Hackfleisch bei NETTO: Profit aus Mehl und Wasser

Posted on | März 10, 2012 | 19 Comments

(Foto: abgespeist.de)

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, weniger Empörungs-Postings zu den ernährungspolitischen Amokläufen von Industrie, Wirtschaft und Politik zu verfassen. Alle Beteiligten, wie auch der „Verbraucher“ am Ende der Entscheidungsmöglichkeiten-Kette selbst, wissen was schief läuft und warum. Was aber die Supermarktkette Netto jetzt unter der Eigenmarke Viva Vital unter das hauseigene Hackfleisch mischt, ist doch eine Erwähnung wert, dreister geht Gewinnoptimierung kaum noch.

Die Rede ist von einer “Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß”, die mit dem Hinweis auf “30 Prozent weniger Fett” in den Märkten angeboten wird. Dabei handelt es sich um Hackfleisch, das mit etwas 30 % schnittfest gemachtem Wasser gestreckt wird, welches mit Rote Bete Saft gefärbt wurde. Auf abgespeist.de gibt es Einblick in die Rezeptur der Mehlpampe, dabei kommt „texturiertes Weizenprotein“ zum Einsatz, weil es eine „fleischähnliche (…) Konsistenz aufweist“. Und Rote-Beete-Saft samt Paprikaextrakt sollen dem Produkt eine „fleischähnliche Farbe“ verleihen“.

Beim Preis zaubert die Edeka-Tochter („Wir lieben Lebensmittel.“), Netto lässt sich die Mehlpampe teuer bezahlen: ca. 30 % Hackfleisch weniger und doch kostet die Viva Vital-„Hackzubereitung“ etwa 5,50 Euro je Kilo und abgespeist.de hat nachgerechnet: „knapp 1,50 Euro mehr als abgepacktes, hundertprozentiges Hackfleisch, das etwa 4 Euro je Kilo bzw. 40 Cent je 100 Gramm kostet. Netto lässt sich das „Streckmittel“ für „Viva Vital“, in erster Linie Wasser, demzufolge mit etwa 90 Cent je 100 Gramm bezahlen – mehr als das Doppelte vom reinen Hackfleischpreis.“

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Reaktion der Handelskette auf eine Anfrage der Verbraucherschützer von foodwatch.

Mir bleibt bei sowas nur die Hoffnung, dass mein alter Freund Bob Marley irgendwann Recht behalten wird:

„You can fool some people sometimes, but you can´t fool all the people all the time“.

Bei Netto beschweren via abgespeist.de

Comments

Facebook comments:

19 Responses to “Hackfleisch bei NETTO: Profit aus Mehl und Wasser”

  1. zorra
    März 10th, 2012 @ 14:41

    Ich mach zum Glück seit einiger Zeit mein Hackfleisch nur noch selbst.

  2. einfach ein schönes Leben
    März 10th, 2012 @ 15:34

    Die Fantasie der Industrie kennt keine Grenzen

  3. Kaoskoch
    März 10th, 2012 @ 18:59

    Auf solche Praktiken kann gar nicht oft genug hingewiesen werden. Zwar könnte schon die ziemlich deutliche Aufschrift Hinweis genug sein, aber ich weiß auch, wie oft wir immer noch blind ins Regal greifen, weil’s schnell gehen muss, und nicht die Zutatenliste lesen … Was mich am Meisten ärgert, ist, das solche Praktiken legal (und kein Einzelfall) sind.

  4. Edekaner
    März 10th, 2012 @ 21:02

    Da wird wieder Geld mit der Angst der Verbraucher verdient. Das dieses Produkt Schwachsinn ist Bedarf keiner Frage, genau wie Gehacktes aus Soja. Deswegen führe ich den Mist auch nicht. Aber liebe Leute bleibt bitte bei der Wahrheit. Erst wird der Preis verglichen. Mit SB Hack. Da ist das Kunsthack teurer, OK. Dann wird der Fettgehalt verglichen. Der aber mit dem teueren Thekenhack, welches zwar weniger Fett hat, dafür aber teurer ist.. Dann wird der Wassergehalt verglichen, der ist ja nur um 1 % höher als normal. Ohh Blöd jetzt, ja dann muss ich eben auf das Fremdwasser hinweisen. Ja klar, wo soll das Fett den hin. Und mit Öl anzureichern bringt ja nu auch nix, dann wäre es ja nicht mehr fettreduziert. Tja Leute wer Fertigprodukte kauft muss damit eben Leben, oder genau lesen oder nen Euro mehr ausgeben. Nicht umsonst gibt es Fleisch und Messer einzeln zu kaufen. Auch wenn’s keiner mehr glaubt das klappt wunderbar.

