Schnelle Teller auf der Frankfurter Buchmesse

Posted on | Oktober 18, 2011 | 15 Comments

Schnell schnippeln, bevor mich einer anspricht! (Foto: Katharina Höhnk)

Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon vor Menschen gesprochen hätte, vorgelesen sogar, mit dem Mundwerk läuft es ganz gut bei mir. Auch beim Kochen erziele ich passable Ergebnisse, nur beides gleichzeitig, eloquentes Gequassel zu parallel stattfindenden Koch- Schneid- und Rühr-Arbeiten, das ist schon eine Herausforderung für mich, Multitasking kann ich nicht, schon gar nicht unter Beobachtung. Hölzern werden meine Bewegungen, flatterhaft die Hände, die brüchige Stimme kommt nur langsam voran und versiegt schließlich gänzlich – die Idee, die Schnelligkeit der Rezepte aus meinem Schnelle Teller Kochbuch auf der Frankfurter Buchmesse live zu beweisen, lehnte ich selbstverständlich ab.

Ja gut, ich hab mich dann doch überreden lassen. Schon Wochen vor der Buchmesse schrieb ich Warenanforderungen und detailierte Ausrüstungs-Listen für den großen Auftritt, ich plante akribisch, kochte zur Sicherheit die sehr, sehr einfachen Rezepte alle noch mal nach und doch wuchs ein Berg vor mir, je näher der Termin rückte. Auch die Aussicht, dass Effilee Chefredakteur und Kochbuch-Mitherausgeber Vijay Sapre sowie Tre Torri Verlagschef Ralf Frenzel selbst, mich auf der Bühne der messeeigenen Gourmet Gallery begleiten würden, machte die Sache in meinem Kopf irgendwie nicht wirklich leichter.

Als ich dann vergangenen Freitag gegen Mittag die Messehalle 3 betrat und erstmals vor der sehr großen Kochbühne stand, beschloss ich, nicht kampflos aufzugeben. Rücken gerade und rein in die kleine Vorbereitungsküche hinter den Kulissen. Dort lernte ich das Team der Eintagsküche kennen, jenem Unternehmen, dass die kulinarische Bühne der Frankfurter Buchmesse betreut. Küchenchef Ronald hatte alles nach meinen überängstlichen Strategie-Mails zusammengestellt, sogar der gewünschte Büffelmozzarella war dabei und zur Gemüsekiste gab es gratis gute Worte und die spürbare Souveränität des erfahrenen Teams.

Vorne auf der Bühne tobte derweil Steffen Henssler vor einem vielköpfigen Riesenpublikum, das anschließend auch direkt gemeinsam mit Herrn Henssler verschwand. Zurück blieb eine komplett eingesaute Show-Küche und ein wackeres Häufchen von zwei bis drei Dutzend Zuschauern, die sehen wollten, was es mit den schnellen Tellern auf sich hat. Nur wenige Minuten brauchte das Team zum Säubern der Küche, der Techniker erklärte mir derweil, dass genau auf die Stelle an der Herr Henssler seine Küchenabfälle gesammelt hatte, eine Deckenkamera gerichtet sei, die ich jetzt durchaus in die Show mit einbeziehen könnte.

Vijay, Hülya, Nervenbündel beim Einrichten der Posten (Foto:Julia Goldberg, Effilee)

Während wir gemeinsam die Sets für die drei geplanten Rezepte einrichtete, entdeckte ich immer mehr bekannte Gesichter im Publikum, da ein fröhliches Winken, ein aufmunterndes Zunicken von Freunden und Foodbloggern, Sus, Astrid, Katha, Katharina, Ariane und Sebastian waren gekommen, ich entdeckte Daniel, Peter und Roberta vom mairisch Verlag, Freunde aus Hamburg und meiner Heimatstadt, ich sah Daumen hoch und Daumen gedrückt und plötzlich wars wie kochen für Freunde. Danke Euch!

