Sommersause (II): Feierabend auf Balkonien

Posted on | Juni 26, 2014 | 5 Comments

Sommerweine, konstatierte neulich Mastersommelier Hendrik Thoma, seien ja gerne überwiegend langweilige Aktionsweine und mir geht’s da ähnlich: ich lasse mir von einer Wetterlage nicht vorschreiben, was ich zu trinken habe. Ich genieße schöne Sommerabende auf dem Balkon, bei Speis und Trank und mag aber in diesen seltenen Stunden nicht zwingend hochpreisige Mediationsweine kauen: zum leichten Abendessen darfs gern ein unaufgeregter frischer Wein mit Charakter sein. Und gerne, Weinkenner bitte Augen zu, übertrieben gut gekühlt. Auch die Rotweine. Und weil Wein ohne ein schönes Essen nur die halbe Miete ist, habe ich zu jedem meiner drei neuen Lieblingsweinen der diesjährigen Sommersausen-Saison, jeweils ein schnell gemachtes begleitendes Abendessen zur Seite gestellt.

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Den Anfang macht ein weißer Bordeaux. Ich liebe Entre-Deux-Mers Weine, eigentlich Rahmen ja zwei Flüsse, Garonne und Dordogne, das Weingebiet, ich bilde mir aber immer ein im Abgang eine sensationelle, zarte Salznote herauszuschmecken, die vom nahen Atlantik über die Trauben wehte. So ist das auch beim Château Bel Air Perponcher 2013 den mir die Bordeauxbeauftragt Alena Mohr von segmenta pr zuschickte, verbunden mit der Einladung dazu ein leichtes Sommergericht zu kreieren, ein Ausflug zum Bordeaux Fête le Vin oder dem Vinocamp lockte als Belohnung. Aus zwei guten Gründen, die im Herbst erscheinen, habe ich aber dieses Jahr so gar keine Zeit für Lustreisen, ein Rezept habe ich mir trotzdem ausgedacht und jetzt wird’s speziell, aber das müssen Sie mir einfach glauben und am besten selbst ausprobieren: mein Salat aus würziger Blutwurst in Kombination mit cremigem Ziegengouda und rohem Apfel ist ein Knaller und ganz besonders zum trockenen, frischen Perponcher Wein mit schöner Kirschnote und feinem Bitterton (da ist es wieder, das Meersalz!), der Wein findet dementsprechend schon in der Vin(!)aigrette Verwendung: 3 EL vom Wein, 1-2 El Apfelessig, 1-2 TL Zucker, 3 EL Olivenöl und 2 EL Rapsöl, dazu 1-2 TL grober Senf, Salz, Pfeffer und das alles mit frisch geschnittenen Apfelwürfeln über Blutwurst und Ziegengouda geben, Signature du Chef: Petersilienblättchen.

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Die Blutwurst dazu stammte übrigens aus der Frankreich-nahen Pfalz und das gibt mir die Gelegenheit zum eleganten Grenzübergang und zu einer echten Überraschung: die Bloggerkollegin Kerstin Getto vom my cooking love affair Blog, beschäftigt sich ja schon eine ganze Weile mit den Wechselwirkungen zwischen Wein und Speisen, begleitet ihren Lieblingswinzer Christian Brendel für Blogreportagen durchs Weinjahr, gemeinsam haben die beiden jetzt einen Rosé-Wein herausgebracht der unter dem Namen my love affair with Rosé in limitierter Auflage erhältlich ist. Ich bin begeistert, der Wein hat eine appetitliche hellrote Farbe, in der Nase viel Frucht und rote Beeren, leicht kräutrige Noten, im Mund dann nicht die gefürchtete Marmelade, sondern klare, frische Säure, trocken mit einem Hauch schmeichelnder Süße im Abgang. Klasse! Auch dazu mutet mein Serviervorschlag gewagt an, macht aber großen Sinn: ein grüner Salat mit roher Zucchini, Frühlingszwiebeln, fein geschnittenem Staudensellerie, Selleriegrün und Petersilie, mit gezupfter Räucherforelle und Stremmellachs. Basis der Vinaigrette ist auch hier der Wein selbst: 4 EL vom Rosé, 2 EL Rotweinessig, 2 TL Zucker und 5 El Olivenöl, Salz und Pfeffer und fertig. Sommerabendsonne an!

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Nicht zuletzt der Rotwein. Den hab ich lang gesucht und den genieße ich schon länger. Ursprünglich erstand ich den Lesegut als Geschenk an meine Frau Mutter die Orthoptistin ist, kleiner Spaß. Die Überraschung war groß, ein toller Rotwein, mit Charakter, Tiefe, Frucht, Würze und gut eingebundenem Holz – und von allem nicht zuviel, ein Rotwein einfach so zum wegschlotzen. Ich hab dann gegoogelt, der spanische Winzer Carlos Falcó Marques de Grinon ist kein Unbekannter, für die großen Weine des Weingutes gibts auch schon mal 90 Parker Punkte, Lesegut ist der kleine Wein und für knapp 10 Euro zu haben, online, ich habe ihn aus der Metro Hamburg. Rebsorten: Syrah, Petit Verdot und Cabernet Sauvignon, zehn Monate in französischer Allier-Eiche ausgebaut. Dazu passt das schnellste Abendessen der Welt: Gutes Brot, ein würziger Lieblingskäse und grüne Birnenschnitze mit bestem Olivenöl. Jetzt erhielt ich aber vor zwei Tagen von Genusshandwerker-Chef Hans Georg Pestka ein Stück Lardo di Collonata – weißer Schweinespeck der mit Meersalz und Kräutern eingesalzen und 90 Tage in Carrara Marmor gelagert reift. Danke! Alleine der Duft beim Auspacken. Und dann, na klar, das passt sensationell: der Lardo, so dünn wie möglich aufgeschnitten und auf geröstetem Brot serviert. Zergeht auf der Zunge der Speck. Und das passte zur Birne, zum Öl, zum Käse und zum Wein. Könnte ich all summer long.

Zur Sommersause (I) gehts hier entlang: “Angrillen – mit S’mores, Weltklasse-Ćevapčići, Schwarzrettich-Tunke und der besten Barbequesauce des Sommers

Comments

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5 Responses to “Sommersause (II): Feierabend auf Balkonien”

  1. Julia
    Juni 26th, 2014 @ 16:42

    “Meditationsweine kauen” – just made my day! ;-)

  2. Paul
    Juni 26th, 2014 @ 16:49

    Endlich. Essen und Wein. Mehr davon. Der Blutwurstsalat wird ausprobiert. Habe nach unserem kleinen Ausflug zwischen die Flüsse vergangenes Jahr auch den Keller voll wie Hamsterbacken mit ein paar solcher Flaschen. Sommer!!!

  3. Cocinante
    Juli 3rd, 2014 @ 13:05

    Gut gekühlter Wein – sympathische Position! Wenn Rotwein auch meist nicht ganz so kalt sein muss wie Weißwein: Warme Plörre geht an einem Sommerabend überhaupt nicht über den Gaumen.

    Hier bei uns trinken wir diesen Sommer auch etwas Feines, wenn auch etwas Stärkeres: http://tinyurl.com/pydpvg3

    Und ja, bei uns gibt es auch Blutwurst.

  4. Schnick Schnack Schnuck
    Juli 11th, 2014 @ 09:13

    Ich bleibe jetzt schon zum wiederholten Male am Lardo hängen und wünsche mir auch so ein fettes Teil!

  5. Man kann's essen!
    November 1st, 2014 @ 21:55

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