  5. Herr Paulsen
    März 11th, 2012 @ 08:16

    Das Geschacher um Fettgehalt und Preis ist unerfreulich, es bleibt aber das eigentlich Schlimme, das ohne Not in ein natürliches Produkt eingeriffen wird, da wird Mehl zu Fleisch (gemacht) und die Profiteure rufen das auch noch als gesund und vital aus. Sie haben recht Zorra und Edekaner, am Ende bleibt uns nur, selbst zu Fleisch und Messer zu greifen. Dabei ist nicht auszudenken was wird, wenn die unabhängigen, Handwerks-Metzgereien und Schlachtereien weiter so rasant aussterben und wir eines Tages unser Fleisch ausschließlich nur noch über Handelsketten beziehen können.

  6. edekaner
    März 11th, 2012 @ 09:25

    Ob das Produkt ohne Not hergestellt wird, sehe ich noch nicht so. Ob der nicht enden wollenden Diskussionen über die Massentierhaltung, Vegetarier und den Umweltschutz, sind Alternativen, gerade auf lange Sicht,durchaus gefragt. Erst mal nur ein Teil künstlich, vielleicht schaffen die es später das komplett ohne Tiertötung hinzubekommen. Und bei diesem Produkt wird deutlich darauf hingewiesen, dass es künstlich ist. Punkt, da kann jeder entscheiden ob er es kauft oder nicht. Sojamilch wird z.B. stets als “gute” Alternative propagiert. Doch die Milch, welche in meinem Verständnis stets von einem Säugetier zu stammen hat, suche ich in diesem Produkt auch vergebens.

  7. Herr Paulsen
    März 11th, 2012 @ 10:13

    Jetzt musste ich doch sehr lachen, ich glaube kaum, dass sich Netto hier innovativ in der Alternativ-Forschung zum Thema Fleisch engagiert, das ist doch absurd. Was kommt als nächstes: Netto wird Förderer der vegetarischen Bewegung, weil keiner mehr Lust hat dieses Hack zu essen?

    Man kann sich ja alles schön reden, aber Hackfleisch mit Mehl zu strecken ist meines Erachtens schlicht: Panscherei zu Gunsten eines höheren Umsatzes. Da kann der Hinweis auf die Mündigkeit der Verbraucher auch nicht trösten.

    Im übrigen sollte ein wachsender Fleischverzicht, und nicht das Surrogat, Ziel der Bemühungen sein.

  8. edekaner
    März 11th, 2012 @ 11:08

    Deine Antwort ist leider sehr polemisch. Netto hat damit gar nichts zu tun, die verkaufen das nur. Genau wie du in jedem BIO Laden und auch Supermarkt Sojagehacktes ohne Hackfleisch bekommst, Leberkäse ohne selbigen, Sojamilch ohne Milch. Bratwurst ohne Wurst. Schnitzel ohne Schnitzel, soll ich weitermachen, es gibt noch mehr Beispiele. Alles Verbrauchertäuschung oder was? Nehmt doch nicht immer alles persönlich sondern denkt mal einen Schritt weiter. Ernährung der steigenden Weltbevölkerung, Massentierhaltung, gesündere Ernährung. Bevor du aufschreist lies bitte erst den letzten Absatz, Stichwort Seitan.

    Um deutlich mehr Gewinn damit zu machen ist Humbug. Zustimmen würde ich dir bei dem Punkt in jedem Fall, wenn Netto ihr Hackfleisch komplett aus dem Sortiment genommen, und durch das neue Derivat still und heimlich ersetzt hätte. Das ist jedoch nicht der Fall.

    Dem letzten Punkt stimme ich dir voll und ganz zu und versuche es durchaus. Leider gelingt es mir nicht immer. In deiner App Go Veggie wimmelt es aber auch von Fleischsurrogat-Rezepten. Da hätte ich bei dieser Einstellung dann mehr erwartet. Es gibt darin im übrigen reichlich Seitan- Rezepte, die du gerne als Fleischersatz anpreist.

