NutriCulinary

gutes Essen & große Küche

Fundstück der Woche: Mitbringselschokolade

Das da oben auf dem Foto ist der Schokoladenkorb aus der Firma der Liebsten. Die Damen bekommen sehr viel Schokolade geschenkt und die verstaubtesten Packungen werden regelmäßig entsorgt und gegen Neuware ausgetauscht. Dabei naschen die Ladys gerne Schokolade, nur eben diese nicht: Mitbringselschokoladen mit Kreativwürzungen.

Schokolade boomt ja nun schon seit ein paar Jahren kräftig und manch einer der einst todesmutig und mit geheucheltem Kennerblick in seine erste hochprozentige Bitterschokolade biss, hat gelernt, dass die bislang präferierten Tafeln doch eher schmeckten wie gesüßtes Streichfett mit Plantagentrank-Streukakao. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, leider wurden viele Schokoladenhersteller dadurch ermuntert ihr Sortiment mutig zu neuen Ufern zu tragen, und da liegen sie jetzt, die edeln Schokoladenkompositonen und ziehen Staub.

Ich kenne niemanden der sagt „also ehrlich für eine Veilchen-Rosenwasser-Bitterschokolade mit Meersalz und Chili lasse ich jede Vollnuss-Schocki liegen“, eher selten wurde bislang der Geschmack der „Avocado mit Mandarinenjoghurt-Joghurtschokolade“ gerühmt. Die gibt es wirklich! Und haben Sie schon mal mit Genuss in eine Zartbitterschokolade mit ganzen roten Pefferbeeren gebissen? Der Tatbestand der Körperverletzung ist sofort erfüllt und ähnlich wie bei einem Mohnbrötchen trägt man auch nach intensivster Zahnreinigung noch sehr lange kleine rote Pfefferplacken in den Zahnzwischenräumen spazieren. Altes Dörrobst in weiße Schokolade zu schmeißen ist nicht nur für das Dörrobst lediglich ein Endlager und über mit alkoholischen „Cremes“ gefüllte Tafeln („feuriger Weihnachtspunsch“) hülle ich den gnädigen Mantel des Schweigens.

Meine gewagte These: kein Mensch isst jemals diese Schokoladen. Sie werden einzig als Verlegenheitsmitbringsel in verschiedenen Qualitäten und Preiskategorien hergestellt und vom Beschenkten nach einer Anstandszeit weiter gereicht oder zum Sondermüll gefahren.

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Monsieur, der Hummer und ich-Heimspiel in der Elbphilharmonie der Herzen

Das klappt ja zur Zeit nur so mittel mit dem Bloggen, dafür gibts mal wieder ein Heimspiel: mit “Monsieur, der Hummer und ich” bin ich diese Woche zu Gast bei der interdisziplinären Literatur & Musik-Schau von Phase Zwo, einer Initiative des Hamburger Writers Room. Am kommenden Donnerstag gibt es im Pudel Salon ausserdem den Ausnahme-Poetry Slamer Der Jörch zu hören, musikalische Gäste sind die Hamburger Start.Volt.Stop.

Phase Zwo – Literatur und Musik – Vol. 16
Donnerstag, 11. Februar 2010, 20.30 h
Moderation: Lars Henken & Lutz Kramer (Writers’ Room)
Pudel Salon (über dem Golden Pudel Club, St. Pauli Fischmarkt 27, 20359 Hamburg)
Eintritt: € 7,-
www.pudel.com

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Gelesen: “Der Koch” von Martin Suter

„Darauf muss man erstmal kommen, die kulinarischen Verführungskünste eines tamilischen Asylbewerbers sexualtherapeutisch einzusetzen“

…schreibt Martin Suter selbst, auf Seite 121 seines neuen Romans Der Koch, der jetzt im Diogenes Verlag erschienen ist. Und tatsächlich ist sie erstmal schön schräg, die Geschichte von Maravan, Topfspüler und Laufbursche in einem Zürcher Sternerestaurant, der nach seiner Entlassung das Wissen um die Küche seiner Heimat mit modernsten Molekularküchen-Erkenntnissen verbindet und als genialischer Koch aphrodisische Menüs kreiert.

