aus!

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