  9. Herr Paulsen
    März 11th, 2012 @ 16:33

    Ich nehm das nicht persönlich, ich habe nur meine Meinung notiert und merke jetzt aber auch: was die Hackmumpe betrifft, da kommen wir beide aus guten Gründen schlicht nicht zusammen, werter Edekaner. Lassen wir es also gerne gut sein mit dem Argumentations-Pingpong, schön wären jetzt an dieser Stelle weitere und andere Meinungen Dritter dazu.

    Ein paar Sätze aber zu Deiner Sicht auf Go Veggie! da möchte ich Dich korrigieren: weder in der Bewerbung für Go Veggie! noch in der App selbst „wimmelt es von Fleischsurrogat-Rezepten“, Seitan, Tofu und Temphe sind Lebensmittel mit teils Jahrhunderte alter Tradition, Geschichte und Kultur – und eben kein Fleischersatz, weil sie ganz eigene Geschmäcker, Texturen und Koch-Eigenschaften mitbringen. Sie versuchen nicht Fleisch zu sein, wenn wir es nicht tun.

    Bei Go Veggie! gehören sie zum Herzstück unserer Idee einer Rezept-Dreifaltigkeit aus frischem Gemüse, Kohlehydraten und pflanzlichem Proteinen. Endlich eine vegetarische Küche die auch satt macht, alltagstauglich ist, sich aber auch raffiniert zeigt. Gleichzeitig auch der Versuch, diese wunderbaren Produkte aus der falschen Schublade „Fleischersatz“ zu holen – als Ausnahme mögen das Seitan-Steak, unser Schnitzel Wiener Art und unser vegetarischer Bacon gelten- da hatten wir einfach Lust, auch mal mit den Vorurteilen und Möglichkeiten zu spielen.

    Go Veggie!, das sind der Fotograf Günter Beer und ich, und Go Veggie! ist unser erster, persönlicher Beitrag zu dem von Dir geforderten Schritt „mal weiter zu denken“. Das haben wir getan und wir haben die App gemacht um eben nicht immer nur zu jammern und zu maulen über die von Dir angesprochenen Probleme, wir wollten auch mal was anbieten, zeigen, wie genussvoll Fleischverzicht sein kann und wie wunderbar Tofu, Seitan und Tempeh schmecken können, wenn sie nicht zum Fleischersatz degradiert werden, sonder im Zentrum der kulinarischen Bemühungen stehen.

  10. edekaner
    März 11th, 2012 @ 17:25

    OK, nur noch mal kurz zu GoVeggie!
    Eure Bemühen erkenne ich und finde es großartig, das Ding mal von der kulinarischen Seite aufzuziehen und nicht immer nur von der Weltverbesserungsmühle bearbeitet zu werden. Trotzdem seid ihr in die Falle getappt und macht eben doch Gulasch, Schnitzel, Piccata Milanese und auch Steaks. Ich will das gar nicht kritisieren, denn es ist sehr schwer Namen zu finden ohne das Fleischteil zu benennen welches man ersetzen möchte. Buddhistische Namensgebung wäre eine Alternative. Das wird sich allerdings in D dann nicht so gut verkaufen. Da muss man dann auch Kompromisse eingehen.

  11. Herr Paulsen
    März 11th, 2012 @ 17:51

    Am Ende überzeugt hoffentlich schlicht: der gute Geschmack!

  12. Mike
    März 12th, 2012 @ 00:05

    Mal ganz ehrich: Wer so etwas kauft, ist selber schuld.
    Zu GoVeggie: Habe ich mir mangels Interesse nicht angeschaut. Die Zielgruppe mag das toll finden, ich bin sie nicht. Deshalb lohnt die Diskussion über “Fleischnamen” auch nicht. Es ist doch schön, wenn es die Vielfalt gibt, man muss nicht überall eine Religion daraus machen. Jeder so, wie er sich wohlfühlt. Das “er” war jetzt nicht frauenfeindlich, sondern nur einfacher formuliert.

  13. Herr Paulsen
    März 12th, 2012 @ 08:02

    Oder so, Mike, ja. Ich hatte mir ja auch, wie Eingangs im Post geschrieben, eigentlich vorgenommen, Empörungsposts über die keativen Ideen von Industrie, Wirtschaft und Politik runterzufahren, weil es mühsam ist, weil immer sofort das Totschlagargument vom mündigen Verbraucher kommt und die Diskussion eigentlich auch nie was bringt, weil im Endeffekt der “mündige Verbraucher” mit seinen Kaufentscheidungen tatsächlich das einzig probate Mittel gegen sowas ist.