Love Food heißt der Cateringservice der besonderen Art, für den er von seiner ebenfalls arbeitslos gewordenen Ex-Kollegin Andrea verpflichtet wird. Hochaktuell, zwischen Wirtschaftskrise und Waffenhandel, dem Bürgerkrieg in Sri Lanka und eidgenössischer Asylpolitik erzählt Martin Suter Maravans Geschichte, dessen Kochkunst zunächst lediglich müde Ehepaare munter macht. Später befeuern seine Rezepturen auch die Libido ergrauter Wirtschaftsbosse, denen begleitend zum Menü charmante junge Damen serviert werden. Das passt Maravan nicht, der aber die Love Food-Einkünfte braucht um Angehörige in Sri Lanka zu unterstützen. Als seine Ziehmutter und Großtante stirbt und sein 15 jähriger Neffe Ulagu als Kindersoldat umkommt, kocht Maravan ein letztes Mal für Love Food. Und ändert die Rezeptur.

Es mag nicht Suters größter Wurf sein, Kritiker werfen dem Roman vor, er sei thematisch überladen, schwarz-weiß sei der Blick des Autors auf den Weltenlauf. Lesenswert und kurzweilig ist das Buch allemal, in gewohnt klarer, präziser Sprache und dem ihm eigenen, trockenen Humor erzählt Suter eine Geschichte an der besonders Kulinariker ihre Freude haben dürften. Ein hintergründiger Spaß, wenn der Küchenchef des Sternerestaurants Huwyler „Glasierte Langostinas mit Reiskrokant auf Currygelee“ auf die Speisekarte dichtet und eben jenes Gericht, ein paar Seiten später wieder am Tisch eines Gastes auftaucht, als „ …glasierte Riesencrevetten auf einer etwas unangenehm schmeckenden Sülze“. Auch die detaillierte Beschreibung eines Herzanfalls im laufenden Restaurantbetrieb, in dessen Folge ein Fichtennadelraumspray eine Rolle spielt, ist von großer Situationskomik.

Herzstück des Buches sind aber die mundwässernden Beschreibungen der Love-Food-Menüs und ihrer Herstellung. Das Allgemeinwissen um die aphrodisische Wirkung von Lebensmitteln und Rezepturen basiert gewöhnlich auf Vermutungen und Herrenwitzen, doch selbst Zweifler könnten bei Maravans Künsten zumindest Appetit bekommen. Minichapatis mit Curryblätter-Zimt-Kokosöl-Essenz werden gereicht, Churaa Varai auf Nivara-Reis mit Mintschaum, Eislutscher aus Lakritz-Honig-Ghee werden gereicht, Koteletts vom Milchlamm in Jardaloo-Essenz, buchenholzgeräuchertes Tandoori-Stubenküken auf Tomaten-Butter-Paprikagelee…insgesamt 16 Rezepte tischen Maravan und Martin Suter gemeinsam auf, dankenswerterweise finden sich aller Rezepte im Anhang des Buches. Suter konnte hierfür Heiko Antoniewicz gewinnen, dessen Kochbücher und Rezepturen Suter inspirierten. Antoniewicz sorgte auch dafür, dass die Rezepte „mit wenig aufwendigem Gerät“ nachkochbar sind, alle Zutaten finden sich zumindest im gut sortierten Asia-Laden.

Der Koch
von Martin Suter

Roman, Hardcover Leinen, 320 Seiten
Diogenes Verlag, Zürich
ISBN 978-3-257-06739-2
€ (D) 21.90 / sFr 38.90* / € (A) 22.60

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Jetzt am Kiosk: SZENE Hamburg mit appetitlichem Themenschwerpunkt

Die monatliche Stadtzeitschrift SZENE Hamburg erfreut in der aktuellen Ausgabe mit einem kulinarischen Schwerpunkt. Gleich auf dem Titel wird Hamburg als Hauptstadt der Feinschmecker ausgelobt und das hat durchaus seine Berechtigung. Drei der wichtigsten deutschen Food-Magazine werden in Hamburg porduziert und neben einigem Sternenglanz verfügt die Hansestadt über eine große Zahl so genannter Restaurants der zweiten Reihe, ambitionierten Küchen von hoher Qualität, die ohne Fressführer-Auszeichnungen konstant Höchstleitungen für Ihre Gäste erbringen.

Lesenswert ist in diesem Zusammenhang ganz besonders das Editorial („Schon fünf Teller sind zurück gegangen, heute kocht der Chef selbst“) sowie der Beitrag über Lust, Leid und die sprachliche Semantik der Testesserei, exemplarische Auf- und Abwertungen am Beispiel Hamburg inklusive. Die Hamburger Kochprominenz wird vorgestellt: wer sind und woher kommen eigentlich Mälzer, Poletto, Rach und Co.?

