Küchenmusik (6): Spaghetti „Tu vuò fà l’americano“
Posted on | September 11, 2011 | 7 Comments
Im Biowein-Blog von Delinat ruft Weinblogger Matthias Metze zum Pasta mit Rotwein-Kochwettbewerb. Ich darf mal wieder nicht mitkochen, weil Matthias mich in die Versuchsküche verpflichtet hat, also verrate ich Ihnen mein Lieblingspastarezept eben einfach so:
Die Spaghetti Tu vuò fà l’americano aß ich zum ersten Mal in einem sehr einfachen italienischen Deli in New York. Der Name des Gerichts ist dem Titel eines alten Evergreens des italienischen Sängers Renato Carosone entliehen: in dem 1956 veröffentlichten Song machten sich Carosone und Liedtexter Nicola Salerno über den Lebensstil junger, italienischer Einwanderer lustig, die verzweifelt versuchten sich dem american way of live anzupassen- und doch immer Italiener blieben.
Ähnlich verhält es sich mit dieser Pasta, die mit den Beigaben “Sausage, Beans and Eggs” die Cowboy-Küche zitiert, ihre italienischen Wurzeln aber gottlob nicht verleugnen kann. Herzstück des mächtigen italo-amerikanischen Freundschaftsessens ist die schnelle Tomatensauce. Mit seinem herausforderndem Kalorienreichtum passt das Gericht sehr schön in die Herbst- und Winterküche, dementsprechend habe ich auf frische Tomaten verzichtet, neben Dosentomaten sorgen reichlich getrocknete Tomaten, Tomatensaft, Knoblauch und Kräuter für geschmackliche Tiefe.
Bei den Nudeln habe ich mich für die “Spaghettini Vesuvio” von Freund Toni entschieden, ihre rauhe Oberfläche wirkt mitreissend auf Saucen! Die Salsicce, kleine, scharfe Schweinswürste aus der Toskana, habe ich im italienischen Großmarkt gekauft. Schöne rohe Bratwürste jeder Art, gerne auch mit Fenchel oder aus Lammfleisch, passen aber ebenfalls sehr gut! Los gehts:
(für 4 Personen)
8 getrocknete Tomaten
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
8 El Olivenöl
1 Rosmarinzweig
1 El brauner Zucker
1 El Tomatenmark
100 ml Gemüsebrühe
200 ml Tomatensaft
1 Dose Tomaten (425 g EW)
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Salz
1 Dose weiße Riesenbohnen (425 g EW)
400 g Spaghetti oder Spaghettini
8 kleine, grobe Bratwürste
4 Eier (M)
einige Salbeiblätter
frischer Parmesan
1. Getrocknete Tomaten fein würfeln, Zwiebel würfeln, Knoblauch in Scheiben schneiden. Alles in einem Topf in 4 El heißen Olivenöl glasig dünsten. Rosmarinzweig und Zucker zugeben und 2 Minuten schmmoren.
2. Tomatenmark unterrühren und mit Gemüsebrühe und Tomatensaft ablöschen. Dosentomaten zugeben. Mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle und Salz würzen. Offen 6-8 Minuten dicklich einkochen.
3. Bohnen abgießen und in einem Sieb unter kaltem Wasser abspülen. Zur Sauce geben und zwei Minuten schmoren. Mit Salz, Pfeffer und Zucker final abschmecken.
4. Spaghetti nach Packunsganweisung garen. Bratwürste in einer Pfanne in 4 El Olivenöl rundum 8-10 Minuten braten, dann an den Pfannenrand schieben oder warm stellen und im Bratfett vier Spiegeleier braten. Einige Salbeiblätter ganz kurz im Bratfett mitbraten. Spiegeleier und Salbei mit Salz würzen.
5. Spaghetti abgießen und heiß mit der Tomatensauce vermengen. Mit Würsten, Spiegeleiern und Salbei auf vorgewärmten Tellern anrichten, großzügig mit frisch gehobeltem Parmesan bestreut sofort servieren.
Zum wärmenden Seelenessen habe ich den sizilianischen Biowein geöffnet, den mir Matthias geschickt hat, um mich zu bestechen für meine Jurytätigkeit zu begeistern, den 2010 Bonarossa Sicilia von Maggio Vini. Der junge Rote konnte es gut mit dem würzigen Essen aufnehmen und schmeckte auch später solo auf dem Sofa. Und dort dann, weils so schön war: Signor Carosone, nochmal auf die Bühne bitte!
Tags: Delinat > Lieblingspasta > Tu vuò fà l'americano
Comments
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7 Responses to “Küchenmusik (6): Spaghetti „Tu vuò fà l’americano“”
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September 12th, 2011 @ 09:37
you’ve just inspired my monday night!! thank you! xx
September 12th, 2011 @ 15:01
Buon appetito, Alyssa!
September 12th, 2011 @ 15:30
So muss es sein Küche und Musik! Geschmack und Leidenschaft. Die südlichen Länder haben uns da einiges an Erfahrung voraus. Dafür gestalten wir unsere Teller einfach auf italienisch. Was mich noch interessieren würde, in welcher Weinklasse spielt dieser sizilianische Biowein mit? Ich habe gerade auf Lebouquet.org gelesen, dass es verschiedene Kategorien gibt
September 12th, 2011 @ 15:47
Danke Hibi! Bei Delinat kostet der 2010er im Moment 7,50 Euro. Genußklasse ohne Reue für den Alltag würde ich sagen.
September 16th, 2011 @ 08:58
Das ist schön gesagt, Stevan. Genau das soll der Bonarossa sein, nicht mehr und nicht weniger: Ein Alltagsbegleiter, der optimal zur Pasta passt.
Und ohne bereits nachgekocht zu haben (was ich aber nachholen werde!), gehe ich davon aus, dass dieser Sizilianer auch den leichten US-Einfluss gut mitmacht
Danke für dieses interessante und originelle Rezept – mir war’s neu!
September 30th, 2011 @ 04:02
[...] Wettbewerben nehme ich nicht teil. Selbst wenn die Jury aus Food-Koryphäen wie Claudio, Astrid, Herr Paulsen und anderen besteht. Aber zu einem privaten Pastateller angeregt hat mich der event trotzdem. [...]
Oktober 6th, 2011 @ 21:12
Ich liebe so puristische Gerichte wie dieses!