    Aber: hier in Foodbloggistan sind die meisten Menschen für solchen Problematiken sensibilisiert, da mögen Hackpampe, Analogkäse, kasernierte Hähnchen, Quälfleisch usw. kein Thema sein. Trotzdem sollten solche Themen weiterhin erzählt werden um noch mehr Menschen zu erreichen, die vielleicht nicht hauptberuflich oder hobby-professionell über Food nachdenken.

    Die Hack-Mehl-Mische hat mittlerweile die Runde gemacht, die meisten großen Zeitungen haben darüber geschrieben und berichtet und ganz besonders über Facebook hat die Geschichte die Runde gemacht, da haben am Ende bspw. auch Literaturblogger darüber nachgedacht, ob sie Hack mit Mehl brauchen – erst damit ist im Grunde die breite Masse erreicht-und kann künftig, wirklich aufgeklärt, selbst entscheiden.

  14. Nicholas
    März 12th, 2012 @ 08:03

    Hallo Ihr Streithähne…
    Es gibt hier sicherlich zwei Aspekte: der eine ist der, ob gezielt Verbraucher getäuscht werden, also ob was anderes verkauft wird als angegeben. Das scheint nicht der Fall zu sein?
    Der andere ist der von Edekaner angerissene Aspekt der Makroökologie: Jeder, aber wirklich jeder ansatz, der dazu dient den Gesamtfleischkonsum (ich miene global…ob sich lokal jemand in die Gicht und den Infarkt frisst ist mir ja egal…) zu senken ist dringen notwendig. In sofern ist das hier diskutierte Produkt das E10 des Hackfleischs. Keiner ist begeistert, aber trotzde ist es sinnvoll.
    Ausserdem – Polemiknodus:ein – kann man getrost davon ausgehen, dass ein sehr hoher Prozentsatz des SB Hackfleisches mit Maggi fix für was auch immer versetzt wird. Wer Qualität in der Pfanne sucht wird sicher kein SB Hack von Netto nehmen. – Polemikmodus: aus -

  15. Herr Paulsen
    März 12th, 2012 @ 08:24

    Diskutanten nicht Streithähne, Nicholas;-) Und was die Fleischreduzierung angeht, wärs mir persönlich einfach lieber das liefe über temporären Verzicht gekoppelt an ein damit wachsendes Bewusstsein für qualitativ hochwertiges Fleisch-anstelle von mit Mehl und Wasser gestrecktem Diskounterhack.

  16. nata
    März 12th, 2012 @ 10:54

    Wirklich interessieren würde mich die Meinung eines Kunden, der dieses Produkt gekauft hat. – Vermutlich niemand, der hier mitliest, oder?

  17. Sus
    März 12th, 2012 @ 13:13

    Ich find’s praktisch: Damit brauche ich keine alten Brötchen mehr für meine Frikadellen…

    *Ironiemodus aus*

    Nee, sowas tue ich mir nicht an.
    Laut Patentschrift (die sich im Übrigen ziemlich gruselig liest) besteht dieses Eiweiß vorzugsweise aus Gluten. Arme Allergiker…

    Liebe Grüße, Sus (die sich gerade einen Fleischwolf-Vorsatz für ihre Küchenmaschine besorgt hat, weil sie fest davon ausgeht, daß solche ‘Veredelungen’ in nächster Zeit zunehmen werden, aber viel stiller und viel unauffälliger…)

  18. Claus
    März 13th, 2012 @ 18:52

    Ich bin mir ernsthaft am überlegen, ob ich den Müll mal ausprobiere.

  19. Herr Paulsen
    März 14th, 2012 @ 16:46

    Nata, da müssten wir uns glaube ich direkt auf die Lauer legen:-)

    Sus, super Idee, mit dem integrierten Brötchen, lass Dir das von Netto in Gold bezahlen!

    Claus, halte ein! Oder schreib dann drüber…

Leave a Reply





  • Nutriculinary bei:

  • Kategorien

  • Sternekocher rund 150 px
    Köstlich & Konsorten