Beef! Herausgeber Jan Spielhagen spricht im Interview natürlich über Steaks und auch Martin Lagoda kommt zu Wort, der gemeinsam mit Eva Eppard „Das Kochbuch der vergessenen Genüsse” im Egmont Verlag veröffentlicht hat. Interessant auch das Gespräch mit Barbara Krug-Richter, Professorin für Europäische Ethnologie und Expertin für Ernährungsgeschichte über die aktuelle Koch- und Ess-Kultur. Ein kleiner kulinarischer Einkaufsführer für Hamburg rundet den gelungenen Schwerpunkt ab (der in diesem Umfang eigentlich jeder Ausgabe des Stadtmagazins gut zu Gesicht stünde).

Ein kleines Suchbilderrätsel versteckt sich auf Seite 38, über dem Artikel zu Christian Wrenkhs Wiener Kochsalon. Erkennen Sie den Herrn im hellblauen Hemd der da zusammen mit SZENE Hamburg Musikredakteur Jan Kahl angestrengt in eine Schüssel starrt?
Ja, ich bin es, bei meinem ersten Kochkurs! Kochkurs? Ja, einer der besonderen Art. Was es mit der „Glücksküche“ auf sich hat und wie der Quinoa-Fischsalat schmeckte, den Jan und ich zusammenrührten zauberten, davon erzählt hier demnächst einen ausführlichen Bericht.

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Schwein gehabt: das Porkcamp auf Gut Hesterberg

Einen langen Moment stehen sie sich gegenüber, wie Tänzer aneinander gelehnt, eingefroren in der Bewegung, ihre Muskeln sind gespannt – der Schlachter und das Schwein. Das Schwein steht auf den Hinterpfoten, die Augen sind geschlossen, den Kopf in die Höhe gestreckt, es wird gehalten von der Metallzange des Schlachters, Strom fließt, ein paar Sekunden noch, ein Hupsignal ertönt und erklärt den Tod. Die Zange öffnet sich, das Schwein fällt zu Boden. An einer Fußschlaufe geht es wieder hinauf, kopfüber, ein Kehlstich, erstaunlich wenig Blut, keine Panik, keine Schreie, viel Stille. Zu zweit waren die Schweine in den gekachelten Schlachtbereich gekommen, hatten sich umgesehen und es nicht kommen sehen. Sie werden immer paarweise reingeführt, erzählt der Schlachter, die Schweine bleiben so seelenruhig entspannt bis zum Schluss. Und darüber hinaus. Unbeeindruckt macht sich das überlebende Schwein auf den Rückweg in den Stall. Es ist 5:50 Uhr.

Die dampfende Entborstungsmaschine aus schwerem Stahl bebt, bedrohlich hebt sich der Deckel immer wieder um ein paar Zentimeter, das schwere Tier schlägt hart gegen die Metallwände, weiße, heiße Wolken, aus dem Abrohr ein rötliches Rinnsaal das immer heller wird. Es dauert gefühlt ewig. Hufschuhe, Augen und Ohrmuscheln werden entfernt, wie Butter fährt das Messer in einer langen Bewegung durchs dampfende Marzipanschwein, von innen nach außen geführt um die Innereien nicht zu verletzen, die sich jetzt ins Gekachelte ergießen. Nach wenigen Minuten fahren zwei saubere Schweinehälften zum Auskühlen. Zwei bereits abgehangene Hälften vom Vortag verwandeln die Schlachter mit fließenden Schnitten in Stücke, in Koteletts, Filets, Schinken, Schultern, Bauchfleisch, Rippchen, auch der Kopf, die Füße, die Öhrchen, die Innereien und das Blut gehen in die Verarbeitungsräume nebenan. Uns interessieren weniger die Königsstücke, wir wollen lernen auch die weniger beliebten Teile zu verarbeiten. Wir wollen das ganze Schwein verarbeiten.

