Jetzt am Kiosk: Effilee N°20 – Märchen und Modernes

Posted on | Februar 19, 2012 | 3 Comments

Der Vorschlag kam von Art Direktor Andreas Pufal und als er mir die Papercut-Arbeiten der Grafikdesignerin und Künstlerin Martha von Maydell zeigte, war ich sofort begeistert von seiner Idee einer illustrierten Märchenküche, machte mich im Werk der Gebrüder Grimm auf die Suche nach Rezepte.

In der Märchenwelt der Grimms wird wesentlich weniger gekocht als ich zu erinnern vermeinte, die Speisen sind nur karg beschrieben, oft geht es um “Brei” und “Brot” und “Suppe”, einfache Speisen, die ohne tiefergehende Erläuterungen ihre Funktion im Märchen erfüllen und eher die Armut jener Zeit beschreiben, in der sie entstanden.

Die neuerliche Begenung mit den Originaltexten förderte aber trotzdem kulinarisch Interessantes zu Tage, so gibt beispielsweise die Erwähnung von Krebsschalen bei Hänsel und Gretel einen Hinweis auf die hohe Krebs-Population in Deutschland zur Zeit der Gebrüder Grimm. Damals wimmelten die Bachläufe von Krebsen, ein Arme-Leute-Essen, das wohl auch die Hexe überwiegend ernährte und retrospektiv ihren Appetit auf etwas Abwechslung erklärt.

Unglaublich auch die Pycho-Nummer “Die wunderliche Gasterei” ein nicht ganz so bekanntes, nun ja, “Märchen” dass die Brüder Grimm einst notierten: eine Blutwurst läd eine Leberwurst zum Essen ein, um diese dann aber beinahe zu meucheln, derweil “ein Affe mit einer großen Wunde am Kopf” durchs Treppenhaus tobt und man fragt sich schon ein bißchen, was die Brüder Grimm da geraucht haben. Die Umsetzung der alten Märchentexte in funktionierende Rezepte hat jedenfalls Spaß gemacht und die Illustrationen die sich Martha von Maydell zu den insgesamt sechs Märchen ausgedacht hat sind wunderschön!

Auch sonst gibts natürlich wieder viel zu entdecken und noch mehr zu lesen in der 20. Ausgabe der Effilee. Gerald Zogbaum vom Hamburger Restaurant Küchenwerkstatt erklärt im Interview sich, seine Küchenphilosophie und einen Teller mit Taube. Mario Michaelis und Vijay Sapre machen Spaß mit Zucker und es gibt drei Reitöpfe aus Chile, Malaysia und den USA. Michaela Pfeiffer ruft den veganen Frühling aus, mit asiatischer Küche, Mangas und Kollegin Shoko Homma als Model. Fisch und Fleisch gibts dann wieder bei mir in der “Pfeffer”-Küche mit sechs Pfeffersorten die mehr ist als nur scharf. Und dazu diesmal wieder acht neue, schnelle Teller.

Lea Hampel hat Stadt-Imker besucht und vom neuen Inner-City-Honig-Trend gekostet, Doris Klein hat Fischsaucenherstellern in Vietnam in die Holzfässer geschaut und das ist “nichts für Feiglinge”. Stuart Freedmann besingt die Bialetti-Kaffeekanne und der kalifornische Kulinariker und Wissenschaftler Harold McGee erklärt Ursula Heinzelmann im Interview die Wechselwirkungen der Disziplinen.

Schöne Weingeschichten auch wieder: es ergeht Lesebefehl für Stephan Reinhardts Ehe-Dramolett, dass sich, sehr zum Vergnügen der leserInnen, an einer Flasche 1998 Vergelegen entfacht. Ebenso lohnt ein genauer Blick auf einen späten Gast, der Sommelier Sebastian Bordthäuser und eine Küchenmannschaft beschäftigt. Warum Alkohol uns für die Evolution fit macht, erklärt freundlicherweise gleich anschließend der Biowissenschaftler Thomas Junker.

Die kulinarischen Portraits diesmal über Trüffelnase Ralf Bos, Schokoladenschöpfer Josef Zotter und David Höhner von Cuisine Sans Frontières. Neben Weinempfehlungen von Stuart Pigott, Christoph Raffelt, Eckhard Supp u.a. gibt es Kochbuch- und Online-Tipps, sowie Restaurantkritiken (diesmal zusätzlich mit einem New York-Special).

http://www.effilee.de/

Comments

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3 Responses to “Jetzt am Kiosk: Effilee N°20 – Märchen und Modernes”

  1. Florian
    Februar 22nd, 2012 @ 19:58

    Leider ist kommt die Effilee nur noch alle 4 Monate raus, ist teurer geworden, aber leider nicht umfangreicher (so wie im Schreiben von Vijay Sapre versprochen).
    Ansonsten ist es wieder eine schöne interessante Ausgabe, wäre die 6 € von früher auf jeden Fall wert gewesen, so muss man abwarten was die nächste Ausgabe bringen wird….

  2. Herr Paulsen
    Februar 23rd, 2012 @ 09:19

    Das ist so nicht ganz richtig, Effilee erscheint künftig alle drei Monate, also viermal im Jahr, statt mit bislang sechs Ausgaben pro Jahr, was wir alle sehr schade finden. Vom “Preis-Leistungs-Verhältnis” und der Qualität der Beiträge her, empfinde ich die Effilee im Vergleich nach wie vor unschlagbar- eine Menge Lesestoff fürs Geld, ich habs grad auf einer langen Zugfahrt mit dem neuen Heft wieder ausprobiert.

  3. Florian
    Februar 29th, 2012 @ 13:10

    Das mit den vier Monatewn war ein Versehen von mir. Ich meinte, dass sie 4 Mal rauskommt, wie korrigiert wurde. Auch an der Vielfalt der ARtikel ist nichts aususetzen, dennoch habe ich im Vergleich mit den früheren Ausgaben keinen Erweiterung im Umfang feststellen können. Dies wurde im Erklärungschreiben aber so versprochen. Deswegteb finde ich es etwas enttäuschend.
    Der Qualität und meiner Freude über diese Zeitung tut dies ganz gewiss keinen Abbruch!

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