Das kulinarische Gedicht (1): Alex Dreppec “Schöpferkelle”

Posted on | November 25, 2011 | 5 Comments

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Beflügelt von der Begegnung mit vielen der besten deutschsprachigen Poeten unserer Zeit, entstand schon während des Literaturfests in München die Idee: immer zum Wochenende, wird es künftig auf NutriCulinary ein kulinarisches Gedicht geben, eine Lyrikerin oder ein Lyriker vorgestellt. Den Anfang macht Alex Dreppec mit der “Schöpferkelle” und zwei großartigen Salatsoßen-Rezepten!

SCHÖPFERKELLE

Wer Schnittlauchverschnitt in den Quark reinhaut,
wer mit Bohnenkraut den Bohnen Kronen baut,
macht auch Geflügel, das alle beflügeln kann.
Also nehm’ ich die Schürze und gebe Würze dran.
Sie werden sich um diese Nudeln prügeln:
ich werde den Teig mit dem Nudelholz bügeln
und schließlich die edelsten Adelsnudeln
ganz ohne zu hudeln mit Soße besudeln.
Wir planen die weltbesten Kirschtorten
da wo wir im Kochtopf den Hirsch horten.
Die Scholle wird, statt sich ins Meer noch zu retten,
sich freiwillig in feinen Meerettich betten!
Wundern wirst du dich: einst wird bis nach Flandern
die Kunde von unseren Flundern noch wandern.
Nach Schmoren, Sieden, Brodeln kommt’s Schmatzen.
Und dann lassen wir noch die Eisbombe platzen.

Alex Dreppec

Geboren 1968, promovierter Psychologe. Neben dem Gedichtband “Die Doppelmoral des devoten Despoten” (Eremiten-Presse) und dem Hörbuch “Metakekse” (Ariel-Verlag) über 150 weitere literarische Veröffentlichungen u.a. in Literaturzeitschriften und Anthologien. Darunter auch mehrere Standardwerke – u.a. fand er 2008 als einer von bisher nur zwei Poetry Slammern Aufnahme in die wohl wichtigste deutschsprachige Gedichtanthologie “Der große Conrady”. Gewinner des Wilhelm Busch – Preises (1. Platz) 2004. Auftritte u.a. in Radio und Fernsehen. Einer der Gründer und Moderatoren der Darmstädter Dichterschlacht mit ihren regelmäßig 800 Zuschauern. Rief in Darmstadt 2006 den Science Slam ins Leben, der sich seitdem über den ganzen deutschen Sprachraum ausgebreitet hat.

(Foto: Rüdiger Wenig)

Dreppec ist außerdem Erfinder einer Salatsoße (Erdnussbutter in warmem Wasser aufgelöst, Joghurt, Koriander, Limettensaft, Salz, Pfeffer) und eines Obstsalatdressings (Joghurt, Grapefruitsaft, Kardamompulver, Kokosraspeln, Zucker).

www.dreppec.de

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5 Responses to “Das kulinarische Gedicht (1): Alex Dreppec “Schöpferkelle””

  1. Joerg Utecht
    November 25th, 2011 @ 09:59

    Gefällt mir. Sehr!

  2. Herr Paulsen
    November 25th, 2011 @ 10:04

    Danke Jörg! Wenn alle mittun, die ich so peu à peu anschreibe, könnte das hier wirklich eine sehr schöne Reihe werden!

  3. Michael
    November 25th, 2011 @ 10:05

    Tut mir leid. Für mich klingt das, als hätte jemand ein Reimlexikon gefunden und nicht genügend Zeit gehabt, die schönsten auszusuchen. Gäbs da als Einsteig nichts besseres?

  4. Lothar Thiel
    November 25th, 2011 @ 12:20

    kommentar vom schöpferkellner

    zu scharfer würze noch etwas knittel:
    alex dreppec nutzt virtuos dieses probate mittel,
    damit auch der geist etwas schmecken kann.

    doch warum kommen da eigentlich nur speisen dran?
    wem ewige liebe der gäste soll winken,
    der biete denselben auch etwas zu trinken:

    erst fünf flaschen spätburgunder,
    dann noch zwei, drei bommerlunder.
    dies erst rundet den flundergeflügelschmaus
    und schließlich wanken alle glücklich nach haus.

  5. Ti saluto Ticino
    November 25th, 2011 @ 16:30

    Eine wunderschöne Idee – ich freue mich auf mehr.

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