Am Vorabend haben wir uns kennen gelernt, vierzig Menschen, die wissen, dass Nackensteaks nicht in Styroporschalen wachsen, Menschen die es genauer wissen wollen und neben der Neugier bereits eine Ahnung vom wahren Wert des Fleisches verinnerlicht haben. Das Porkcamp beginnt mit einem Grünkohlessen im Hofladen von Gut Hesterberg, hier haben die Initiatoren einen Schlachtbetrieb gefunden, der seine Tiere kennt, stressfrei schlachtet, selbst Fleisch verarbeitet und: sich dabei über die Schulter sehen lässt. Organisator Florian Siepert begrüßt an diesem Abend die unterschiedlichsten Menschen, die sich in Gruppen an den schweren Holztischen finden: die Wurst-Gruppe, die Porchetta-Gruppe, die Hals-Nasen-Ohren-Gruppe, die Pie-Gruppe, die Sülzen-Gruppe, die Blut-Gruppe. Online wurden im Vorfeld Rezepte aufgerufen, Einkaufslisten geschrieben, Pläne geschmiedet. Vor dem Schlachten hatten alle Respekt.

Ein Eiswind fegt über den Gutshof, nadelnde Kälte auch in der Metzgerei, mit klammen Fingern und Wolken vor den Gesichtern sehen wir dem Fleischer bei der Arbeit zu, er wolft Fleisch und Speck für die Nürnberger Rostbratwürste, grob als Einlage, das feine Hack wird weiter zu Brät gekuttert, abgewogene Gewürze zugegeben. Beinahe zärtlich streicht er prüfend über die Masse, erklärt geduldig, keine Frage ist hier blöd. Temporeich schießt die Wurstmasse in 28 g-Portionen vakuum-entlüftet in die Därme, an langen Ketten hängen wir die Würste auf. Mir ist das ein bisschen unangenehm, wie schnell das hier geht, am Abend hatte ich der Wurstgruppe noch, mit der wissenden Grabesstimme eines erfahrenen Privat-Wursters, stundenlanges Rumgefummel prophezeit. Um 8:00 die erste Tasse heißen Kaffee und frisches, von uns selbst hergestelltes, Mett auf knusprig warmen Brötchen.

An diesem Vormittag produzieren wir auch Leberwurst die in armdicke Därme gefüllt wird, eine würzig grobe Bratwurst und Pressack für den wir dampfend heiße, gekochte Schweinsköpfe abziehen, das Fleisch auslösen und die Schwarten putzen; gewürzt und gewürfelt wird daraus später die Wurstspezialität. Neue Gruppen drängen nach, da werden Sülzen angesetzt, Fleisch gewogen und gewürzt, ein Durcheinander von weißen Schutzkitteln und schwerelosen Haarhauben, blaue Füßlinge lösen sich langsam vom Schuhwerk, Mittagszeit.

Zu zweit einen Berg Kartoffeln gepellt, einen großen Topf buttrig-sahnige Stampfkartoffeln für alle angerührt. Der Chef der Gutsküche spendiert ein sensationelles Sauerkraut, mit Kümmel, ganzen Senfkörnern und Möhren, weich und köstlich süß gekocht. Eine Gruppe hat Leberkäse hergestellt, sechs dampfend heiße Leiber mit knusprig dunkler Kruste kommen frisch aus den Öfen, Senftöpfe werden verteilt, dankbar gegessen. Es kehrt keine Ruhe ein in der Küche, jetzt geht es erst richtig los und für mich persönlich beginnt einer der schönsten Kocheinsätze die ich je erlebt habe.

Ich bin umgeben von Wahnsinnigen, von Gleichgesinnten. Mit gespannter Aufregung und hoher Konzentration produziert da an diesem Nachmittag eine frisch zusammen gewürfelte Küchenbrigade ein Festmahl. Gelernte Köche, geübte Kulinariker und Kochbegeisterte arbeiten gemeinsam am Abendmenü. Es duftet unfassbar gut. Einen Liter Rotwein und einen Liter roten Portwein, erklärt mir ein Kollege aus Berlin, habe er auf 4 cl eingekocht, die Basis für einen Fond in dem jetzt Schweinsöhrchen köcheln, die anschließend kalt in Form gepresst, gewürfelt, paniert und kross frittiert am Abend auf Balsamico-Linsen serviert werden sollen. Dazu Filet im Vakuum gegart, eine Schulter wird mariniert, die es erst am nächsten Tag geben soll, 14 Stunden wird sie im Ofen garen. Die Pie-Gruppe knete schwere Teige, die später mürbe auf der Zunge zergehen werden, die ausgelösten Schweinebäuche für die Porchetta glänzen von feinem Olivenöl, einige mit Kräutern und Knoblauch gefüllt, andere mit Mortadellascheiben und Pinienkernen gerollt, eine gar mit Ananas. In einer Pfanne schwitzt duftend der Calenberger Pannenschlag, eine Art Grützwurst die geschmort wird, daneben auf den riesigen schwarzen Kochplatten simmert das Schweine-Rillette. Ich bin sehr glücklich in diesem Moment, alles macht Sinn, der ganze Weg hierher.