Die Lichter an, die Mikros auf. Verleger Frenzel interviewte zuerst Vijay Sapre und diese Chance habe ich genützt. Unbeobachtet, schnell soviel wie möglich geschnitten und gewürfelt und als ich das erste mal Rede und Antwort stehen sollte, waren die Zutaten für die Vorspeise „Mozzarella con musica“ schon geschnitten und ich relativ entspannt.

Männer in der Küche: Sapre, Paul, Frenzel (Foto: Julia Goldberg, Effilee)

Vijay Sapre bereitete am anderen Ende des Tresens das Chili sin carne, ich verrührte eben noch die Zutaten für den schnellen Kaiserschmarrn und das war es eigentlich schon. Julia und Hülya vom Effilee Magazin trugen die angerichteten Pröbchen hinaus in die Welt und es schmeckte dem Publikum.

Kein Mikrophon konnte hören, wie der Berg, der wochenlang vor mir gestanden hatte, sich leise bröselnd verabschiedete, sich erst in Staub und dann in Luft auslöste. Wir haben mit Champagner angestoßen, auf das Buch und die letzte Dreiviertelstunde, ich durfte gleich ein paar Kochbücher signieren und von Jutta, die verhindert war, gab es eine große Box sofort süchtig machender, hausgebackener Schoko-Cookies mit einem Hauch Salz und dazu gleich noch mal Champagner und die späte Einsicht: geht doch!

Comments

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15 Responses to “Schnelle Teller auf der Frankfurter Buchmesse”

  1. Arthurs Tochter
    Oktober 18th, 2011 @ 09:09

    Und so schnell ging das alles! ;)
    Die Teller kamen mit Lichtgeschwindigkeit. Zu schnell für das kaum vorhandene Netz in den Messehallen, so dass es mir nicht gelang, 3 kleine Photos hochzuladen in der Zeit, in der Du 3 Teller gekocht hast.
    Wahnsinn! Und Du warst gar nicht nervös, das hast Du Dir nur eingebildet! :)

  2. bushcook
    Oktober 18th, 2011 @ 09:14

    Lieber Stevan,
    ich bedaure, daß ich nicht dabei sein konnte und ich kann jede Zeile so gut nachfühlen :-) .
    Aber ich bin mir ganz sicher, daß Du das perfekt gemeistert hast.

    Und wenn ich da gewesen wäre, hätte ich Deinem Vorkoch richtig doll Angst gemacht…

  3. Ariane
    Oktober 18th, 2011 @ 09:19

    Nicht nur das die Teller in Lichtgeschwindigkeit zubereitet waren. Nein – sie wurden auch in Lichtgeschwindigkeit vom Publikum veputzt und ich kann froh sein, dass Sebastian noch einen Teller Blitzkaiserschmarrn für mich ergattern konnte.
    Toll Stevan, ich fand´s sehr gelungen!

  4. Herr Paulsen
    Oktober 18th, 2011 @ 09:21

    Astrid, es war tatsächlich Euer Support der mich dann doch beflügelt hat: immer wieder mal kurzer Blick in die Gesichter, ein freundliches Lächeln zurück, ok läuft! Super!

    Ja, Dorothée superschade! Ich hätte gerne Herrn Hensslers Gesicht gesehen, bei einer kleinen Zwischenfrage Deinerseits:-)

    Danke Ariane!

  5. katha
    Oktober 18th, 2011 @ 09:24

    so ist das mit der selbst- und der fremdwahrnehmung. ich würde dich jetzt eigentlich gerne als fürchterlichen tiefstapler bezeichnen, aber das hieße, deine sorgen davor nicht ernst zu nehmen, also tue ich ich’s nicht. gemerkt habe ich nichts von etwaiger nervosität, du hast das ziemlich souverän gemacht und selbst auf die zum teil irritierend banalen fragen (war bestimmt absicht, um niemanden durch high-end-koch-gefasel abzuschrecken) von frenzel locker reagiert. mir wäre da ja zum teil eher das werkzeug aus der hand gefallen (so eine vinaigrette ist ja nicht einfach zu machen, oder?)…
    der kaiserschmarrn hat übrigens sehr gut geschmeckt, die konsistenz blieb – eierbedingt – ein wenig auf der strecke. am liebsten hätte ich mir eine schüssel geschnappt und parallel zu dir den “echten” gemacht, aber das wäre nun wirklich gemein geweisen ;-)

