Das kulinarische Gedicht (7): Hellmuth Opitz “Die Anmacher vom Abendbrottisch””

Posted on | Juli 20, 2012 | No Comments

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Hellmuth Opitz kenne und schätze ich als Dichter schon eine ganze Weile, er war ein früher Gast unserer legendären Hamburger Lesereihe “Kaffee.Satz.Lesen.”, bei der große Dichter für kleines Geld lasen und im vergangenen Jahr gabs ein Wiedersehen beim forum:autoren im Rahmen des Münchner Literaturfestes.

Dabei entstand auch das Interview mit Hellmuth Opitz, auf das ich an dieser Stelle nochmal hinweisen möchte, im fabMUC Blog benatwortete er mir damals meine Fragen zu seinem neuen Gedichtband ““Die Dunkelheit knistert wie Kandis”, sprach über Poetry Slams, Live-Lyrik und Gedichte-Clips auf youTube.

Für die NutriCulinary-Reihe Das kulinarische Gedicht schickte Hellmuth Opitz sein bislang unveröffentlichtes Gedicht “Die Anmacher vom Abendbrottisch”, das hier sein Debüt erlebt. Danke Hellmuth!

Die Anmacher vom Abendbrottisch

Im Grunde mögen sie sich nicht, doch stehen sie
hier zwischen Tischgeschirr, Servietten, Schleifen
wie alte Herren, vereint auf einer Galerie,
um würzig-frisch dem Junggemüse nachzupfeifen.

Links Monsieur Salzstreuer himself, ein echter Kenner,
doch eitel: Wie er sich an sich selber freut!
Er hält sich für den Schärfsten hier, besonders wenn er
so locker wie jetzt gerade seine Komplimente streut.

Na Mädels, kommt! Warum noch lange warten?
Lasst mich kurz rüber, ruft er und muss nicht mal schnaufen
Was bleibt da den Radieschen und Tomaten
auch and’res übrig als zu kichern und rot anzulaufen?

Im Tiefsten aber spürt er – selbst beim Vernaschen –
ein Körnchen Neid. Und das nagt perfide.
Der Neid auf Essig/Öl. Zwei ausgemachte Flaschen,
doch beide leider Gottes stets liquide.

Und deshalb dürfen sie selbst den Salat,
jungfräulich, grün noch, von den Ohren zu den Schenkeln,
mit ihren Körperflüssigkeiten reich besprenkeln.
Dagegen schmeckt doch alles andere: fad.

Hellmuth Opitz

geboren im schneereichen Januar 1959 in Bielefeld. In der „Stadt, die es nicht gibt“ auch Kindheit und Jugend verbracht. Bassist, Gitarrist und Sänger in verschiedenen Rock- und Folkrockbands. 1979 Studium der Germanistik und Philosophie in Münster. Während des Studiums beschlossen, nicht das Lehramt anzustreben, sondern vom Schreiben zu leben.

In der Studienzeit bereits erste Arbeiten für diverse Stadtmagazine. Dann zunächst Musikredakteur, später Chefredakteur des Bielefelder Stadtmagazins TIPS. Daneben Tätigkeit als freier Journalist für überregionale Musik-Magazine wie „Musikexpress“ und „Rolling Stone“. Im Rahmen dieser Tätigkeiten Platten- und Buchrezensionen, Glossen, Konzert-Reviews usw. Interviews u.a. mit Aerosmith, Red Hot Chili Peppers, The Offspring, Bad Religion, XTC, Travis, Cowboy Junkies, Wim Wenders, Stefan Heym und F.C. Delius. Musik- und Poetik-Essays sowie Polemiken über „Popmusik & Werbung” „Deutschrock”, „Muzak“, „Kalenderpoesie“ .

Mehrere Aufenthalte in London, Amsterdam und New York. Ab 1991 Texter in einer Werbeagentur, seit 1998 dort als Creative Director und Geschäftsführer tätig.Seit 1982 regelmäßige Veröffentlichungen von Lyrik- und Prosabänden sowie Hörbüchern. Im Jahre 2000 Gewinner der Münsteraner Literaturmeisterschaft. Außerdem Gewinner mehrerer Poetry Slams in Bielefeld, Bonn und Düsseldorf. 2010: „Writer in residence“ im Brecht-Haus in Svendborg/Dänemark

Mehr zu und von Hellmuth Opitz auf: www.hellmuth-opitz.de

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