Nimmermüde schleppen die engagierten Lehrlinge des Hauses den Küchengästen neue Zutaten heran, als die Zwiebeln aus sind, wird kurzerhand der Privatbestand der Hausherrin zugunsten eines Zwiebelsuds für die Nürnberger geplündert. Eine kurze Pause am Nachmittag reicht für zwei Sessions von Porkcampern für Porkcamper, wir lernen viel über Möglichkeiten der Schweinehaltung und die Anregung künftig Messer fachmännisch selbst zu schleifen. Überhaupt lernt hier jeder von jedem, jeder Handgriff des Metzgers eine Session, jeder Topf des Küchennachbarn eine Bereicherung.

Am Abend brennen die Kerzen in den gusseisernen Leuchtern, der Wärmeofen faucht in den großen Saal, dunkles Bier wird ausgeschenkt. Die Küche ist gefüllt mit Menschen, erwartungsvoll und interessiert wird gefilmt, photographiert, jeder Moment will festgehalten werden, so schön ist das grade. Und dann geht es los: die oben beschriebene Vorspeise, Tellerservice für 40 Leute, der Knusperwürfel und das zart gegarte Filet butterweich und auch noch in dunkler Jus geschmortes Bäckchen auf würzig-warmen grünen Linsen! Hammer! Szenenapplaus für die gewaltigen, runden Porchetta. Zum dampfenden Topf voll „Blauer Zipfel“ im Zwiebel-Wurzel-Sud gibt es gebutterte Meerrettich-Brötchen, der Meerrettich ist frisch gerieben scharf. Und das Defilee der Beilagen! Unfassbar gut: ein normales Kartoffelgratin um einige Apfelscheiben erweitert. Ich werde nie wieder ein anderes Gratin zubereiten, Meisterklasse! Knackiges Fenchelgemüse, der Pastinaken-Möhrenstampf mit Ingwer fluffig und zum einatmen, cremig und exzellent zurückhaltend gewürzt die buttrige Polenta.

Der Saal gefüllt mit fröhlichen Gesichtern, Gelächter, Stimmen, Fest- und Dankesreden. Wie aus dem Nichts taucht ein Weltklasse-Tiramisu aus der Küche auf und dann glaub ich’s einfach nicht mehr…die Jungs haben „noch mal schnell“ Tarte Tatin gemacht, jenen sensationellen karamellisierten Apfelkuchen der Franzosen, natürlich ist auch eine á la minute aufgeschlagene, luftig-süße Sabayonne dabei. Natürlich auch wieder mit Tellerservice.

Es war ein langer Tag, schon ab 21:00 Uhr leert sich der Saal merklich, die meisten sind seit 4:00 Uhr auf den Beinen. Ausgeschlafen geht es ein paar Stunden später zum Sonntagsfrühstück, an das sich nahtlos das Mittagessen anschließt. Endlich gibt es die göttlichen Pies, feinbröselig vergänglich der schöne Teig, die Füllung des einen schmeckt wunderbar nach Fleisch und sonst nichts, kunstvoll gewürzt der zweite Pie mit Äpfeln und Zwiebeln. Feine Sülzen werden aufgetragen, saftig-scharfe, grobe Bratwürste, gebratener Blutpudding. Und als wir schon mitten in der Planung für das nächste Camp (Lauchcamp!) stecken, rumort es ein letztes Mal in der Küche, kleine Tellerchen finden ihren Weg in die Runde, knusprige Empanadas mit saftiger „Restfleisch“-Füllung und einem letzten Teelöffel dunkler Jus. Lange Schlangen am Verkaufstresen, wortwörtlich über Nacht hat uns die Belegschaft von Gut Hesterberg unsere Produktion „portionsweise“ einvakumiert, in Gläser gefüllt und mit eigenem Porkcamp – Label versehen, wir fahren nachhause mit selbst gemachten Lebewürsten, Bratwürsten, Rillettes, Pfannenschlag und Presskopf.

