Cocktailbuch “TrendDrinks” – Interview mit Food-Fotograf Oliver Schwarzwald

Posted on | Dezember 15, 2011 | 8 Comments


Yuzu Watermelon

TrendDrinks heißt das Buch von Arnd Henning Heißen (29), Barmanager des The Curtain Club im Ritz-Carlton Berlin und langjähriger Barchef der Berliner Shochu Bar. Was im Titel knapp als Trend bezeichnet wird, beschäftigt sich tatsächlich auf hohem Niveau mit einer der wichtigsten Strömungen junger Barkultur: immer „kulinarischer“ werden die Cocktailkreationen, mit einer neuen Selbstverständlichkeit arbeiten Mixologen mit Kräutern und Gewürzen, öffnen ihren Gästen neue Geschmacks- und Aromenwelten durch den Einsatz von Tee-Reduktionen, und Spirituosen-Infusionen, der Verwendung hausgemachter Sirups und Essenzen und der Adaption von Küchentechniken bei der Kreation neuer Cocktails. Neben der spannenden Rückbesinnung auf alte, historische Drinks und Originalrezepturen, findet derzeit auch eine hochinteressante Weiterentwicklung der Cocktailkultur statt, die in diesem Buch festgehalten ist.

Der überraschend kleinformatige Band hat es in sich: insbesondere die Kräutercocktails und Tea Infused Londrinks haben mich begeistert und der Anhang mit Rezepten zur Herstellung eigener Liköre, Sirups und Bitters ist klein aber fein und sehr inspirierend. Das Angebot wird durch ein Glossar erweitert, Bezugsquellen werden genannt.

Die fotografische Umsetzung der neuen Cocktailwelt oblag dem mehrfach preisgekrönten Food- und Stillife-Fotografen Oliver Schwarzwald (38), der bekannt ist für seine reduziert minimalistisch-aufwendigen Inszenierungen (u.a. für die Magazine der Süddeutschen Zeitung und der ZEIT). Oliver und ich kennen uns schon lange und ich habe ihn zur Arbeit am TrendDrinks Buch befragt:

Stevan Paul: Wie sind Arnd Heißen und Du zusammengekommen und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit für das Buch?

Oliver Schwarzwald: Ich habe Arnd bei einem Shooting für die BRIGITTE kennen gelernt. Es waren Bilder zu seinem Thema Fragrance Cocktails. Wir zeigten dort einen Drink und das passende Parfum. Er ist damals zu mir ins Studio gekommen um mir die Drinks genau zu erläutern. Wir haben uns gleich gut verstanden. Ich möchte mal sagen wir leben im ähnlichen Komos aus Geschichten Eindrücken und Emotionen. Als mich dann Frau Lottermoser von der Edition Styria anrief und fragte, ob ich an einem Buchprojekt mit Arnd interessiert wäre, habe ich gleich zu gesagt. Das musste spannend werden.


Maharajah Mojito

SP: Wie habt ihr die Bildwelt für das Buch erarbeitet, was waren die Intentionen und Ideen die zu dieser außergewöhnlichen, oft auch humorvollem Bildübersetzung führten.

OS: Arnd hat zu jedem seiner Drinks genaue Ideen, Inspirationen und Bilder im Kopf. Das Rohscript war sehr ausführlich und lieferte mir unglaublich viel Inspirationen. Das wollte ich unbedingt einfangen und verdichten. Denn für das Buch mussten die Texte gekürzt werden. Außerdem wollte mich auch von der klassischen Cocktailfotografie lösen. Es sollten Bilder entstehen die den Betrachter neugierig auf den Text machen und somit dann auch auf den Cocktail und das Geschmackserlebnis. Und da ich mit Arnd in dieser Beziehung eine Sprache spreche war es für mich eine Freude meinen Ideen freienlauf zu lassen.

SP: Es gehört zu den großen Herausforderungen von Foodfotografen und Foodstylisten Cocktails zu fotografieren- Cocktails sind vergänglicher als Eiskrem, es gibt nur einen kurzen idealen Moment in dem bspw. Betauung, Schmelzgrad des Eises und aufsteigende Kohlensäureblässchen perfekte Frische vermitteln. Was waren Eure Schwierigkeiten und Herausforderungen bei der Arbeit und wer hat die Drinks im Studio zubereitet.

OS: Die Schwierigkeiten lagen im Einbinden der Gläser in die Requisite, die Bildidee. Da musste schon hier und da geklebt und getrickst werden. Und es hielt alles nur für den Moment. Bis das Glas beim Poet & Alchemist richtig hing, hat es schon etwas gedauert. Und damit habe ich dem Foodstylisten Jürgen Zimmerstädt keine Freude gemacht.


Poet & Alchemist

Das Glas in diesem Zustand zu befüllen war kompliziert. Die Betauung und der Schmelzgrad war bei diesem Projekt nicht wirklich das Problem, da wir die Drinks „für uns“ gemacht haben und nicht für einen Kunden der noch hier und da eine Tropfen extra sehen möchte. Insofern war es hier etwas entspannter, als bei klassischen Werbejobs. Wir haben mit einer Mischung aus Kunst- und Echt-Eis gearbeitet und so eine natürliche Betauung erreichen können, die meiner Meinung nach immer am besten aussieht.

