Fundstück der Woche: Schweizer Dörrbohnen

Posted on | Februar 18, 2014 | 8 Comments

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Wenn ich auf Reisen bin, besuche ich immer auch die Supermärkte meines jeweiligen Gastlandes, nirgendwo erfährt man schneller mehr über die Ess- und Genusskultur der Menschen vor Ort. Die großen Schweizer Supermärkte rangieren da knapp hinter dem märchenhaften Schlaraffenland, was die breite und Güte des Warenangebotes angeht, ich hätte gerne ein Foto meines Gesichtsausdrucks als ich im Coop in St. Moritz/Bad ein Slow Food-Regal entdeckte, mit regionalen Spezialitäten. Auf der Kooperationsseite der Supermarktkette las ich später:

„Mit dem Angebot von Produkten aus Slow Food Presidi fördert Coop die traditionelle Herstellung von Lebensmitteln, die Schweizer Esskultur und nicht zuletzt die Vielfalt des Genusses. Die Produkte werden im Einklang mit der Natur hergestellt. Coop unterstützt den Erhalt von jahrhundertealtem Wissen über traditionelle Herstellungsverfahren einzigartiger, regionaler Spezialitäten.“

Wohlgemerkt, Coop ist eine Supermarktkette. Schweiz, Du hast es besser. Im Regal u.a. ein Baumnussöl, gelagerter Vialone Nano Reis, Linsen aus der Schweiz und ein Päckchen grüngrauer Algen. Algen? Ich sah genauer hin, das hatte ich noch nie gesehen. Schweizer Dörrbohnen las ich auf dem schönen Etikett, aus Bio-Anbau und bei 35 Grad schonend luftgetrocknet. Und noch während ich mich fragte, wer denn wohl und vor allem warum irgendwer grüne Bohnen trocken wolle, stand ich schon an der Kasse. Für 100 g der Slow Food Dörrbohnen aus Bioanbau zahlte ich knapp 10 Franken, etwa 8 Euro. Die müssen schmecken!

Neben der klitzekleinen Kochbeschreibung auf der Packung selbst, wurde ich natürlich verlässlich fündig im Schweizer Foodblog Lamiacucina, erfuhr nach weiteren Recherchen, dass ich einen wahren Schatz in den Händen hielt. Die Schweizer sind verrückt nach ihren getrockneten Grünen Bohnen, einem Schweizer Kulturgut, leider waren wohl in den vergangenen Jahren kaum noch Dörrbohnen aus heimischem Anbau erhältlich. Der überwiegende Teil der sich im Umlauf befindlichen Ware komme aus China, erklärte man mir vor Ort und es sei ein Segen, dass es jetzt wieder Schweizer Dörrbohnen zu kaufen gäbe, die aus China taugten nämlich nichts.

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Die Zubereitung der Dörrbohnen ist denkbar einfach: sie werden über Nacht in Wasser eingeweicht, dann mit in Butter geschmorten Zwiebeln (und nach Geschmack gehacktem Knoblauch) durchgeschwenkt. Für die „Berner Platte“ kommen Speck und Rippchen dazu, dann wird mit Fleischbrühe aufgegossen und alles knapp bedeckt im geschlossenen Topf oder Bräter 25-30 Minuten gegart. Die Berner Platte wird zusätzlich mit Würsten und Sauerkraut serviert. Ich habe norddeutsche Kochwürste und geräucherten Speck mitgegart, später noch mit wenig Salz, etwas Pfeffer gewürzt und frisch geschnittene Petersilie zugegeben.

Die Bohnen schmecken dann wie eine Reduktion von grüner Bohne, tief und intensiv. Sie entfalten einen einmaligen, durch die Trocknung verstärkten Geschmack und haben ein außergewöhnlichen, „fleischigen“ Biss. Kein Wunder, dass die Schweizer verrückt nach Dörrbohnen sind und diese sogar verwenden, wenn eigentlich frische Bohnen Saison haben.