Ich bin sehr dankbar für dieses außergewöhnliche Erlebnis, dass wir einer Idee und dem Organisations-Talent von Florian zu verdanken haben; und Daniela, die diesen beeindruckend schönen, gastfreundlichen Betrieb für uns fand. Auf Gut Hesterberg arbeiten in allen Bereichen Menschen die über die Maßen gastfreundlich und engagiert sind. Geduldig haben uns die SchlachtermeisterInnen und Schlachterlehrlinge Einblick in ihr Handwerk gegeben, der Küchenchef und seine fleißigen Lehrlinge haben ebenso ruhig und mit helfenden Händen den Angriff auf- und die Besetzung ihrer Küche ertragen. So charmant wie resolut umsorgte uns der Service auch in größten Bestellverwirrungen. Mir war das Wochenende eine große Bereicherung, die Erfahrung des Schlachtens, die kulinarischen Erkenntnisse, der Ideen-Austausch, die guten Gespräche und klugen Gedanken werden nachhaltig wirken. Danke Euch!

Links:

Eine Sammlung von Material zum Porkcamp mit Fotos, Videos und Nachbesprechungen findet sich auf:

porkcamp.com

Eine Porkcamp-Fotosammlung findet sich auch hier:

flickr/groups/porkcamp

Gut Hesterberg (und Hänschen):

Gut Hesterberg liegt in Lichtenberg bei Neuruppin. Neben naturnaher Land- und Forstwirtschaft, eigener Schlachtung und Wurstwarenherstellung und dem Hofrestaurant dass saisonal auch regionale Wildgerichte anbietet, gibt es auf dem Gut eine hauseigene Galloway und Charolais-Rinderzucht zu sehen, sowie Ziegen und Hänschen, einen Ochsen, der glaubt eine Ziege zu sein. Hänschen wurde von seiner Mutter nicht angenommen und von der Gutstochter mit Flasche aufgezogen. In der Pubertät hatte Hänschen dann eine Indentitätskrise, aus der er als Ziege wieder hervor ging. Rinder findet er doof. Wenn es regnet, gehen die Ziegen in eine Schutzhütte in die Hänschen leider schon lang nicht mehr rein passt. Da steht er dann, den dicken Ochsenkopf mit Müh und Not zur Türöffnung hineingestreckt, der restliche Kerl steht im Regen. Macht Hänschen aber nichts. Hauptsache Familienanschluss.

www.guthesterberg.de

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Monsieur, der Hummer und 1020 Kekse. Diese Woche in Frankfurt und Darmstadt

Auch diese Woche gehen Monsieur, der Hummer und ich wieder auf Reisen. Am Donnerstag fahre ich nach Frankfurt am Main, Abends bin ich dort gemeinsam mit der Künstlerin Inken Helldorfer (HfG Offenbach) Gast der KOMMbar, dem Kommunikationssalon des Museum für Kommunikation Frankfurt. Ich lese aus meinem Buch und es wird ein Gespräch geben über Foodblogger, Foodstyling und die mediale Aufbereitung von Essen und Kochen an sich. Inken Helldorfer bäckt dazu sagenhafte 1020 Kekse für diesen Abend und wird erläutern, was es mit diesen Kunstleckerbissen auf sich hat. Anschließend wenden wir uns alle gemeinsam dem Bar-Angebot zu.

KOMMBar: Take a bit(e)
Museum für Kommunikation, Frankfurt a. M.
Donnerstag 28.01.2010, 19:00 Uhr
4 EUR (Eintritt frei mit der Kommunikator-Karte)

Sonntag bin ich dann Gast der Literaturinitiative Darmstadt, eine Lesung für Frühaufsteher, denn das literarisch-kulinarische Frühstück im Darmstädter Schloss beginnt schon um 11:30 Uhr. Ich lese einfach Anfangs noch etwas leiser.

Literarisches Frühstück der
Literaturinitiative Darmstadt
Sonntag, 31.01.2010, 11:30 Uhr
Darmstädter Schloss

ich freu mich auf alte Freunde und neue Gesichter.

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Grünkohlbrot

Ich gebe zu ich war skeptisch, vermutete ein saisonales Gimmick, eine verkaufsfördernde Albernheit. Da ich aber grundsätzlich an kulinarischen Novitäten nicht einfach vorbei gehen kann, nahm ich Schicksalsergeben auch die Grünkohl Stange (1,60 €) von Dat Backhus mit nachhause.

Und ich muss mich bei den Bäckermeistern für meinen Anfangsverdacht schwer entschuldigen, das Graubrot mit Grünkohl ist ein Knaller! Es dufte würzig und hat eine knusprige Kruste, die Krume ist saftig-locker und schmeckt deutlich, aber sehr harmonisch und angenehm nach Grünkohl. Die Speckstückchen wären eventuell nicht nötig gewesen, unterstreichen aber den deftigen Charakter des Grünkohls.