SP Welches ist dein Lieblings-Drink aus dem Buch und warum? Und wo gehst Du in Hamburg Cocktails trinken?

Naja viele Drinks in dem Buch sind wirklich großartig. Da fällt es echt schwer. Aber wenn ich einen wählen müsste, dann den Fresh & Fizzy. Der Tea infused Gin ist einfach toll. Danach trinkt man keinen Gin Tonic mehr. Und das sage ich als echter Gin Tonic Fan. In Hamburg gehe ich gerne in Bars mit Live Pianomusik, das gehört für mich einfach zu einem Cocktail und einer Bar. Gerne auch das klassische Ambiente einer Hotelbar. Da bieten sich in Hamburg die Bars an wie im Maritim oder im Atlantik. Aber als Vater zweier Kinder sind die Wochenenden oft verplant. Da bleibt neben der Arbeit wenig Zeit, so versuche ich, den Cocktails wenigstens im Fotostudio näher zukommen(lacht).

SP: Danke für Deine Zeit, Oliver!


TrendDrinks von Arnd Heißen

mit Fotos von Oliver Schwarzwald
ISBN: 978-3-99011-037-9
Format: 14,0 x 19,5 cm
Seiten: 128
Hardcover

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8 Responses to “Cocktailbuch “TrendDrinks” – Interview mit Food-Fotograf Oliver Schwarzwald”

  1. Penelope
    Dezember 15th, 2011 @ 09:14

    Cin Cin *-*

  2. Carmen
    Dezember 15th, 2011 @ 18:38

    Die Ästhetik der präsentierten Fotos spricht mich sehr an. Allerdings juckt es mich in den Fingern, das Blatt auf dem Kopf des Affen fortzunehmen.

  3. Muyserin
    Dezember 16th, 2011 @ 14:13

    Schade! Beim Runterscrollen ein klassisches “Scroll-Down-Fug”-Erlebnis gehabt: Drei superinnovative, witzige Drinks-Iszenierungen – und dann ein Buchtitel mit einer Binnenmajuskel. Geht leider gar nicht.

  4. Herr Paulsen
    Dezember 16th, 2011 @ 14:37

    Ohweh! Ich schreib auch immmer NutriCulinary.

  5. Muyserin
    Dezember 16th, 2011 @ 22:42

    Oh! Ganz übersehen (gern würde ich großmütig-blasiert schreiben: „gnädig“ oder „geflissentlich“ übersehen, es war aber nur schlicht und ergreifend Blindheit).

    Na, da bin ich ja nun ins Fettnäpfchen getreten.

    Ich finde aber, bei NutriCulinary geht es, weil es ja ein Kunstwort ist. Und außerdem das Internet. :)

    Aber auf einem Buchcover? Einem PRINTMEDIUM?

    Im Ernst, es stößt mir vielleicht auch deshalb auf, weil mich der Titel TrendDrinks per se stört. Drinks suggerieren doch immer ein Stück weit Zeitlosigkeit: James Bonds Martini, der Gin der Queen Mom – Zeitalter mögen vergehen, aber manche Drinks kommen nie aus der Mode. Ich glaube, James Bond würde sich sehr lächerlich machen, wenn er an einer Bar fragen würde: „Welchen Drink trinkt man denn jetzt so? Was liegt denn jetzt im Trend?“

  6. bushcook
    Dezember 18th, 2011 @ 23:47

    Oh, seit meinem Besuch bei den Duke-Jungs interessiert mich das Thema sehr. Ehrlich gesagt war mir das vorher ziemlich unbekannt. Nächstes Jahr wollen wir nach B. – die Bar ist schon notiert. Signieren Bar-Profis auch? Ich hätte Spaß daran :-).

  7. Herr Paulsen
    Dezember 19th, 2011 @ 10:36

    Da hab ich noch einen supper Berlin-Bartipp für Dich! Vergangene Samstagnacht sah ich das Licht im Stagger Lee:

    http://www.staggerlee.de/

    Ich trank dort einen “Stagger Lee Beer Old Fashioned” mit einer Spur Malz, rauchigem Bourbon, Single Malt, hausgemachtem Bierzucker, Walnuss Bitters und Orangenstaub – ein großes Glück und nur einer von vielen großartigen Drinks an unserem Tisch in dieser Nacht. Man versinkt in Ledersesseln, die Beratung ist umfassend und erhellend, es läuft wunderbar alter Blues und Swing.

  8. Michel
    Dezember 20th, 2011 @ 12:52

    Die Bilder sind wirklich fantastisch geraten, anders als die “gewöhnlichen” Cocktailbilder, die man kennt. Wer hätte gedacht, dass Cocktail-Fotografie schwieriger ist als Eis einzufangen.

    Ich bin ein großer Cocktailmixer und mische gerne daheim. Ich schreibe das Buch auf meinen Wunschzettel.

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