Männer die auf Ziegenkäse starren – making of Tim Mälzers „Greenbox“

Posted on | Oktober 4, 2012 | 22 Comments

Männer die auf Ziegenkäse starren, Foto: Matthias Haupt

Der Eignungstest im Einstellungsgespräch bestand aus einer Partie Tischfussball. Dumm nur, dass ich in meinem Leben bislang insgesamt vielleicht zweimal an einem Tischkicker gestanden hatte. So verlief dann auch das Match, „Füße hoch, Stevan!“, rief Tim Mälzer nach wenigen Minuten, ich stellte vorne artig meine Kicker in die Horizontale und er machte unsere Gegner im Alleingang nur mit Verteidigung und Torwart fertig.

Den Job habe ich dann doch bekommen, als Foodstylist und Koch sollte ich, gemeinsam mit Projektleiter Marcel Stut (essen & trinken), an Tim Mälzers Buch mitarbeiten und, was mich besonders freute, das Buch später auch als Autor betreuen. Im Januar trafen wir uns erstmals um das Konzept zu besprechen, im Mai ging es dann mit dem gesamten Team zur Produktion nach Mallorca.

Dazu muss man wissen, dass ich beruflich ein sehr penibler Pingel bin, ich liebe, insbesondere bei Kochbuchproduktionen, Dinge wie: Vorbereitung, Details, Pläne, Listen. Letztmals versuchte ich es drei Tage vor dem Abflug: „Ich bräuchte dann jetzt langsam mal die Rezepte. Nur die Titel, würden mir völlig reichen, ja?“ Die Jungs verstanden meine Aufregung nicht: „machen wir da, entspann Dich.“ Es war eine große, buddhistische Prüfung für mich. Erst auf Mallorca dämmerte mir die Genialität der lockeren Herangehensweise.

Auf der Insel angekommen, warteten in der Finca bereits sämtliche Öle, Essige, Nudelsorten, Gewürze, Samen, Nüsse, Mehl- und Reissorten der Welt auf uns. Wir kauften Schubkarren voll Gemüse vor Ort und dann legten wir los. „Lass uns einfach mal was kochen.” sagte Tim Mälzer. Ein kleiner Film gibt Einblicke in unsere Arbeit am Set von Tim Mälzers Greenbox:

(Film: sonntagskind gmbH)

Drei Wochen werkelten Tim, Marcel und ich in der Versuchsküche, (assistiert von Felix Cordes) probierten, tauschten uns aus, erarbeiteten Rezepte, starteten Versuchsreihen, testeten Garmethoden und Zubereitungsmöglichkeiten. Fotograf Matthias Haupt, mit Assistent Christian Velten, fing alle Rezepte direkt in wunderschönen Bildern ein. Persönlich verstand ich diese Arbeitsweise schnell als großes Geschenk, ich habe die dreiwöchige, ja, Werkstatt, als hochinspirierend erlebt, die Konzentration, den Austausch, das Hinterfragen, die Zeit zum sorgfältigen Entwickeln von Ideen. Von der Intensität her waren die Wochen auf Mallorca am ehesten noch mit einem sehr langen Foodcamp zu vergleichen, Nerds at work!

Bald wurde das akribische Notieren der entstehenden Rezepte meine Hauptaufgabe und ich ging allen gehörig auf die Nerven:

„Wo seid ihr denn?“
„Achtung Leute! Stevan kommt, schnell alles anwiegen!“
„Tim, wie viel Olivenöl hast du da denn grade in die Pfanne gegeben?“
„Olivenöl, Stevan. Schreib einfach Olivenöl.“

Und es ist, wie Tim im Film sagt, wir haben zu keinem Zeitpunkt an einem vegetarischen Kochbuch gearbeitet, vom Start weg war klar, dass die Greenbox, ein Geschmacks-Kochbuch, eine Geschmacksschule werden sollte – und um es uns nicht allzu leicht zu machen, haben wir auf Fisch und Fleisch verzichtet. Wir haben uns mit Würzungen und Aromen beschäftigt, mit Umami, mit Küchentechniken, wie Räuchern und Sous vide. Machbarkeit und Alltagstauglichkeit standen dabei immer im Vordergrund, hin und wieder aber auch das ganz große, kulinarische Kino. Dazu gibt’s viel zu lesen: Warenkunden, umfangreiche Wissenstexte und Variationsmöglichkeiten laden zum Schmökern und Weiterkochen ein, ganz hinten im Buch findet sich zudem ein außergewöhnlich umfangreiches Glossar für den schnellen Einstieg.

Gezaubert haben meines Erachtens auch Anja Laukemper und Tina Hilscher von der Art- und Kreativdirektion, Illustratorin Rinah Lang, und die Buchgestalter Lucas Buchholz und Bernd Brink von weissraum.de(sign)°, Tim Mälzers Greenbox ist ein reicher, bunter, fröhlicher Band geworden. Ich hoffe, und ich glaube, dass sich die Einzigartigkeit der Entstehung von Tims grüner Gemüse- und Aromen-Küche im Buch wieder finden und immer wieder zum Kochen und Entdecken einladen. Schauen Sie mal rein – es steckt viel Herzblut drin.

Tim Mälzer
Greenbox

Originalausgabe

Gebundenes Buch, Halbleinen, 272 Seiten, 21,0 x 27,0 cm
4-farbig, ca. 300 farbige Abbildungen; Pappband veredelt, 2 Lesebändchen
ISBN: 978-3-442-39243-8
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

Verlag: Mosaik Verlag

Dieser Titel erscheint am: 16. Oktober 2012

Comments

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22 Responses to “Männer die auf Ziegenkäse starren – making of Tim Mälzers „Greenbox“”

  1. Heike von Au
    Oktober 4th, 2012 @ 09:57

    Ihr seid großartig!