Bestrichen mit etwas von Mutters Gänseschmalz von der letzten Weihnacht mit Apfel und Zwiebelstücken, dann mit grobem Salz und Pfeffer bestreut, ist die Grünkohl Stange Hauptdarsteller. Schmeckt auch delikat mit Butter und Katenschinken, oder zu heißen Krakauer Würstchen. Der Grünkohl sorgt auch dafür, dass das Brot lange saftig und frisch bleibt. Alt wird die Grünkohl-Stange aber wahrscheinlich sowieso nicht.

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Küchenmusik (1): Brenda Boykin „chocolate & chili“

Geht das eigentlich nur mir so oder hören wir immer weniger Musik? Ich meine so richtig hören, mit zuhören und ein ganzes Album am Stück. Mir gelingt das eigentlich nur noch beim Auto fahren und beim Kochen. Nun ist Musik in der Küche heikel und nicht jedes Album passt zu jedem Gericht. Zur neuen Rammstein-Platte mag mit Müh und Not ein Handkäs mit Musik noch gerade so herzustellen sein, für ein Soufflé sollte es dann schon etwas Geschmeidigeres sein, das zarte Ding erschrickt nämlich sonst.

Zu Brenda Boykins Album chocolate & chili (2008) gelingt Soufflé beinahe schon von alleine. Der Kritiker und Blueshistoriker Lee Hildebrand nannte Brenda Boykin : „Die authentischste und schöpferischste Bluessängerin ihrer Generation.“ Die Blues- und Jazzsängerin aus Oakland in Kalifornien lebt seit einigen Jahre in Wuppertal, dort verschönerte Sie mit Ihrer gewaltigen Stimme schon einige Produktionen des ebenfalls dort ansässigen Musikprojekts „Club des Belugas“. Ihr Soloalbum ist ein Festmahl.

Boykin serviert eleganten Jazz, mit federleichtem Swing und dickem Funk, für Bodenhaftung und Roots sorgt ihre unverwechselbare Stimme. Magisch der schleppende Titeltrack „chocolate & chili“, depp und dunkel die Funknummer „Talk with your hands“, bestens geeignet um Kuvertüre zu schmelzen und Risotto cremig zu rühren. Anstrengende und eintönige Schnippelarbeiten gehen wie von selbst von der Hand mit Songs wie „State Side Blues“, „Listen to the beat“ und „Hard Swing Travelling Man“, Hammer die seufzende Wurlitzer-Orgel und die fliegenden Bläsersätze. Zum Dessert sollte es dann ganz dringende das zart schmelzende „Rockabye me“ sein. Ein Genuß!

Anhören: „Hard Swing Travelling Man“

Links:

Brenda Boykin auf myspace

Club des Belugas auf myspace

ChinChin Records

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Extraklasse Kochbuch: “Alles klar” von Tanja Grandits

Da hab ich erstmal mit den Augen gerollt, in der Buchhandlung. Kochen und Servieren im Glas, och nö, is klar, eine entbehrliche Marketing-Idee, man muss sich ja heutzutage schwer was einfallen lassen um dem Kochbuchmarkt noch was hinzufügen zu können, zwischen Hochglanzschmöker und Ramschkarussell. Ich hätte das Buch nicht in die Hand genommen, wäre es nicht von Tanja Grandits, der Küchenchefin des legendären „Stuki“ in Basel, die 2009 einen Michelin Stern erkochte und eben vom Gault Millaut zur Aufsteigerin des Jahres gekürt wurde.

Alles in Glas also. Konservative Kritiker sind dieser Darreichungsform schon etwas länger überdrüssig, da wurde in den vergangenen Jahren doch das ein oder andere Schaumsüppchen zuviel im Reagenzglas serviert, für viele Feinschmecker ist die Glasnummer auch schlichtweg effekthascherischer Kitsch. Wir haben doch Teller.

Nicht so schnell, möchte man rufen, spätestens nach Lektüre von Tanja Grandits wunderbarem Buch. Sie zeigt die Stärken der Glasnummer: mitunter gelingen wunderschöne Miniaturen, das Glas gibt ganz andere Anrichteregeln vor und sorgt auch dafür, dass ganz anders gegessen wird. Von oben nach unten nämlich, fährt die Gabel oder der Löffel durchs Glas, der Genießer hat stets alle Komponenten eines Gerichts gleichzeitig am Gaumen, das ist ein ganz besonderes Erlebnis wenn verschiedene Texturen oder Temperaturen zusammen spielen. Dieses Zusammenspiel gelingt ausschließlich im Glas und bedeutet weit mehr als ein visuelles Gimmick.