Ich habe auch von einem rahmigen Dörrbohnen-Kartoffeleintopf mit Speck gehört, den mache ich das nächste Mal, die Dörrbohnen sind aus!

Weiterführende Links:

Diese Bio-Dörrbohnen aus der Schweiz habe ich mitgebracht und probiert, sie können auch online bestellt werden: bei gruenboden.ch

Alles über Dörrbohnen auf der ohnehin empfehlenswerten Seite kulinarischeserbe.ch

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8 Responses to “Fundstück der Woche: Schweizer Dörrbohnen”

  1. Claudia
    Februar 18th, 2014 @ 09:10

    So was ist immer großartig, wenn man in einer fremden Umgebung so einen kulinarischen Schatz birgt. Das verschafft mir auch immer die allergrößte Freude und ich werde ganz aufgeregt, wenn es ans Verarbeiten geht. Gerade habe ich ein Bio Umami Salz aus fermentiertem Reis aus Japan entdeckt. Da bin ich schon ganz gespannt darauf.

  2. Irene
    Februar 18th, 2014 @ 09:45

    Ohja! Als Kind nicht geliebt und heute stehen sie oft auf dem Tisch. Als Gemüsebeilage oder aber als Salat! Ich mag mich an Dörrbohnen in zusammengenähten Geschirrtücher erinnern, welche mein Grosi haufenweise im Esterrich gelagert hatte. Die wurden früher zum haltbar machen gedörrt. Hier bekomme ich sie regelmässig im Biokistchen und kann sie beim Bauern des Vertrauens kaufen. Aus der Region, etwa zum halben Preis ;-)
    Liebs Grüessli aus der Schweiz
    Irene

  3. lieberlecker
    Februar 18th, 2014 @ 17:00

    Dörrbohnen sind wirklich eine geile Erfindung (excuse my french) :-)
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

  4. Claudia von Dinnerumacht
    Februar 18th, 2014 @ 19:54

    Im Übrigen macht das meine Tante in Nordrach noch heute mit Kehlkraut. Trocknen, im Winter in ein Kopfkissen und bei Bedarf einweichen. Sie ist wunderbar im Bewahren alter Traditionen.

  5. Martina
    Februar 18th, 2014 @ 22:15

    Die Schweiz ist uns da weit voraus. Ich liebe diese Coop Läden, da könnte man mich aussetzen, den Gesichtsausdruck kenne ich :). Übrigens gibt es die Bohnen auch bei migros-shop.de zu bestellen, keine Bioqualität aber auch lecker.
    Schöner Beitrag !

  6. Dörrbohneneintopf | Food for Angels and Devils
    Februar 23rd, 2014 @ 17:00

    […] dem Beitrag von Stevan über Dörrbohnen kam mir der Gedanke, dass man damit nicht nur den super leckeren Dörrbohnensalat mit Baumnüssen […]

  7. Jens
    März 14th, 2014 @ 07:36

    Sehr schöner Artikel. Ich bin gerade zufällig auf Deine Seite gestoßen und dann habe ich zuerst diesen Artikel gelesen.
    Das wäre auch etwas für mich gewesen, wobei ich bisher noch nie etwas von diesen Bohnen gehört habe. Ich kann sie mir aber sehr gut auf dem heimischen Küchentisch vorstellen. Leider werde ich so etwas hier im Norden Deutschlands kaum bekommen :-(
    Aber ich stelle mir gerade die Frage, ob ich Dörrbohnen im Herbst, wenn die eigene Ernte eingefahren wird, mal selber herstellen sollte. Ich muss mich mal auf die Suche machen, wie man die am besten dörrt …

    Gruß und vielen Dank für diesen wunderschönen Artikel,
    Jens

  8. Herr Paulsen
    März 17th, 2014 @ 08:47

    Danke Jens, freut mich sehr!

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