  2. Herr Paulsen
    Oktober 4th, 2012 @ 10:24

    Danke Dir, Heike!

  3. Lena
    Oktober 4th, 2012 @ 11:08

    Toll, dass du an diesem Buch mitgearbeitet hast, das macht mir wieder Lust ein Tim Mälzer Kochbuch zu kaufen. Schön finde ich auch, dass auf Fleisch und Fisch verzichtet wurde, auch wenn ich selbst kein Vegetarier bin. Da freue ich mich schon auf Inspirationen!

    Herzliche Grüße

    PS: Unter dem ersten Bild steht “starten” statt “starren” ;).

  4. bushcook
    Oktober 4th, 2012 @ 13:58

    Da juckt es mich gleich wieder in den Fingern, einen Vergleich mit Österreich Vegetarisch anzustellen…. :-)

  5. Juliane
    Oktober 4th, 2012 @ 15:17

    Wow, wie toll ist das denn? Ich stehe ja sowieso auf Tim Mälzer und habe fast alle seine Kochbücher, nur das letzte mit Witzigmann habe ich mir nicht gekauft. Nach Deinem Bericht ist Greenbox jetzt sofort auf den Wunschzettel gewandert!

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  6. Herr Paulsen
    Oktober 4th, 2012 @ 16:26

    Freut mich sehr Lena, und vielen Dank für den Hinweis!

    Dorothée, die sind natürlich beide unvergleichlich gut!:-)

    Juliane, klasse, ich denk mal Du wirst nicht entäuscht sein! Viel Vergnügen!

  7. Claudia
    Oktober 4th, 2012 @ 16:48

    Das Bild ist ja noch besser als das von dem Clooney-Film “Männer, die auf Ziegen starren”…
    Einfach großartig!

  8. Kochblogger
    Oktober 4th, 2012 @ 19:24

    Suuuppperrr! Danke Dir für den unterhaltsamen Einblick! Buch ist übrigens schon vorbestellt. Jetzt freu ich mich noch mehr! ;))

  9. mein-i-tüpfelchen
    Oktober 5th, 2012 @ 15:11

    Ohne Worte. Allein der Titel zum Post. Bin hingerissen! A.

  10. Rosela
    Oktober 5th, 2012 @ 21:38

    cooler Titel!

  11. Sebastian
    Oktober 5th, 2012 @ 22:42

    Klasse! Freude! Aber hey, Herzblut in einem vegetarischen Kochbuch?

  12. Herr Paulsen
    Oktober 6th, 2012 @ 11:02

    Freut mich sehr, danke Euch! Sebastian, ja, es ist eine Überlegung wert, wie auch: dürfen Vegetarier Schmetterlinge im Bauch haben?

  13. Sabine
    Oktober 7th, 2012 @ 20:26

    …. Da kann man ja gar nicht nicht -lesen-wollen …. :-)

  14. Frau Ziii
    Oktober 15th, 2012 @ 12:05

    Also, jetzt muss ich, als bisher stiller Leser, hier auch mal kommentieren… das Foto ist zum Totlachen und seines Titels wirklich würdig.
    Lieben Gruß aus Wien von Frau Ziii

  15. Herr Paulsen
    Oktober 16th, 2012 @ 12:46

    Danke Ihnen Frau Ziii, freut mich sehr!

  16. Kichererbsensuppe mit gebratenem Sauerkraut | Foodina
    November 30th, 2012 @ 11:07

    […] liegen sah. Hätte ich nicht gewusst, dass Stevan Paul von Nutriculinary daran mitgearbeitet hat (Hier klicken, um ein paar Einblicke in die Entstehung von “Greenbox” zu haben), hätte ich es […]

  17. Torben Bornhöft
    Dezember 25th, 2012 @ 09:46

    Ein fantastisches Kochbuch! Tolle Rezepte, Spaß beim Kochen, fleischlos aber wiet entfernt von ‘kampfvegetarisch’ ;)
    Vielen Dank dafür!

  18. Muffin
    Januar 2nd, 2013 @ 14:20

    Der Weihnachtsmann war so toll und hat mir das Buch zu Weihnachten geschenkt. Die Rezepte sind der Wahnsinn, die Fotos der Hammer und die Aufmachung großartig! Ich würde es sogar spontan als bestes Kochbuch in meiner Sammlung deklarieren.
    Also Kompliment dafür!

  19. Herr Paulsen
    Januar 2nd, 2013 @ 18:29

    Freut mich sehr, Muffin, und ich gebs gerne auch weiter!

  20. Michaela
    Januar 5th, 2013 @ 14:46

    Fleischlos aber mit Herzblut. Genau so geht kochen! Hier bin ich Mensch. Hier beiß ich rein. :-)

  21. Thomas Neumann
    September 3rd, 2013 @ 09:23

    Es ist ein Super Buch geworden. Was mir dabei gefällt ist, dass nicht ständig drauf hingewiesen wird wie toll es ist doch Vegetarier zu sein, nein wer will kann gerne auch sein Fleisch dazu machen. Die Rezepte sind frisch und inspirierend, beim lesen bekomme ich schon Lust sofort zum Gemüsehändler zu fahren und Gemüse zu kaufen. Danke Thomas

  22. Herr Paulsen
    September 3rd, 2013 @ 18:56

    Danke Thomas Neumann, freut mich sehr!

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