Tanja Grandits Küche ist geprägt von eben diesem Miteinander der Aromen, Farben und Texturen und die Meisterköchin legt neben einfach nachkochbaren, aber raffinierten Kompositionen wie Gersten-Selleriesuppe mit Bresaola und grünem Apfel, Ziegenkäsekuchen mit Estragon und Datteltomaten oder Fenchel-Avocado-Salat mit Orangen und Pistazien-Vinaigrette, auch sehr ambitionierte Rezepturen für Fortgeschrittene vor: Geeiste Tomatenessenz mit Sternanis und knusprigem Perlhuhn-Lolli, Jakobsmuschel-Wasabi-Crumble mit Erbsen-Ingwer-Püree und Lammhaxenravioli mit Amaretti-Kürbispüre und Birnen-Sambal, beispielsweise.

Ein großer Zugewinn ist das Buch auch durch die viele Rezept in denen das Aroma-schonende Kochen im Glas angeregt wird: Langustinen und Tomaten in Vanilleöl konfiert, Poulet-Piment-Fleischkäse mit Kartoffel-Karamellschalotten-Salat, Maispoularden-Tagine mit Salzzitronen und Oliven, Steinpilz-Frittata mit Zitronenthymian und Pecorino, im Glas geschmorte Kalbsbäckchen mit Ras el hanout und Karotten-Coucous.

Die wenigen hier zitierten Rezepttitel zeigen es, Grandits Küche ist stark inspiriert von der asiatischen und arabischem Gewürzküche, auch das macht dieses außergewöhnliche Buch so besonders, Glas hin oder her, dies ist eine raffinierte und kompositorisch sehr spannende Küche, mit erfreulich hohem Anteil an vegetarischen Gerichten.

Nicht zuletzt sei der Fotograf Michael Wissinger genannt, der mit klarer, zurückhaltender, Bildsprache die Miniaturen in sanftes Licht tauchte und mit seiner Arbeit auch schon da Buch „Der große Lafer“ prägte.

Alles klar ist sehr inspirierend und anregend kreativ, die Rezepte raffinierte Herausforderungen für Geschmack und Auge gleichermassen- ich bin überzeugt, dass zumindest mich dieses Kochbuch deutlich länger beschäftigen wird als sonst üblich.

Links:

Tanja Grandits Restaurant Stucki:
www.stuckibasel.ch

Fotograf Michael Wissinger:
www.michael-wissinger.de

AT Verlag:
www.atverlag.ch

Tanja Grandits
Alles klar
Im Glas gekocht – im Glas serviert

AT Verlag, Baden, CH
200 Seiten, Format 18,5 x 25 cm
102 Farbfotos, Gebunden, Pappband
ISBN 978-3-03800-473-8
EUR D 24.90
CHF 39.90
EUR A 25.60

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Toasterhase

Was es mit dem Toasterhasen auf sich hat, ist in einer neuen, feinen Alltagsminiatur auf Merlix Blog zu lesen, in der Geschichte von der Hopplermodernisierung.

Merlix der auf herzdamengeschichten.de immer wieder mit seinen klugen Betrachtungen des Familienlebens literarisch und mit viel Witz unterhält, ist ein grandioser Beobachter, ein Erzähler, der die großen Geschichten im vermeintlich Alltäglichen findet. Endlich liegen seine gesammelten Familiengeschichten als Buch fürs Sofa vor. Der Verlag bemüht zur Einordung Axel Hacke und Jan Weiler. Ich finde ja, die beiden können noch was lernen von Maximilian Buddenbohm.

Ich nahm einen Zettel und schrieb auf, welche Wörter der Sohn schon sprechen konnte. Ich kam auf eine Zahl im unteren einstelligen Bereich. „Macht nichts“, sagte meine Herzdame, „wenn er etwas zu sagen hätte, wäre er ein Mädchen geworden.“

Zwei, drei, vier
Wie ich eine Familie wurde

von Maximilian Buddenbohm
ISBN 978-3-86744-138-4
EUR 16,90 (D), sFr 29,50, EUR 17,40 (A)

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Schafhof, Familie Jauernik

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