  6. Sus
    Oktober 18th, 2011 @ 09:44

    Ich muß mich auch noch einmal für mein extrem kurzes “Gut” auf die Frage, wie denn der Mozzarella schmecke, entschuldigen. Aber wenn man mich anspricht, wenn ich den Blick nach unten auf den Teller habe, den ersten Bissen noch nicht einmal im Mund, reagiere ich erst einmal automatisch und kurz angebunden. Das Mikro hatte ich gar nicht wahrgenommen und war dann überrascht über die Lautstärke meiner Antwort. :-)

    Also: Mehr als gut, eher so doppelplusgut!

    Liebe Grüße, Sus

    P.S.: Es war gut, daß weniger Publikum da war, dadurch hatte ich dann auch noch die Chance auf den ebenso leckeren Kaiserschmarrn. :-)

  7. Malte
    Oktober 18th, 2011 @ 10:15

    Gratulation zur gelungenen Vorstellung! Der Bericht lässt einen ja förmlich mitfiebern, danke dafür! Herzliche Grüße, Malte

  8. zorra
    Oktober 18th, 2011 @ 10:41

    Danke für diesen Einblick in deine Gemütslage! Ich glaube ich wäre gestorben! ;-)

  9. padrone
    Oktober 18th, 2011 @ 13:54

    Es menschelt – überall – Gott sei Dank!

  10. Ellja
    Oktober 18th, 2011 @ 18:07

    Ich hab große Hochachtung vor solcherlei Auftritte, egal wie eloquent jemand ist… beim Lesen alleine schon…meine Nerven…. ;-)

  11. einfach ein schönes Leben
    Oktober 18th, 2011 @ 19:30

    Lieber Stevan,

    habe mit großem Genuss deinen Zeilen gelauscht. Und mir immer wieder gedacht. Toll, es geht auch anders.

    Mit solidarischen Grüßen

    Martin

  12. Claus
    Oktober 18th, 2011 @ 21:17

    …there´s no business like show business…

  13. Barafra
    Oktober 18th, 2011 @ 21:24

    Hallo Stevan,

    ich möchte Dir auch herzlich gratulieren, unbekannterweise :-) Respekt, ich wäre vermutlich im Boden versunken vor Nervosität, schön, dass man dir deine gar nicht angemerkt zu haben scheint.
    Eine Frage: gibt’s das Rezept für den Blitzkaiserschmarren nur im Kochbuch oder auch hier im Blog?

    Liebe Grüße von Barbara

  14. Herr Paulsen
    Oktober 19th, 2011 @ 13:26

    Katha, ich bin sehr froh, bei Dir mit dem Kaiserschmarrn wenigstens watschenfrei durchgekommen zu sein!

    Sus, gut ist gut, da war kein Wort zu wenig!

    Malte, Zorra, Padrone, Ellja und Martin, danke Euch!

    Claus, ich freu mich jetzt aber trotzdem sehr über meine stille Schreibkemenate!

    Barbara, danke, den schnellen Kaiserschmarrn gibt es auch hier:

    http://www.effilee.de/rezept/schneller-teller/blitzkaiserschmarrn-mit-preiselbeeren-2578

    Und hier noch mein Kaiserschmarrn-Rezept für etwas mehr Zeit:

    http://www.effilee.de/rezept/eigener-herd-rezepte/kaiserschmarrn-mit-zwetschgenroster-2512

  15. Eline
    Oktober 19th, 2011 @ 16:04

    Mit Kaiserschmarren kannst mich jagen! Hätte dich aber trotzdem gerne beim Schnippeln und Kochen gesehen. Auf jeden Fall viel lieber als den Herrn Hensler ;-)

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    12.Juni, Hamburg, Ottensen kulinarische Lesung mit Menü
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